Auf Tabellenplatz zehn geht der SV Weinberg in die Winterpause der zweiten Frauen-Bundesliga. Die Trainerinnen ziehen Bilanz.
Durch den Rückzug von Erstligaabsteiger MSV Duisburg blieb der SVW nach der Saison 2023/2024 in der zweiten Liga. Das langjährige Trainergespann Petra Amslinger/Jürgen Schmidt hatte seinen Abschied eingereicht und so wurden die beidem langjährigen Spielerinnen Julia Brückner und Meike Wischgoll zu Trainerinnen befördert. Beide übernahmen mit frischem Elan ihre Aufgabe, teilweise unterstützt von Christina Schellenberg, die die nötige A-Lizenz besitzt.
Stammtorhüterin Sandra Klug verließ den SVW Richtung Schweiz und wurde von Franziska Glaser sehr gut ersetzt (Einzelbilanzen siehe Aufzählung am Textende). Mehr schmerzte der Abgang von Leistungsträgerin und Top-Torschützin Maren Haberäcker zum SV Meppen. „Ihre Egozentrik mitsamt ihrer Dynamik und Torgefährlichkeit fehlt schon in unserem Mannschaftssystem“, findet Julia Brückner.
Mit zwölf Treffern hat der SVW die viertwenigsten Tore erzielt. Nur die letzten drei der Tabelle, Andernach (sechs), SC Freiburg II und Bayern München II (jeweils zehn Treffer) waren noch ungefährlicher im Angriff.
„Da sind wir zu viel von Lisa Wich und auch Annika Kömm abhängig“, sagt Brückner. Wich erzielte ihre drei Treffer in den ersten beiden Spielen gegen Meppen und Andernach. Kömm markierte ihre drei Tore gegen Gütersloh und Bochum (zwei). Die restlichen sechs Tore gehen auf das Konto von Marlene Ganßer (zwei), Djellza Istrfaj, Pia Schneider, Eva Wiesinger und Solveig Schlitter.
Speziell Letztere hätte aufgrund ihrer zahlreichen Torchancen mehr Tore erzielen müssen. Sehr positiv sehen die beiden Trainerinnen die Defensivarbeit mit Torfrau Franziska Glaser an der Spitze und die Integration der Neuzugänge, hier vor allem Anna Horwath und Sophia Klärle. „Die Spielerinnen sind sehr gewissenhaft, achten auf ihre Gesundheit, Regeneration, Ernährung“, so Brückner, die auch betont, dass es „keine Grüppchenbildung gibt.“
In der Winterpause gibt es Abgänge: Ikmete Limani geht zum FC Schweinfurt 05 und die langzeitverletzte Julia Heid schließt sich der DJK Veitsaurach an. Leoni Wagner wechselt zurück nach Schwaben Augsburg.
Neuzugänge „um die fehlende Breite im Kader zu erweitern“, so Brückner und Wischgoll unisono, „sind aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel nicht zu erwarten.“ Hoffnung für die lahmende Offensive machen die beiden langzeitverletzten Anna Hofrichter und Ellen Riess, die ebenso wie Katharina Wiesinger zum Auftakt der Rückrundenvorbereitung wieder im Mannschaftstraining erwartet werden.
„Mit Geld kann man keine Spielerin zum SVW locken“, so Brückner, um noch hinzuzufügen, dass „das Umfeld und die Infrastruktur doch noch sehr verbesserungswürdig sind“.
Stark war der SV Weinberg in die Saison gestartet. Nach Siegen gegen Meppen (3:2)zum Auftakt und dem 2:0 in Andernach führte er die Tabelle an – zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. Nach der 0:2-Niederlage bei Union Berlin vor 4201 Zuschauern fiel man auf den zweiten Platz zurück, ehe man die Spitze wieder am vierten Spieltag nach dem 2:1-Sieg gegen Gütersloh erklomm.
„Wir zeigten in den ersten Spielen eine maximale Effizienz im Torabschluss“, so die ehemalige Torjägerin Wischgoll, „es waren ultraknappe Spiele, bei denen es sich zeigte, dass eben in der Offensive zu viel auf den Schultern von Lisa Wich lastet“. Fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor führte zu der Erkenntnis, mehr mit den Spielerinnen an der Torgefährlichkeit zu arbeiten.
„Richtig schlechte Spiele haben wir nur beim 0:4 in Mönchengladbach und beim 0:6 beim Spitzenreiter 1. FC Nürnberg gemacht“, findet Brückner. Gerade beim FCN habe sich gezeigt, dass der Weinberger Kader eine zu geringe Breite aufweist. Brückner und Wischgoll sind froh über die nun dreiwöchige Winterpause. Das erste Rückrundenspiel ist für den 9. Februar in Meppen angesetzt.
Die einzige Amateurmannschaft der zweiten Liga arbeitet ab 7. Januar wieder in der Vorbereitung, die Brückner detailgetreu ausgearbeitet hat, am großen Saisonziel Klassenerhalt. Derweil schreitet die Professionalisierung der zweiten Bundesliga voran. Ab der Spielzeit 2025/2026 müssen Cheftrainer und Manager mindestens 20 Wochenstunden für den Klub tätig sein.