Der 56-Jährige erhält den FLZ-Ehrenamtspreis für sein Engagement in der katholischen Kirche. Er wurde schon vor 40 Jahren in den Rothenburger Pfarrgemeinderat gewählt.
Mit 16 beschloss er, etwas zu ändern. „Unsere Jugendgruppe bekam keinen Schlüssel zum Gemeindezentrum. Da habe ich für den Pfarrgemeinderat kandidiert.“ Er wurde gewählt und ist geblieben, auch wenn es mit dem Schlüssel nichts wurde. Den hätten die Jugendlichen gern gehabt, weil sie nach der Firmung ihre wöchentlichen Treffs fortsetzen und nicht immer bei jemandem um Zugang zum Gemeindezentrum betteln wollten.
Gabriel Kastners Elternhaus stand am Alten Stadtgraben, nicht weit von der katholischen Kirche St. Johannis entfernt. Der Mesner wohnte ums Eck. „Wenn er einen Ministranten gebraucht hat, ist er bei uns vorbeigekommen.“ Eine Abfuhr hat sich der Mesner nie geholt, nicht nur, weil vier Jungs zur Auswahl standen. Helfen wurde in der Familie großgeschrieben, und der Vater war in der Gemeinde sehr aktiv. „Er hat uns Kinder schon früh mitgenommen zum Aufbauen der Krippe, zum Aufstellen des Weihnachtsbaums und zu anderen Aufgaben, die zu erledigen waren.“
Der 16-Jährige wurde gewählt und konnte plötzlich über das Gemeindeleben mitreden, blieb aber stiller Beobachter. „Am Anfang war das schwierig. Die erste Zeit habe ich nur zugehört.“ Das änderte sich schnell. Nach einer Schreinerlehre arbeitete Gabriel Kastner ein Jahr in Österreich, machte die Meisterschule, heiratete und wurde erstmals Vater. Seine Ehefrau Carmen folgte ihren musikalischen Interessen in der Kirche und lernte das Orgelspiel bei Ulrich Knörr, der später Landeskirchenmusikdirektor in der evangelischen Landeskirche wurde. „Ich spiele jetzt seit 38 Jahren Orgel“, sagt Carmen Kastner. „An den meisten Wochenenden in drei Gottesdiensten.“
Das gemeinsame Interesse an der Gemeinde empfindet das Ehepaar mit drei längst erwachsenen Kindern als großes Glück. „Wir machen vieles miteinander.“ 20 Jahre nach seiner Premiere im Pfarrgemeinderat wurde Gabriel Kastner zum Vorsitzenden gewählt. Das Amt hat er über die nächsten 20 Jahre behalten, im März steht die nächste Wahl an.
Der Schreinermeister hat gravierende Veränderungen in seiner katholischen Kirche mitgestaltet. Mit den Nachbarn aus Gebsattel wurde eine Pfarrei St. Johannis Rothenburg und St. Laurentius Gebsattel gebildet, mit Dr. Friedrich Weinschrod als gleichberechtigtem Co-Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats. Für die Gemeinden in Stadt und Landkreis Ansbach innerhalb der Erzdiözese Bamberg entstand ein gemeinsamer Seelsorgebereich. Auch für dessen Bereichsrat mit 31 Personen wurde Gabriel Kastner zusammen mit Alexander Biernoth (Ansbach) der Vorsitz anvertraut.
„Es ist schön, über die Jahre so viele Menschen kennenzulernen“, sagt der 56-Jährige, der auch keine Scheu vor schwierigen Gesprächen hat, wenn geringere Mittel neue Ansätze verlangen. „Es ist klar, dass es Veränderungen geben muss. Wir müssen die Kräfte bündeln und versuchen, die Leute mitzunehmen und langfristig zu planen. Wenn ich mit dem Dampfhammer durchgehe, muss ich mich nicht wundern, dass die Fetzen fliegen.“
Sein Rezept: „Jedem zuhören, versuchen zu vermitteln, und jeden mitnehmen. Dazu gehört auch, alle mit Informationen zu versorgen.“ In Rothenburg ist damit viel gelungen, unter anderem der Abriss des Gemeindezentrums an der Erlbacher Straße, das viel zu groß und mit seinem riesigen Saal unwirtschaftlich geworden war. An seiner Stelle steht nun ein Jugendgemeindehaus in Niedrigenergiebauweise mit tragbaren Unterhaltskosten. „Es war super, dass wir das geschafft haben, auch mit viel Eigenleistung.“ Die Frage, wann Jugendliche sich hier treffen dürfen, stellt sich nicht mehr. „Sie können jederzeit rein.“
Praktische Lösungen sucht Gabriel Kastner auch im Beruf. Mit einem Bruder Michael übernahm er im Jahr 2001 das Unternehmen seines Vaters für Metallbau, Schlüsseldienst und Sicherheitstechniken. Sein Netzwerk unter den Handwerkern hat sich bewährt, eigenes Anpacken ist nie eine Frage. „Als Selbstständiger konnte ich mir zudem die Termine einrichten. Das war ein Vorteil, der manches leichter gemacht hat.“
Vor allem, als er an der Valentin-Ickelsamer-Schule nicht nur in den Elternbeirat, sondern über mehrere Jahre zu dessen Vorsitzendem gewählt wurde. Ein zweites Ehrenamt mit ganz anderen Aufgaben, oft tagsüber. „Da geht es fast nur um kurzfristige Themen aus dem aktuellen Schuljahr. In der Gemeinde muss man dagegen langfristig denken. Eine gewisse Kontinuität ist gut. Ich kann nicht etwas anstoßen und es dann anderen überlassen, das auszuführen.“ Für drei Pfarrer war er ein wichtiger Begleiter. „Es gab immer Konsens, es ist nie gegeneinander gearbeitet worden.“
Für die rund 2500 Personen in seiner Gemeinde, zu der auch Nachbarorte wie Ohrenbach, Tauberzell, Lehrberg und Geslau gehören, setzt Gabriel Kastner weiter auf ein Miteinander mit dem richtigen Maß. Erst einmal muss der Alltagsbetrieb laufen, dazu kommen besondere Veranstaltungen „Wir machen Aktionen, die eine gewisse Regelmäßigkeit haben, aber nicht überfordern.“ Neue Impulse gibt es unter anderem mit einer vor vier Jahren entstandenen offenen Männergruppe. Den Meinungsaustausch findet Gabriel Kastner spannend. „Hier treffen sich monatlich Männer zwischen 20 und 85 Jahren.“
Im August wurde ein Freundeskreis für die Kobolzeller Kirche gegründet, die idyllisch im Taubertal unterhalb der Altstadt von Rothenburg liegt. „Wir versuchen, Menschen zu finden, die sich mit einbringen, nicht nur finanziell, auch mit Arbeitskraft, mit Zeit, die sie investieren“, sagt Gabriel Kastner zu dieser Initiative, die viel Interesse findet. „Es kommt immer wieder etwas Neues dazu.“
Für sein Engagement wird Gabriel Kastner bei der Aktion „Mein Ehrenamt” mit dem Preis für den Monat Dezember ausgezeichnet. Sie kennen auch eine Person aus der Region, deren ehrenamtliches Engagement einen Preis verdient hätte? Dann schlagen Sie sie über unser Bewerbungsformular vor. Hier finden Sie alles zur Aktion.