Die Grünen sagen Nein: Ablehnung des „Szenario 5” bei ANregiomed | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.02.2025 13:52

Die Grünen sagen Nein: Ablehnung des „Szenario 5” bei ANregiomed

Die ANregiomed-Verwaltungsräte Gabriele Müllender und Oliver Rühl (sitzend) lehnen die Abstufung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren ab. Martin Stümpfig und Harald Domscheit (stehend, v. l.) stehen dabei hinter ihnen. (Foto: Robert Maurer)
Die ANregiomed-Verwaltungsräte Gabriele Müllender und Oliver Rühl (sitzend) lehnen die Abstufung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren ab. Martin Stümpfig und Harald Domscheit (stehend, v. l.) stehen dabei hinter ihnen. (Foto: Robert Maurer)
Die ANregiomed-Verwaltungsräte Gabriele Müllender und Oliver Rühl (sitzend) lehnen die Abstufung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren ab. Martin Stümpfig und Harald Domscheit (stehend, v. l.) stehen dabei hinter ihnen. (Foto: Robert Maurer)

Eine klare Ablehnung für das Szenario 5 signalisieren die beiden Grünen-Vertreter im Verwaltungsrat von ANregiomed im Vorfeld der entscheidenden Sitzung am Mittwoch. Oliver Rühl und Gabriele Müllender fürchten gleich eine Reihe an Nachteilen, wenn jetzt entschieden wird.

Szenario 5 will aus den beiden Krankenhäusern in Dinkelsbühl und Rothenburg intersektorale Versorgungszentren machen. Was das bedeutet, ist noch nicht definiert. Klar ist lediglich, dass vor allen Dingen ambulante Behandlungen stattfinden sollen. Für beide Häuser gesichert ist lediglich die Abteilung Innere Medizin. Eine Geriatrie soll jeweils aufgebaut werden. Notfallversorgung findet nur von 8 bis 20 Uhr statt.

Erst Umbau in Ansbach abschließen?

Aber auch das in reduzierter Form: Wer sich tief in den Finger schneidet, kann sich behandeln lassen, doch die echten Notfälle werden in den beiden Häusern nicht mehr landen. Denn: In den Daten der Integrierten Leitstelle sind Dinkelsbühl und Rothenburg dann nicht mehr gelistet, macht der Ansbacher Oliver Rühl deutlich. „Die beiden Häuser nehmen faktisch nicht mehr an der Notfallversorgung teil.“

In der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der Klinik Dinkelsbühl haben sich jetzt auch die Dinkelsbühler Kirchen und Sportvereine zu Wort gemeldet. (Foto: Martina Haas)
In der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der Klinik Dinkelsbühl haben sich jetzt auch die Dinkelsbühler Kirchen und Sportvereine zu Wort gemeldet. (Foto: Martina Haas)

Einsatz für Dinkelsbühler Klinik: „Kompletter Erhalt als einzige Lösung“

Kirchen und Sportvereine appellieren an Landrat und ANregiomed-Verwaltungsrat. Sie sorgen sich um die Akutversorgung im Notfall.

Greifen würde das zu einer Zeit, in der in Ansbach die Abbrucharbeiten des nächsten Bauabschnittes in vollem Gange sein werden, gibt seine Kollegin Gabriele Müllender zu bedenken. Die Abbrucharbeiten werden sich über Monate hinziehen und Ansbach wird allein deshalb die Notaufnahme häufig abmelden müssen, weil sie gar nicht anfahrbar sein wird, macht die Rothenburger Kreis- und Verwaltungsrätin deutlich. Aus ihrer Sicht ist es deshalb zwingend, vor derartigen Entscheidungen den Umbau in Ansbach abzuschließen.

Was die planbaren Operationen angeht, können sich beide eine Konzentration auf einen Standort durchaus vorstellen. Doch für die Notfallversorgung seien Dinkelsbühl und Rothenburg zu wichtig, betonen sie. Es müsse unbedingt an allen drei Standorten eine Rund-um-die-Uhr-Notfallambulanz bestehen, unterstrich Harald Domscheit, der Stellvertreter von Gabriele Müllender im Verwaltungsrat.

Notfallversorgung auf 24/7 ausweiten?

Aus dem Verwaltungsrat ist zu hören, dass Vorsitzender Dr. Jürgen Ludwig die Notfallversorgung gegenüber den 8-bis-20-Uhr-Plänen auf 24/7 ausweiten will. Allerdings ist unklar, ob das in intersektoralen Versorgungszentren zulässig ist. Aktuell heißt es, dort dürfe es nur eine ambulante Chirurgie geben. Das würde mit einer Notfallversorgung im vollen Umfang kollidieren.

Ohne die Standorte Dinkelsbühl und Rothenburg in der Notfallversorgung würden die Fahrzeiten für Notärzte und Rettungssanitäter länger, erinnern die Grünen. Zusätzliches Personal werde nötig, was höhere Kosten verursacht.

Möglicherweise seien sogar zusätzliche Rettungswachen erforderlich, gibt Grünen-Landtagsabgeordneter Martin Stümpfig zu bedenken. Eine solche koste im Jahr im Schnitt 1,5 Millionen Euro. Von den rund zehn Millionen Euro, die die Gutachter als Unterschied beim jährlichen Defizit vom Ist-Zustand zum eingeschränkten Betrieb ausgemacht haben, bliebe somit kaum etwas übrig.

„Wäre eine Idiotie”

Die beiden Grünen im Verwaltungsrat machen noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam, der bislang öffentlich nicht thematisiert wurde: Der Bund hat einen Transformationsfonds aufgelegt, um Kliniken zu unterstützen, die aufgrund des neuen Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes Veränderungen umsetzen. Um Geld aus diesem Fonds zu bekommen, darf vor Juli noch nichts passiert sein. „Deshalb wäre es eine Idiotie, jetzt eine Entscheidung zu treffen“, findet Stümpfig.

Der Abgeordnete fordert den Freistaat dazu auf, endlich eine vernünftige Krankenhausplanung zu erstellen. Es müsse festgelegt werden, wo im Freistaat welches Angebot erforderlich ist.

Mit unklaren Vorgaben

Aus Stümpfigs Sicht wäre es fatal, wenn „wir jetzt Fakten schaffen, die wir hinterher bereuen“. Aktuell ist die Vorgabe, dass die Krankenhäuser bis zum 31. Mai melden müssen, welche Leistungsgruppen sie künftig anbieten wollen. Das sei natürlich ganz besonders schwierig, wenn noch nicht hinterlegt sei, was ein intersektorales Versorgungszentrum leisten darf.

Müllender wirft noch einen weiteren Aspekt in die Waagschale: Die zum Klinikverbund gehörende Akademie ANregiomed bildet an allen drei Standorten Pflegefachkräfte aus. Für die Azubis gehören viele Praxiseinsätze zur Ausbildung, bei einer Herabstufung der Häuser in Dinkelsbühl und Rothenburg sei nicht mehr gewährleistet, dass genug Plätze zur Verfügung stehen. Die Pflegefachleute würden nicht nur im Klinikum selbst sondern auch im ambulanten Pflegedienst, in Altenheimen oder in Arztpraxen fehlen, fürchtet Müllender.

Vielzahl an Bekundungen

In den vergangenen Tagen hat es eine Vielzahl an Bekundungen von Beschäftigten, Verbänden, Institutionen und Privatleuten gegeben, die sich direkt oder über die sozialen Netzwerke an die Verwaltungsräte gewandt haben. Sie fürchten um die Zukunft der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg.

Die Herabstufung der beiden Kliniken braucht im zwölfköpfigen Verwaltungsrat (jeweils sechs aus der Stadt und dem Landkreis) von ANregiomed eine Zweidrittelmehrheit. Nachdem sich Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer bereits klar positioniert hat, gibt es am Mittwoch nach Stand der Dinge in der nichtöffentlichen Sitzung mindestens drei Nein-Stimmen zu den Plänen. Gesellt sich noch ein weiterer Verwaltungsrat zu dem Trio, kommt der Plan nicht zur Umsetzung. Allerdings zeigte eine unverbindliche Abstimmung in einer nichtöffentlichen Kreistagssitzung vor wenigen Tagen eine klare Zweidrittelmehrheit für die Herabstufung.

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