Der vorzeitige Maßnahmenbeginn für die Landesgartenschau (LGS) 2027 in Bad Windsheim ist bewilligt worden. Nun darf es mit den Baumaßnahmen also losgehen. Als erstes Projekt wird die Vergrößerung des Sees am Gradierwerk angegangen.
Die Bedeutung des Bescheids erläuterten am Montag Bürgermeister Jürgen Heckel, Melanie Greifenstein, Kämmerin der Stadt und Prokuristin der Bayerischen Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 GmbH, sowie Birgit Grübler und Rüdiger Eckardt, Geschäftsführer der LGS-Gesellschaft für Bad Windsheim. „Wir können loslegen“, fasste es Grübler zusammen. Ausschreibungen für die einzelnen Projekte waren bislang noch nicht möglich. Erst jetzt, durch den genehmigten vorzeitigen Maßnahmebeginn sei man offiziell handlungsfähig. Vorher hätte man ansonsten förderschädlich gehandelt.
Heckels Dank galt vor allem all jenen, die bei der Beantragung der Förderpakete geholfen haben. „Das letzte Jahr war schon eine Herausforderung.“ Schließlich galt es, die Förderprogramme richtig auszuschöpfen. Die Regierung von Mittelfranken habe mit Philip Haggeney, dem Planer der Daueranlagen, der bei den Genehmigungen oftmals ein Türöffner gewesen sei, stets aufgezeigt, wie die Zusammenstellung am besten zu erfolgen hat. Immer wieder sei in diesem Zuge auch umgeschichtet worden.
Bei den Kosten für die investiven Maßnahmen wird derzeit von rund 25 Millionen Euro ausgegangen. Davon muss die Stadt etwa fünf Millionen Euro schultern. Der Rest stammt aus Fördermitteln (rund 16 Millionen Euro) und dem als GmbH möglichen Vorsteuerabzug, betont Heckel. Rund 11,8 Millionen Euro kommen aus der Landesgartenschau-Förderung, der Rest der Mittel aus der Städtebauförderung.
Besonderen Wert legt Heckel in diesem Zuge auf die Höhe des Schuldenstandes nach der LGS. Entgegen mancher Behauptungen, werde man den bisher höchsten Schuldenstand von 1999/2000 nicht übertreffen. Er wird 2028 bei rund 35 Millionen Euro liegen. In den Jahren 1999, 2000 und 2001 seien es rund 36 Millionen Euro gewesen, so der Bürgermeister.
Respekt zollte er Birgit Grübler und ihrem Team. Die Rahmenbedingungen für die Schau seien nun geschaffen, „es gibt aber noch genug zu tun. Jetzt geht es ans Umsetzen“, meinte Heckel mit Blick zu Rüdiger Eckardt, der noch neu im Geschäftsführer-Duo ist.
Dieses „verzahne“ sich derzeit intensiv. Während sich Grübler um das Marketing, die Öffentlichkeitsarbeit, die Finanzen und das Veranstaltungswesen kümmert, ist Eckardt für den Bau- und Ausstellungsbetrieb, aber auch das Gärtnerische zuständig. Essenziell sei aber auch Heckels Zugkraft und Hartnäckigkeit gewesen, betonte Grübler. „Jemand muss die Strippen in der Hand haben und koordinieren.“
Wie die Verantwortlichen betonen, sei man noch immer im Zeitplan. „Die nächsten anderthalb bis zwei Jahre gilt es jetzt, massiv an den Maßnahmen zu arbeiten. Überall. Links. Rechts. Oben. Unten. An allen Ecken und Enden“, betonte Heckel. Abstimmungen seien noch mit den Stadtwerken nötig, die in die Fernwärmeversorgung investieren. Wird im Zuge der Schau gebaut, sollen die Leitungen direkt mitverlegt werden.
Am Montag, 28. Juli, um 10 Uhr ist dann ein symbolischer Spatenstich mit dem bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber am Gradierwerk angesetzt, zu dem auch die Öffentlichkeit eingeladen ist. Die Arbeiten am dortigen „blauen Herz“, im ersten Schritt das Ausheben der Fläche für die Erweiterung des Sees am Gradierwerk, sind das Startprojekt der Bad Windsheimer Gartenschau. Ab Mitte, Ende August soll dort gewerkelt werden. Im Herbst, etwa im September, soll dann am Spieleband im nordwestlichen Teil des Kurparks gearbeitet werden.
Für den kommenden Winter seien Baumpflanzungen im Kurpark vorgesehen, erklärte Eckardt. Beim Start der Schau – am 29. April 2027 wird sie eröffnet – sollen dann schon satte Gehölze und Stauden zu sehen sein.
Bereits jetzt habe man im Kurpark einen ordentlichen Bestand an Bäumen, fand Heckel. „600 neue sollen noch einmal dazukommen.“ Verschiedene Arten, darunter der kanadische Ahorn oder Linden, sollen künftig ein buntes Bild zeigen und im Herbst stets einen prächtigen Farbverlauf offenbaren. Genau abgestimmt sei das auf den Kurpark. Bei den gewählten Sorten gehe man davon aus, dass sie in den nächsten 20, 30 Jahren mit den klimatischen Verhältnissen hier zurecht kommen.
Der Wegebau im Kurpark sei ebenfalls für den nächsten Winter angepeilt. Es sei davon auszugehen, dass dann großflächig gesperrt werden muss, so Eckardt. Logistisch sei das nicht anders möglich. Zu gegebener Zeit werde man sich mit den Baufirmen zusammensetzen und einen Plan dafür schmieden.
Zwar werde insgesamt versucht, möglichst wenig Einschränkungen zu generieren, ganz ohne werde es aber nicht gehen. Derzeit werde ein System entwickelt, um bestmöglich zu informieren. Neben elektronischen Übermittlungswegen sollen während der Bauarbeiten auch Führungen stattfinden, damit sich die Bürgerinnen und Bürger vom Fortschritt selbst überzeugen können.
„Ja, das wird alles knapp. Wie bei jeder anderen Gartenschau auch“, betont indes Jürgen Heckel. Doch der Eröffnungstermin mit Bayerns Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder steht. „Und das wird auch fertig werden.“ Davon ist Heckel überzeugt – vor allem seit er die Eröffnung der LGS in Furth im Wald besucht habe. Sechs Wochen vorher war für die dortige Tribüne noch nicht einmal das Fundament gegossen, hieß es.
„Es ist dramatisch, was in einer Stadt während der letzten Wochen vor so einer Schau stattfindet“, befand Rüdiger Eckardt. Viele Gewerke arbeiten dann parallel. „Es ist die Hölle los. Aber es passiert eben auch wahnsinnig viel.“ Und: „Bauen beruhigt“, zitierte er seinen ehemaligen Chef. Denn dann tut sich etwas. „Schließlich ist Zeit die einzige Ressource, die wir nicht vermehren können.“ Deshalb sei es sehr gut, dass es jetzt losgehen kann.