Bei diesem Thema herrscht überparteiliche Einigkeit: Die Belebung der Innenstadt sehen die Fraktionen im Stadtrat von der CSU bis zur ÖDP als eine Kernaufgabe an. Einige Inhalte sind bereits auf den Weg gebracht, konkrete Maßnahmen werden allerdings vermisst. Zwischen kritischen Untertönen wurde nun eine Idee laut.
Stefan Wellhöfer steht vor einem seiner beiden Geschäfte in der Neustadt und strahlt. Ausnahmsweise. Nach dem Umbau hat der Besitzer der „Lustobjekte“-Boutiquen seinen Männer-Shop in dieser Woche eröffnet. Kunden schauen neugierig herein, Wellhöfers Auswahl scheint den Geschmack der Zeit zu treffen.
Doch von eitel Sonnenschein keine Spur. Den Ladenbesitzer treibt ein Thema um, mit dem Ansbach nicht alleine ist: Aufgrund des immer stärker genutzten Online-Handels haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Anbieter aus den Innenstädten zurückgezogen oder ganz aufgegeben. Rechnet man das Eckgeschäft dazu, in dem einst ein Teeladen angesiedelt war, herrscht in der nicht sonderlich langen Neustadt derzeit in sieben Ladengeschäften kein Betrieb.
Kein guter Zustand, finden nicht nur Ladenbesitzer wie Wellhöfer. Auch die Stadträte sprechen von einer „schlimmen Situation“, wenn es im Gremium mal wieder um Themen geht, die der Belebung der Innenstadt dienen sollen. Dabei zeigte sich erst jüngst bei der Entscheidung, ab 2024 einen externen City-Manager zu beauftragen, ein aktuelles Dilemma. Ein Leerstandsmanagement, das freie Einheiten erfasst und im besten Fall nach potenziellen Interessenten sucht, gibt es derzeit nicht.
„Wir sind nicht die, die jeden Tag durch die Stadt laufen und Eigentümer kontaktieren“, ließ Wirtschaftsförderer Christoph Albrecht auf Nachfrage wissen. Sein Bereich umfasse momentan lediglich zwei Personen. Ein Leerstandsmanagement zu betreiben, sei daher zu zeitaufwendig, „das können wir momentan nicht abdecken“.
Wellhöfer weiß um die Zwänge, in denen sich die personell nicht voll ausgestattete Verwaltung der Stadt bewegt. Mit den bunten Regenschirmen, die die Neustadt zierten, hatte er vor über einem Jahr eine vielbeachtete Aktion in Ansbach initiiert. Auch die lachenden Gesichter, die erst in dieser Woche vom Betriebsamt in der Vorbereitung auf die anstehende Adventszeit abgehängt worden sind, hatte er im Rahmen der Citywerkstatt forciert und umgesetzt.
Zwei Beispiele, die zeigen, wie sich die Aufenthaltsqualität mit relativ einfachen Mitteln verbessern lässt. „Ob die lachenden Gesichter oder bunten Regenschirme allerdings dafür gesorgt haben, dass sich neue Geschäfte in der Innenstadt angesiedelt haben oder dass spürbar mehr in die Kassen der Händlerinnen und Händler geflossen ist, darf bezweifelt werden“, merkte die CSU kürzlich in einer Pressemitteilung kritisch an.
„Attraktive und bezahlbare Ladenflächen“, wie sie die Christsozialen fordern, sieht auch Wellhöfer als guten Ansatz. Ihm schwebt „eine Art Einkaufsmeile“ vor, in der weniger Dienstleister als vielmehr der Einzelhandel das Bild der Neustadt prägt. „Leben in der Stadt entsteht auch durch offene, individuelle Geschäfte und Cafés“, findet er.
Umsetzbar sei das durch einen Schachzug, wenn die Stadt als Zwischenmieter fungiere und die Objekte dann an neue Nutzer abgebe. „Auf potenzielle Mieter zugehen und nicht warten, bis jemand anfragt“, sagt Wellhöfer und unterlegt das mit dem Beispiel der Stadt Fürth: Dort sei genau das Konzept umgesetzt und damit die zuvor schwächelnde Innenstadt wiederbelebt worden.