Von wegen Schrott: Feldbahn-Fans graben im Wald bei Lichtenau eine Rarität aus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.11.2025 14:14

Von wegen Schrott: Feldbahn-Fans graben im Wald bei Lichtenau eine Rarität aus

Handarbeit: Mühsam mussten die im Wald vergrabenen Loren geborgen werden. Jonas Trenner (links) half Jürgen Wening (am Kettenzug) und dessen Schulfreund, seinem Vater Harald Trenner. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Handarbeit: Mühsam mussten die im Wald vergrabenen Loren geborgen werden. Jonas Trenner (links) half Jürgen Wening (am Kettenzug) und dessen Schulfreund, seinem Vater Harald Trenner. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Handarbeit: Mühsam mussten die im Wald vergrabenen Loren geborgen werden. Jonas Trenner (links) half Jürgen Wening (am Kettenzug) und dessen Schulfreund, seinem Vater Harald Trenner. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Ein badewannengroßes Konstrukt aus verrosteten Stahlprofilen bringt Männeraugen zum Strahlen. Was für die meisten nur ein Haufen Alteisen sein mag, ist für die Macher des Fränkischen Feldbahnmuseums in Rügland ein wahrer Schatz. Bei der einstigen Tongrube in Lichtenau haben sie die Reste von zwei alten Kipploren ausgegraben.

Der Zufall wollte es, dass diese beiden Wagen oder das, was von ihnen übrig ist, in die richtigen Hände gelangte. Bei Pflegearbeiten auf dem vor Jahren aufgefüllten Areal am südwestlichen Ortsrand von Lichtenau, an der Unterrottmannsdorfer Straße, wurden sie entdeckt. Moosbedeckte Schrotteile ragten in einem Graben aus dem Boden, vom morschen Baumstämmen auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden.

Wie sie dorthin gekommen sind, ist Jürgen Wening ein Rätsel. Denn die etwa 350 Meter lange Schienenstrecke, die einst eine Tongrube mit der Lichtenauer Ziegelei verband, verlief abseits der Fundstelle. Wening, Jahrgang 1969, muss es wissen, denn für ihn – von Kindesbeinen an von Schmalspurbahnen fasziniert – und seinen Schulfreund Harald Trenner war die Mitte der 1970er Jahre stillgelegte Backsteinfabrik anfangs des folgenden Jahrzehnts eine Art Abenteuerspielplatz.

Wo einst die Liebe zur Eisenbahn wuchs

Nun, gut vier Jahrzehnte später, ist Wening mit Trenner und dessen Sohn Jonas an einem nasskalten Novembertag zurück auf jenem Areal, auf dem ihre Liebe zu Industrieeisenbahnen einst reifte. Mit vereinten Kräften und mit Hilfe eines handbetriebenen Kettenzuges, den sie an wechselnden Bäumen ringsum fixieren, wuchten sie die beiden schwer verwitterten Fahrgestelle Zentimeter für Zentimeter aus dem Waldboden, kämpfen mit Wurzelwerk und Bauschutt, mit dem die Loren dort irgendwann zugeschüttet wurden – aus den Augen, aus dem Sinn.

Viel ist nicht übrig von den eisernen Tontransportern. Die Kippmulden fehlen ebenso wie die Achsen und Räder. Und trotzdem wächst die Begeisterung der Feldbahn-Fans vor allem beim zweiten Exemplar mit jeder Minute der Bergung. Denn was sie da mühsam ans Tageslicht befördern, entpuppt sich als echte Rarität: Einer der beiden Wägen ist gebremst.


„Den kriegen wir wieder komplett hin.”

Jürgen Wening

Damit die Züge auf der abschüssigen Strecke nicht außer Kontrolle gerieten, war es nötig, der Lok die Verzögerung nicht allein zu überlassen. „Sowas ist sehr schwer zu finden”, jubelt Wening, als klar wird: Das Bremsgestänge an dem Wagen, wenngleich ziemlich verbogen, ist noch vorhanden. 100 Loren stehen bereits im Rügländer Museum, aber nur wenige mit Bremse. „Den kriegen wir wieder komplett hin”, schwärmt der Wicklesgreuther.

Ins Schwärmen gerät auch Lichtenaus Bürgermeister Markus Nehmer angesichts der Schufterei auf geschichtsträchtigem Boden. „Das sind die letzten Relikte der alten Ziegelei”, betont er, begeistert vom Enthusiasmus des bahnbegeisterten Trios: „Die Loren haben Lokalkollorit. Das sind halt Lichtenauer.”

Großeltern durchkreuzten den ersten Lok-Kauf

Wenn es nach Jürgen Wening ginge, wäre auch eine Lok aus Lichtenau im Fuhrpark in Rügland, der inzwischen über 40 Zugmaschinen zählt – davon neun fahrtüchtig. Nah dran war er schon als Kind. Als die Dieselloks der Lichtenauer Ziegelei zur Verschrottung anstanden, sicherte er sich eine Deutz, für 700 Mark.

Doch die Großeltern, die den damals Zwölfjährigen erzogen, waren von dem Handel weniger begeistert. Sie stornierten den Kaufvertrag, und die beiden Maschinen gingen trotz ihres guten Zustandes den Weg zum Schrotthändler. „Dieses Ereignis prägte das weitere Leben des jungen Feldbahnfreundes”, heißt es dazu in Wenings Vita.

Es muss schon noch einiges gemacht werden, bis die Lok wieder im Originalzustand daherkommt. (Foto: Evi Lemberger)
Es muss schon noch einiges gemacht werden, bis die Lok wieder im Originalzustand daherkommt. (Foto: Evi Lemberger)

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Das Schmalspur-Virus hatte freilich längst Besitz ergriffen vom kleinen Jürgen und seinem Freund Harald. In der weiteren Umgebung gab es noch Reste vieler Feldbahnbetriebe, die sie gemeinsam besuchten und erforschten, um sie davor zu bewahren, völlig in Vergessenheit zu geraten. Mit 17 Jahren kaufte Wening schließlich seine erste Lok. Zuvor hatte er bereits eine Weiche erworben: aus der Tongrube in Lichtenau.

So schließt sich also der Kreis. Und so ist es auch zu erklären, warum ein paar Zentner Altmetall die Herzen gestandener Männer höher schlagen lassen an jenem trübgrauen Herbsttag am Ortsrand von Lichtenau.


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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