Eigentlich hat er sich gar nicht bewerben wollen – dann blieb er satte 49 Jahre lang. Lorenz Sand hat fast ein halbes Jahrhundert beim Ansbacher Familienunternehmen Hofstetter gearbeitet – und gehörte damit quasi zum Inventar. Jetzt ist der 64-Jährige im Ruhestand.
So lange in einem Unternehmen – das ist ein seltenes Jubiläum. Eine Besonderheit war es schon immer, aber in der schnelllebigen Zeit heute ist es eben eine echte Rarität.
Elektriker hätte er eigentlich werden wollen als 15-Jähriger. Doch da hat das Arbeitsamt gerade keine Stelle gehabt, erinnert sich Sand. Ein Ausbildungsplatz im Heizungs- und Sanitärbereich bei der Firma Hofstetter war dafür frei. „Das mache ich nicht”, war seine erste Reaktion.
Seine Mutter und sein Bruder konnten ihn aber doch überzeugen. Am 1. September 1976 trat er also seine Stelle an. Und „es hat mir von Anfang an gut gefallen”, sagt der Herrieder. Im Februar 1980 schloss er seine Ausbildung ab. Nach einer kurzen Bundeswehr-Pause kam er dann wieder zurück zu den Hofstetters.
Er ist Handwerker mit Herzblut, hat sich viele Dinge selbst beigebracht oder bei anderen abgeschaut. Eigentlich macht er alles selbst. „Außer bei der Elektrik, da lange ich selbst nicht hin”, sagt Sand, der früher ja eigentlich unbedingt mit Strom arbeiten wollte. Besonders gefallen haben ihm als Monteur größere Baustellen und längere Projekte.
2004 fragten die Hofstetters dann, ob Sand bereit wäre, eine Meisterstelle im Betrieb anzutreten. Erst hat der Monteur sich das nicht vorstellen können. Doch er ließ sich darauf ein. Statt Baustelle hieß es dann hauptsächlich Büro.
„Ich habe nicht einmal gewusst, wie man einen Computer einschaltet”, erzählt Sand heute lachend. Doch Geschäftsführer Timo Hofstetter hat ihm alles Schritt für Schritt beigebracht. Personaleinteilung, Baustellenplanung, Bestellungen, Angebote schreiben und Kostenkalkulationen waren von da an sein Revier. „Es war nie langweilig.”
Häufig kümmerte Sand sich schon in den frühen Morgenstunden, zwischen 4 und 5 Uhr, um die Kommissionierung der bestellten Ware. So konnten die Mitarbeitenden pünktlich zu den Kunden fahren.
Vier Hofstetter-Generationen und rund 200 Mitarbeiter hat er im Unternehmen erlebt, überschlägt Sand im Kopf. Über die Jahre hat sich viel verändert. Neue Materialien und Verbindungstechniken kamen auf. Besonders der Heizungsbereich sei „brutal schwierig” geworden durch die verschiedenen Heizsysteme. Sand musste immer am Ball bleiben.
Klar, hin und wieder hat er überlegt, sich etwas anderes zu suchen. Aber er blieb eben doch. Und es hat ihm „unheimlich viel Spaß gemacht”, erzählt er. Sand ist besonders dankbar für die Kundinnen und Kunden, Kolleginnen und Kollegen sowie seine Chefs – für das Vertrauen und die jahrelange, gute Zusammenarbeit.
Am Ende wurde er jetzt trotzdem ein wenig müde und freute sich auf den Ruhestand. Ein bisschen „zwickt es überall” erzählt er. Trotz der körperlichen Arbeit hatte er aber nie große Probleme. Mit Gymnastik und Bewegung hat er das in den Griff bekommen. „Momentan fühle ich mich aber gut.”
Seine Tage füllen sich von allein. Sand packt mit an bei den Häusern seiner erwachsenen Töchter. Er hat außerdem drei Enkelkinder, die er zum Beispiel in den Kindergarten fährt oder sie abholt. „Da gibt es immer was zu tun”, erzählt Sand. Man hört ihm an, dass er sich freut über die Zeit mit seiner Familie. Langweilig wird im sicher nicht.