An alten Dokumenten zu forschen, kann spannend wie ein Krimi sein. In der Geschichte nach Antworten zu suchen, fesselt oft nicht nur Wissenschaftler. Mit historischen Fotos aus Ansbach zum Beispiel sind für die Volksmusik-Forschungsstelle in Uffenheim etliche Fragen verbunden. Die Wissenschaftler bitten um Mithilfe.
Ein nun abgeschlossenes Projekt der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik der Bezirke Mittel-, Ober- und Unterfranken in Uffenheim heißt „Bilddokumente traditioneller und populärer Tanz- und Unterhaltungsmusik“ – mit Postkarten, Foto- und Diareproduktionen sowie weiteren Objekten.
Damit füttern die Wissenschaftler das Bavarikon. Das Ziel dieses Internetportals des Freistaats ist die „Präsentation von Kunst, Kultur und Wissensschätzen“, wie es selbst Auskunft gibt. Ein Teil der Objekte ist schon im Bavarikon enthalten. Alle weiteren sollen im Januar folgen. Ansbach-Bezug haben allein 23 von ungefähr 1300 Objekten.
Eine bereits verfügbare Ansichtskarte etwa hat einen ganz eigenen Bezug zu der Stadt. „Der Poststempel ist aus Ansbach“, schildert die Leiterin der Forschungsstelle, Dr. Heidi Christ, „sie ist 1910 gelaufen“ – und ging nach Lauingen.
Mehrere Unterzeichner grüßen von einem „Bockfest“ (oder von einem anderen Fest oder Konzert), das wohl in Ansbach stattfand. Die Karte zeigt H. Reichardt’s Oberlandler-Truppe aus Regensburg. Warum eine Kapelle von dort auf einer Karte aus Ansbach? Das alpenländische Motiv passt doch so gar nicht ins westliche Mittelfranken.
Die Gruppen „hatten ihre eigenen Karten dabei“, stellt die Musikethnologin fest, „die sind dort verkauft worden“. Sehr wahrscheinlich sei, dass die Truppe bei dem „Bockfest“ in der Stadt aufgetreten sei. Von der Musik bis zur Tracht: Das Alpenländische „war sehr en vogue“.
Zwar ist das Projekt abgeschlossen, doch über manche Fotos ist nur wenig bekannt – auch solche mit Ansbach-Bezug. „Wir haben Repros, von denen wir nicht wissen, wann und wie sie zu uns gekommen sind“, schildert Heidi Christ.
Rätsel gibt zum Beispiel ein Foto mit einer Gruppe von Menschen auf. Sie stehen, wohl in Ansbach, vor einem Gebäude, auf dem das Wort „Bank“ zu lesen ist.
„Wir wissen, dass es der Trachtenverein Ansbach sein muss, vermutlich bei einer Fahnenweihe oder so etwas“, sagt die Wissenschaftlerin. Eine Person sei bekannt: Georg Ellinger, ein Musiker des 20. Jahrhunderts aus dem heutigen Ansbacher Ortsteil Geisengrund.
Gerne wüssten sie und ihre Kollegen mehr – und bauen auf das Wissen der FLZ-Leser. „Vielleicht kennt jemand noch Leute“ oder weiß, vor welchem Gebäude die Gruppe steht. Vermutlich stamme das Foto aus den 1920er Jahren.
Wie kommt die Forschungsstelle an ihr Material? Manchmal sind die Wissenschaftler auf Auktionsplattformen im Internet unterwegs, wie Heidi Christ erklärt. Manchmal laufe das Ganze auch über Nachlässe und Schenkungen. „Solche Dinge sind in seltenen Fällen auch einmal bei Notennachlässen dabei.“
Mehr Informationen wünscht sie sich eigentlich zu allen Objekten mit Ansbach-Bezug, etwa zu einem Foto vom ersten Nachkriegs-Posaunentag 1948 in Ansbach. Ein Massenchor spielte damals auf dem Schlossplatz, geleitet von Kirchenmusikdirektor Martin Schlee.
Für das Bavarikon war vorher bereits ein erstes Projekt der Forschungsstelle bestimmt. In diesem ging es um Schellackplatten und Notenhandschriften.
Das Bavarikon ist über bavarikon.de abrufbar. Die noch ausstehenden Dokumente der Stelle sollen im Januar folgen. Wer etwas zu den Fotos sagen möchte, kann sich ab dem Montag, 8. Januar 2024, unter der Telefonnummer 09842/9369490 melden.