Zum Internationalen Frauentag am 8. März gab es im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zwei Veranstaltungen. Auf Einladung der Bad Windsheimer Grünen trafen sich Frauen in Bad Windsheim zum Frühstück unter dem Motto „Frauen lesen Frauen“. In Neustadt referierte Ulrike Taukert über Frauen in der rechten Szene.
In vielen Ländern wird am Frauentag fröhlich gefeiert. Das geschah im Landkreis auch: Die acht Frauen, die sich in Bad Windsheim im Café Utopia trafen, ließen sich ein leckeres Frühstück schmecken, stellten sich Bücher vor und sprachen über einige frauenpolitische Themen. Wiederholung durchaus gewünscht.
Die vielen Frauen und einige Männer, die in die Bühne im Torhaus kamen, wurden auch mit Sekt empfangen. Danach aber nahmen sie sich eines sperrigen Themas an. Ulrike Taukert beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Frage: Warum schließen sich Frauen einer Szene an, die darauf aus ist, hart erkämpfte Frauenrechte wieder aufzugeben?
Eingeladen hatten zu dem Vortrag die SPD-Frauen, der Kreisverband der Grünen und das Bündnis gegen Rechts. Heike Gareis sprach für die SPD-Frauen die „doppelte Unsichtbarkeit“ von Frauen an, die es zum Beispiel einer Beate Zschäpe bei den NSU-Morden erleichtert hatte, unentdeckt zu bleiben, weil Frauen generell als weniger gewaltbereit und unpolitischer wahrgenommen werden. Benita Esch für die Grünen warf die Frage auf, ob Frauen zum Beispiel in der AfD auch instrumentalisiert würden. Das Publikum war gespalten: Alice Weidel sei „Vorzeige-Lesbe“ einerseits, andererseits eine selbst- und machtbewusste Frau
Mit Hilfe einiger Zitate machte Taukert deutlich, was zum Beispiel Maximilian Krah von der AfD unter „echten Männern“ und „echten Frauen“ versteht. Und die AfD-Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst urteilte, eine Frauenquote sei „Tittensozialismus“. In Parteien und Gruppierungen des rechten Rands beträgt der Frauenanteil elf bis 15 Prozent. Etwa genauso hoch sei der Anteil weiblicher Straftäterinnen im Bereich rechtsextremer Gewalttaten.
Als Psychologin und Trauma-Therapeutin, näherte sich Taukert der Frage wissenschaftlich und bot verschiedene Erklärungsmodelle an. Zum einen verwies sie darauf, dass antifeministische und sexistische Strukturen noch bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitet seien. Deshalb fallen entsprechende (rechts-)populistischen Aussagen auch in demokratischen Parteien auf reichen Nährboden. Ein weiterer möglicher Grund: Frauen trugen die Zusatzbelastung durch Homeschooling und geschlossene Kitas hauptsächlich. Der Vertrauensverlust in demokratische Parteien ließ sie unter Umständen nach Rechts wandern, war eine Erklärung Taukerts.
Bisweilen gebe es komplizierte psychologische Prozesse: Der Nazi-Opa, der in der Familie totgeschwiegen wurde, führt bei der Enkelin unter Umständen zu einer Anziehungskraft autoritärer Strukturen. Oder, noch kruder: Gewalt in der eigenen Partnerschaft führt zu einer kognitiven Dissonanz, wenn man den Mann dennoch liebt. Da kann es eine Erleichterung bedeuten, die Gewaltbereitschaft nur migrantischen Männern zuzuschreiben und somit weiter von sich wegzurücken.
Bei der munteren Diskussion unter der Moderation von Corinna Gräßel vom Bündnis gegen Rechts, wehrte sich Taukert dagegen, dass diese Erklärungsversuche als Entschuldigungsversuche missverstanden werden. „Das sind sie nicht.“
Die Diskussion bewegte sich auf die Frage zu: Wann lohnen sich Gespräche mit Vertretern rechtsextremer Ansichten? Gräßel empfahl, auf Beziehungsebene miteinander in Kontakt zu bleiben, aber auch deutlich „Stopp!“ zu sagen, wenn braunes Gedankengut verbreitet wird.
Eine Besucherin analysierte, dass die Beziehungskultur generell sehr gelitten habe: Es gibt keine Großfamilie mehr, weniger Vereine, den Kirchen laufen die Menschen davon. Die Eltern sind berufstätig und das Handy frisst Zeit, die für Gespräche fehlt. Eine andere Frau betonte, wie wichtig es sei, dass schon Kindergartenkinder Selbstwirksamkeit und demokratische Entscheidungsprozesse erleben, um später überzeugte Demokraten und Demokratinnen zu werden.