Dass ein Aischgründer Karpfen mit einem Glas Silvaner aus dem Weinparadies ein Gericht von Weltrang ist, bezweifelt in Westmittelfranken kaum jemand. Damit auch der Rest der Welt davon erfährt, bewirbt sich die Metropolregion Nürnberg als erste Region Deutschlands um den Titel „Welt-Agrarkulturerbe”.
Bei der Grünen Woche in Berlin stellte die Metropolregion am Donnerstag ihre Bewerbung vor. „Wer Agrarkulturerbe pflegt, stärkt regionale Wertschöpfung, Tourismus, Ernährungskultur und das Selbstbewusstsein ländlicher Gemeinschaften und verbindet Vergangenheit und Zukunft der Landwirtschaft. Uns ist es wichtig, die Bedeutung und die Zukunft der Landwirtschaft und unserer wunderbaren Region zu bewahren. Wir haben viel zu bieten und leisten gerne unseren Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaft“, meint Christine Reitelshöfer, Landwirtin und stellvertretende Landesbäuerin aus Petersaurach, dazu.
Mit dem Vorhaben will die Region nach den Worten des Kulmbacher Landrats Klaus Peter Söllner, der Sprecher des Beirats Welt-Agrarkultur ist, „einzigartigen Schatz an Agrarkultur” sichtbar machen und seine Bedeutung für eine zukunftsfähige Metropolregion untermauern. Während einer Podiumsdiskussion mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bei der Grünen Woche unter dem Motto „Zwischen Feld und Welt” wurde über den Inhalt und Stand des Antrags bei der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) informiert. Rainer signalisierte dabei, dass er die Bewerbung in vollem Umfang unterstützt.
Im Zentrum steht die über Jahrhunderte gewachsene, einzigartige Land- und Ernährungswirtschaft in Franken und der benachbarten Oberpfalz. Das agrarkulturelle Erbe der nordbayerischen Region ist laut den Antragstellenden eine gewachsene Mischung aus kleinteiliger Landwirtschaft, regionaler Ernährungskultur und vielfältigen Kulturlandschaften. Die Metropolregion setzt bewusst nicht auf ein einzelnes Vorzeigeprojekt, sondern auf das Zusammenspiel vieler kleiner Agrarsysteme.
Diese reichen vom Gemüseanbau über die jahrhundertealte Karpfenteichwirtschaft zum Beispiel im Aischgrund bis hin zu Streuobstwiesen bei Burgbernheim und Weinbergen. Die Bewerbung zeige zudem, wie wichtig die Arbeit der 100.000 Menschen in der heimischen Land- und Ernährungswirtschaft ist, hieß es auf der Bühne in Berlin.
Neben der Landschaftspflege Metropolregion, sorgen sie mit ihren Erzeugnissen für gedeckte Tische und einen stabilen regionalen Kreislauf auch in Krisenzeiten, erklärte die Geschäftsführerin der Metropolregion Dr. Christa Standecker. Genau diese Resilienz ist ein Kernargument in der Bewerbung um den Titel als Welt-Agrarkulturerbe. Offiziell eingereicht wird die Bewerbung über das Bundeslandwirtschaftsministerium.
Getragen wird sie von einer breiten Allianz aus Kommunen, Landwirtschaft und Wissenschaft. Ein Aktionsplan sieht strategische Projekte vor, die von mehr regionalen Produkten in kommunalen Kantinen bis zu neuen Erlebnisformaten rund um Ernährung und Herkunft reichen. Mit einer Entscheidung der FAO wird frühestens im Herbst dieses Jahres gerechnet. Seit 2002 zeichnet die Organisation weltweit Agrarsysteme aus, die ökologisch, sozial und kulturell besonders nachhaltig sind.
Über die Bewerbung freuen sich auch die Tourismus-Fachleute in der Region, denn sie erhoffen sich zusätzliche Anziehungskraft durch den Welterbe-Titel für die regionalen Landschaften und Spezialitäten von der Bratwurst über den Kloß bis zum Lebkuchen, die auch durch rund 50 Erlebniswege und Lehrpfade thematisch erschlossen werden.
Mit über 300.000 Besucherinnen und Besuchern ist die Grüne Woche eine zentrale Plattform für die Agrar- und Ernährungswirtschaft.