Wird der offene Jugendtreff im Bürgerpark zum Zankapfel zwischen der Stadt und den Anwohnern? Von einer befriedeten Situation mögen Vertreter der Verwaltung in diesen Tagen jedenfalls nicht sprechen. Gerade auch, weil noch eine Klage gegen die Baugenehmigung vor dem Verwaltungsgericht anhängig ist.
Als der Bautrupp des Berufsförderzentrums (BFZ), das sich neben einigen freiwilligen Jugendlichen federführend für das Projekt engagiert, in der vergangenen Woche anrückte, um mit den ersten Arbeiten zu beginnen, war die Verwunderung bei den Beteiligten groß.
Ein zuvor vom Bauleiter ausgehobener Graben, der dazu diente, die Beschaffenheit des Untergrunds zu testen, war über Nacht wieder geschlossen worden. Die Verantwortlichen interpretierten das als ein Zeichen der Ablehnung des Projekts.
Nach der Veröffentlichung in der FLZ meldete sich allerdings die vermeintliche Übeltäterin zu Wort und schilderte ihre Sicht der Dinge. Hannelore K. (Name geändert) räumte in einem Telefonat mit unserer Redaktion ein, den laut ihrer Darstellung „15 Zentimeter“ tiefen Graben eigenhändig wieder aufgefüllt zu haben. Aus Sicherheitsgründen, wie die Anwohnerin des Jugendtreffs in spe bemerkte.
„Ich wollte mich am Freitagabend im Halbdunkel auf die Steinquader setzen“, erklärte Hannelore K., dabei sei sie in der „nicht abgesicherten Baustelle“ über die Probegrabung gestolpert und umgeknickt. Damit das nicht noch jemandem passiere, habe sie den Graben wieder zugeharkt. Darüber hatte sie nach eigenem Bekunden auch den Bauleiter am Montagmorgen bei Beginn der Arbeiten informiert und im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Mithilfe angeboten.
Von Problemen mit Anwohnern könne also keine Rede sein, meint Hannelore K. Die Vertreter der Stadt bewerten die aktuelle Situation allerdings deutlich anders. Auch im Hinblick auf die Vorgeschichte: In einem Brief an Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) hatte die Vertretung der Bewohner des etwa hundert Meter Luftlinie vom Jugendtreff entfernten Seniorenheims „Hospital“ schon lange vor dem ersten Spatenstich ihre Bedenken geschildert.
„Wir fragen uns allen Ernstes, wie man objektiv und sinnvoll auf den Gedanken kommen kann, dass dieser Jugendtreff im nahen Bürgerpark eine für den angestrebten Zweck geeignete Örtlichkeit sein soll.“ Vor allem an dem von einem Jugendtreff zu erwartenden Geräuschpegel hatte sich die Kritik entzündet. Daher wurde von der Stadt ein Emissionsgutachten in Auftrag gegeben, was den über Sponsoren generierten Etat für den Jugendtreff deutlich minderte.
Zwar habe sich der Widerstand aus dem Seniorenheim daraufhin gelegt, dennoch könne von einer „befriedeten Situation“ keine Rede sein, meinen denn auch Jugendamtsleiterin Sandra Kilian und Sozialreferent Holger Nießlein zur aktuellen Lage. Grund dafür ist neben einer laut den Vertretern der Stadt „nicht harmonischen Informationsveranstaltung“ im Vorfeld die Klage einer Anwohnerin, die noch anhängig ist, wie Nießlein bestätigt.
Darin wird die Rechtmäßigkeit der in der FLZ publizierten öffentlichen Baugenehmigung angezweifelt. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gewinnen, sollte es tatsächlich zu einem Prozess kommen“, sieht Nießlein, Leitender Rechtsdirektor und Sozialreferent der Stadt, keine juristischen Schwierigkeiten auf die Kommune zukommen. Zumal die angestrengte Klage „keine aufschiebende Wirkung“ für den Beginn der Arbeiten habe.
Deshalb habe man bereits in der vergangenen Woche mit dem Aushub für die Betonfundamente und den Malerarbeiten beginnen können. Rechtlich sei das einwandfrei und gerade aus praktischen Gründen nachvollziehbar, bemerkt Nießlein. „Wir wollten nicht warten, bis die warme Jahreszeit vorbei ist.“ Tatsächlich aber baue man derzeit „auf eigenes Risiko“, will heißen: Würde das Verwaltungsgericht die Klage zulassen und die Baugenehmigung für unzulässig erklären, müsste der Jugendtreff wieder abgerissen werden.