Bedeutende Bürger haben hier gewohnt. Einige Namen sind auf Tafeln an der Fassade verewigt. In ihrem Vortrag „Ein geheimnisvolles Haus“ am Donnerstag, 10. Juli, um 18.30 Uhr in der Buchhandlung „Zum Grünen Baum“ wollen Ralf Rossmeisl und Robert Zöllner der Bewohnergeschichte des Gebäudes nachspüren.
Und die hat es in sich. Ralf Rossmeisl, der bis zu seiner Pensionierung als Hausforscher im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim tätig war, formuliert es recht zugespitzt: „Es war eine Schlammschlacht, die da losgetreten wurde“, sagt der Referent mit Blick auf die einstigen Stadtoberhäupter Johann Schwertführer – er wohnte in dem Haus – und Leonhard Schad. Der eine war katholisch, der andere evangelisch.
Damit ist die konfliktträchtige Problematik, die im 16. und 17. Jahrhundert in Dinkelsbühl offen zu Tage trat, grob umrissen. Der eine trat gegen den anderen einen Prozess los. Erfolglos. Doch zu viel will Rossmeisl vorab im Gespräch mit der FLZ nicht verraten. Mehr Details zu der bürgermeisterlichen Schlammschlacht will er in seinem Vortrag in der Zufahrt neben der Buchhandlung – diesem, wie er sagt, „Hotspot der Dinkelsbühler Ortsgeschichte“ – präsentieren.
Der Referent wundert sich ein wenig darüber, dass die Geschichte um Bürgermeister Schwerführer nie aufbereitet wurde. Jetzt hat er sich selbst drangemacht und dazu viele Tage im Stadtarchiv verbracht. Drei Regal-Meter mit Material hat er gesichtet. Darunter auch sehr persönliche Briefe, die etwa Auskunft über eine Fehlgeburt der Frau des Bürgermeisters geben. Ganz seltene Briefe für das 16. Jahrhundert seien das, wie Rossmeisl betont.
Neben den Geschichten über die einst prominenten Bewohner des Hauses weist der Forscher auch auf baugeschichtliche Details hin: Eine dendrochronologische Untersuchung habe im Dachstuhl Holz aus dem Jahr 1410 nachgewiesen. Die Grundmauern im Keller würden allerdings darauf hindeuten, dass es diese bereits im 13. Jahrhundert oder noch früher gegeben hat. Ralf Rossmeisl hat keinen Zweifel daran: „Dieses Gebäude wird zu einem ganz bedeutenden Haus der Stadtgeschichte werden.“
Nun möchte man eigentlich ergänzen: Wenn es vorher nicht einstürzt. Tatsächlich ist der Zustand des Hauses in Teilen besorgniserregend. Passanten können seit einiger Zeit ein Gerüst an einer der Außenwände sehen.
Hannsjörg Bauer, dem das markante Gebäude im Zentrum der historischen Altstadt zusammen mit seiner Schwester Heike Severin und dem Neffen Louis Bauer gehört, zeigt im oberen Bereich des Hauses auf eine Ecke, in der massiver Schaden zu sehen ist. Dort hat sich die Außenwand gelöst. „Wenn der Druck von oben fehlt, können auch Wände kaputtgehen.“ Im Moment ist wieder alles gesichert.
Doch eigentlich stünde eine Komplettsanierung ins Haus. Mehrere Millionen Euro wären dafür nötig. Die Familie will es in Angriff nehmen, was allerdings nur mit entsprechend hoher finanzieller Förderung realisierbar erscheint. „Privat kann man so ein Haus nicht erhalten“, sagt Hannsjörg Bauer. Und er versichert: „Wir wollen keine Wohnungen reinbauen.“ Um dann noch zu ergänzen: „Wir sind Idealisten, keine Kapitalisten.“
Fest steht, dass die Buchhandlung mit ihrem besonderen Flair erhalten werden soll. Hannsjörg Bauers Vater Hanns hatte die Räume 1959 angemietet. 1973 hatte er das komplette Haus erworben und sukzessive die Buchhandlung erweitert. Neben der Buchhandlung kann sich der Sohn in dem markanten Gebäude auch ein kleines Museum vorstellen. Vielleicht auch ein Café. Und Räume für Veranstaltungen. Jedenfalls scheint das Herz von Hannsjörg Bauer an diesem historischen Gebäude, in dem er aufgewachsen ist, zu hängen. Kaum jemand dürfte das Haus besser kennen als er.
Wenn er einst als Jugendlicher spät abends die Wohnung verließ, wusste er genau, an welchen Stellen der wuchtigen Holztreppe er auftreten durfte, ohne das Holz zum Knarzen zu bringen. Es dürfte nicht das einzige Geheimnis sein, von dem Hannsjörg Bauer zu berichten weiß.