Landesgartenschau: Schüler montieren in Bad Windsheim 1000 Bobby-Cars | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.07.2024 07:00

Landesgartenschau: Schüler montieren in Bad Windsheim 1000 Bobby-Cars

Leo Kleim (links) und Justin Dresel sind für die Vormontage in Team Blau zuständig. (Foto: Katrin Merklein)
Leo Kleim (links) und Justin Dresel sind für die Vormontage in Team Blau zuständig. (Foto: Katrin Merklein)
Leo Kleim (links) und Justin Dresel sind für die Vormontage in Team Blau zuständig. (Foto: Katrin Merklein)

Das Quietschen der kleinen Hupen ist schon vor dem Kur- und Kongress-Center (KKC) zu hören. Die schwarzen Plastikrädchen rollen drinnen über den Parkettboden. Die Geräuschkulisse ist enorm. Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Bad Windsheim schraubten am Montag die ersten 600 von 1000 Bobby-Cars zusammen.

Diese sollen am Sonntag, 28. Juli, beim großen Kick-Off-Event zur Bad Windsheimer Landesgartenschau über eine Rennstrecke und über Rampen auf dem Vorplatz des KKC rollen. Ab 13 Uhr treten geladene Ehrengäste gegeneinander an, anfeuern darf jeder, der möchte.

Bürgermeister Jürgen Heckel hat die Flitzer als Spende über die Firma BIG in Burghaslach besorgt. Vergangene Woche wurden sie unmontiert, dafür beklebt mit dem Landesgartenschau-Logo und Stadtwappen, geliefert. An drei Tagen machen nun Schüler die 1000 Autos in fünf Farben fahrtauglich, verpassen ihnen ihr Lenkrad.

Autos stapeln sich zu Bergen

Am Montag ging es für eine siebte Klasse und drei achte Klassen der Mittelschule in die große „KKC-Schrauberwerkstatt“. Nach einer kurzen Anweisung starteten sie durch – im Akkord. Wie am Fließband wurde geschraubt, gerollt und gestapelt. Nach anderthalb Stunden türmten sich in sämtlichen Ecken farblich sortierte Bobby-Car-Stapel.

Eingeteilt in Teams – zu montieren waren je 200 Bobby-Cars in den Farben Rot, Green Sea, Hellblau, Dunkelblau und Rosa – starteten die Schüler mit der Montage. Nazan Tsarenko bringt eine dunkelblaue Karosserie und stellt sie vor Leo Kleim auf den Tisch. Dieser schnappt sich ein Montageset, reißt den Karton auf und schüttet den Inhalt vor sich auf die Tischplatte. Schnell hat der 13-Jährige Routine.

Mit der Lenkachse muss er zunächst das vorgestanzte Loch durchbrechen – in beide Richtungen, damit es rund läuft und nicht hängen bleibt, wenn man später lenken will, erklärt er. Kleim rastet die Stange in den vorgesehenen Platz ein, oben setzt er das Lenkrad drauf und fixiert es mit Schraube, Distanzringen, Unterlegscheiben und Hutmutter.

„Meine Tante fährt immer noch damit“

Neben ihm moniert Justin Dresel ebenfalls ein dunkelblaues Rutschauto. Team Blau hat sich in einen kleinen Nebenraum zurückgezogen, dort ist es nicht ganz so laut. Eine kleine Runde auf den Autos wird aber auch hier gedreht. Zu alt sei man dafür wohl nie, findet Justin Dresel: „Meine Tante fährt immer noch damit.“ Sie hatte ein Bobby-Car zu ihrem 30. Geburtstag geschenkt bekommen. Leo Kleim würde auch nicht „Nein“ sagen, wenn er quasi als „Arbeitslohn“ eines mit nach Hause nehmen dürfte.

Nicht nur das Fahren, auch das Schrauben sei spaßig, bestätigt er: „Das macht voll Bock.“ Diese Aussage hört Birgit Grübler, die Geschäftsführerin der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT), gern. Sie und Bürgermeister Heckel hatten die Schulen um Unterstützung beim Zusammenbauen gebeten. „Wir haben uns gerne bereiterklärt, das für den Bürgermeister zu machen“, sagt Konrektorin Gudrun Dietsch.

Mit einem Augenzwinkern Richtung Endmontage-Platz fügt sie an: „Besser als Unterricht ist es.“ „Auf jeden Fall“, antwortet Mira Moheb und lacht. Sie zieht mit Schraubenzieher und Schraubenschlüssel die Mutter richtig fest.

„Man braucht viel Kraft und Geduld“

Natascha Bokor hält das Auto fest, damit es nicht wegrollt. Sie kann mit ihrer Handverletzung nicht richtig anpacken, ist dafür „Mädchen für alles“. „Ich schau’, dass alles organisiert abläuft“, sagt sie und testet, ob die Lenkung funktioniert, bevor sie das Auto auf einen der Stapel stellt. „Man braucht viel Kraft und Geduld“, sagt Moheb. Die 14-Jährige zeigt auf ihren Finger.

Kurz zuvor war sie mit dem Schraubenzieher abgerutscht, zum Glück keine große Verletzung, nur ein kleiner Kratzer, sagt sie. Nach anderthalb Stunden sind bereits 600 Bobbycars fertig. Damit für die BJB Kaubenheim, die Berufsschule, das Stellergymnasium und den Jugendtreff „Schneiderscheune“ auch noch Arbeit bleibt, haut Birgit Grübler die Bremse rein.

Einblick in die Technik

Früher Feierabend als gedacht: Uwe Martin, Sven Müller und Lars Korder aus dem KKT-Team nutzen die Zeit, führen die Schüler hinter die Kulissen des KKC und zeigen ihnen die Technik.

Auf dem Flur hat eine Schülergruppe eine fisselige Aufgabe. Sie montiert ein Fendt-Dieselross und einen Claas-Tret-Schlepper mit Frontlader und Hänger komplett selbst. Natürlich drehen die Schüler etliche Probe-Runden, damit am Sonntag ein technischer Defekt ausgeschlossen werden kann. Liegestühle für die Zuschauer des Rennens müssen sie ebenfalls noch zusammenbauen.

In 200 der Rutschautos bohren die Mechaniker noch Löcher in die Motorhauben. Ein mit Wasser gefülltes Reagenzglas, in dem eine Stauden-Sonnenblume steht, wird hineingesteckt, erklärt Grübler: der Dreh zur Landesgartenschau. Einige komplett weiße Bobbycars stehen bereits montiert im KKC. Sie werden mit den Bildern eines Malwettbewerbs, der am Sonntag zum Rahmenprogramm gehört, bedruckt, erklärt Grübler, die zuversichtlich in die Runde blickt und die Schüler lobt: „Das sieht alles schon richtig gut aus.“


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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