In der Woche ab Montag, 22. September 1924, ist das Wetter prächtig, die Sonne strahlt bei über 20 Grad. „Der Ausflugsverkehr ist deshalb ziemlich lebhaft“, meldet die Fränkische Zeitung. „Im übrigen laden die herrlichen Tage zu Spaziergängen in Wald und Flur der Umgebung ein, die schon deutlich die Anzeichen des Herbstes tragen.“
Nach Hennenbach können die Ansbacher zum Beispiel spazieren und hinauf in den auch heute noch beliebten Tiergartenwald. Danach geht’s vielleicht in eine der Hennenbacher Dorfwirtschaften, von denen es jetzt keine mehr gibt. Das Schulhaus steht aber noch, wenn auch mit einem modernen Anbau.
Die Lokalredaktion hofft nun auf einen weiterhin schönen Herbst und beklagt, dass der Sommer so kühl und nass gewesen sei, „daß er diesen Namen gar nicht verdiente“. Heftige Niederschläge und Hochwasser haben in ganz Bayern zu Einbußen bei der Ernte geführt. „Um den vielen kleinen Leuten, die an ihrem geringen Hab und Gut Schaden erlitten haben, mit Unterstützung zu helfen, wurde die Abhaltung einer allgemeinen Landessammlung angeordnet. Spenden werden in der Stadthauptkasse im Rathaus dankbar entgegengenommen.“
In den Schlafsälen der Herberge zur Heimat ist mitten in der Nacht ein Feuer ausgebrochen, den „Herbergsinsassen“ ist der Weg zum Ausgang abgeschnitten: Dieses Szenario ist Grundlage einer Feuerwehrübung, der letzten im Jahr 1924. „Bei dem rasch und sicher ausgeführten Angriff mit sechs Leitern und sieben Schlauchlagen kam auch das Rutschtuch zur Anwendung“, berichtet die Zeitung.
„Als ein junger Radler namens Georg Kernstock die Triesdorfer Straße herabfuhr, kam er in der Nähe der ,Eichel‘ durch Gabelbruch zu Fall“, meldet die Polizei. „Mit blutendem Gesicht verbrachte man ihn zu Herrn Sanitätsrat Dr. Burkhardt, der in der Hauptsache nur eine leichte Gehirnerschütterung konstatierte.“
In der Sitzung des Stadtrats wird erwogen, den Kasernendamm zu verbreitern. Die Stadt hat bereits „einen Streifen westlich vom Kasernendamm erworben, die weiteren Kosten sind auf 7000 Mark berechnet“.
Die „neuen Aushängeschilder der Firma Lichdi“ werden von den Räten genehmigt. „In Anbetracht der künstlerischen Ausführung wird die jährliche Anerkennungsgebühr erlassen.“ Die Lichdi-Filiale mit Kolonialwaren und Delikatessen in der Endresstraße 2 öffnet am 26. September, die zweite Filiale am Oberen Markt 34 wenig später.
„Stadtrat Sperber bringt vor, die von der Stadt am Hardenbergweg gebauten neuen Wohnungen seien so klein ausgefallen, daß man nicht einmal zwei Betten darin aufstellen könne und trotzdem soll eine Frau mit sieben Kindern in eine solche Wohnung ziehen“, berichtet die Zeitung weiter aus der Sitzung. „Oberbauamtmann Flach gibt zu, daß die Wohnungen klein seien, weil man mit möglichst wenig Mitteln möglichst viele Wohnungen schaffen wollte. So klein, daß man nicht einmal zwei Betten stellen könne, seien sie aber nicht.“ Für die Frau mit den sieben Kindern müsse jedoch eine andere Lösung gefunden werden.
Nach wie vor bedroht der Koloradokäfer den Kartoffelanbau in Ansbach und Umgebung. Im Schaufenster der Gewerbehalle sind jetzt Abbildungen und Präparate ausgestellt, damit Landwirte und Gartenbesitzer den Schädling besser identifizieren können. Der gelbschwarze Käfer und seine Larven ernähren sich von Kartoffelpflanzen und können innerhalb kurzer Zeit ganze Felder kahl fressen.
Wer sich für den Winter noch mit Kartoffeln, „gelb und weißfleischig“, eindecken möchte, meldet sich bei Georg Lederer. Er kündigt per Annonce an, dass „Mitte der Woche einige Waggons 1a Speisekartoffeln zum Einlagern eintreffen“. Sie sind direkt am Bahnhof abzuholen. „Bei Großabnahme Vorzugspreise!“
Der beeindruckende Zeppelin, der Anfang September über Ansbach auftauchte, hat bei seiner Rückfahrt eine andere Route genommen – „über Fürth mit Kurs nach Süden“. Dennoch teilen einige Zeitungsleser der Redaktion mit, ihn entdeckt zu haben: unter anderem vom Turm der Johanniskirche aus.
Noch ein weiteres Himmelsspektakel ist zu beobachten: „Die Astronomen erwarten Fayes Komet.“ Da es noch kaum Lichtverschmutzung gibt im Jahr 1924, ist er vermutlich gut zu sehen.
Bürgerinnen und Bürger, die aus der Regierungsbibliothek ausgeliehene Bücher schon seit vier Wochen oder gar länger zu Hause liegen haben, werden von der Presse ermahnt: „Die Bücher sind zuverlässig am nächsten Ausleihtag, dem Donnerstag, zurückzugeben!“
Josef Schur, ein Ansbacher Friseur mit sprechendem Namen, wirbt für ein „neues Haarwuchsverfahren mit dem Wohlmuth-Apparat“. Dieses Feinstromgerät der Firma Wohlmuth & Co. mit Stromregler, Trockenbatterie und anschließbaren Elektroden wird von 1900 bis etwa 1930 zur Heilung diverser körperlicher Beschwerden mittels Elektrizität eingesetzt.
In der Tanzschule Babel steht ein Servierlehrkurs auf dem Programm. Über „Bruchleiden und Kropf“ informiert Dr. von Ley aus München im hiesigen Hotel Bayerischer Hof. Dort kann man sich nach der Konsultation des Arztes mit Ingolstädter Weizenbier stärken. Zu verkaufen von privat sind ein Holzkoffer, ein Jauchefass, ein Schmiedeblasbalg und „ein reinrassiger Zuchteber des veredelten Landschweines“.
Wer kein Schwein benötigt und gern von der weiten Welt träumt, widmet sich ausgiebig der Illustrierten Unterhaltungsbeilage der Fränkischen Zeitung: Derzeit wird der Eiffelturm mit 25.000 Tonnen Farbe frisch gestrichen; und bei der British Empire Exhibition, einer kolonialen Ausstellung in Wembley, präsentiert sich „eine indische Gauklertruppe mit Schwertschluckern und Schlangenbändigern“.