Tafel-Helfer in Bad Windsheim wollen „absoluten Neuanfang“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.11.2024 07:00

Tafel-Helfer in Bad Windsheim wollen „absoluten Neuanfang“

Tafel-Helfer Manuel Henneberger fordert einen Neuanfang ohne Thomas Nicol. (Foto: Johannes Zimmermann)
Tafel-Helfer Manuel Henneberger fordert einen Neuanfang ohne Thomas Nicol. (Foto: Johannes Zimmermann)
Tafel-Helfer Manuel Henneberger fordert einen Neuanfang ohne Thomas Nicol. (Foto: Johannes Zimmermann)

Nach der Eskalation bei der Bad Windsheimer Tafel-Ausgabestelle meldet sich nun ein Helfer zu Wort: Manuel Henneberger. Die einzige Chance, die Querelen beizulegen, sieht er in einem absoluten Neuanfang für die Aischgründer Tafel „Iss was“; er fordert den Rücktritt des Vorsitzenden Thomas Nicol. Der zeigt sich indes zuversichtlich, die Ausgabestelle in Bad Windsheim bald wieder zu öffnen.

Der gesamte Tafel-Vorstand hatte unlängst beschlossen, die Ausgabestelle in Bad Windsheim vorerst zu schließen. Als Grund nannte Nicol psychische Gewalt gegen einen Helfer. Er könne diese Zustände nicht länger tolerieren. In der Redaktion meldeten sich als Reaktion auf den Artikel darüber Helfer aus Bad Windsheim. Die sehen das Problem an ganzer anderer Stelle: bei Thomas Nicol selbst.

Der lauteste von ihnen ist Manuel Henneberger. Er ist nach eigenen Angaben seit August Helfer bei der Tafel. Der Psychotherapeut will der Gesellschaft etwas zurückgeben, Gutes tun. Die Bad Windsheimer Ausgabestelle sah er da als ideale Chance. „Aber das, was ich mitbekommen habe, hat mich traurig gestimmt.“ Seine Kritik hat er in einem Facebook-Beitrag deutlich geäußert und darauf große Resonanz erhalten.

Gefährdet der Vorstand die Versorgung?

„Willkür im Verein Iss was in Bad Windsheim – Vorstand gefährdet Versorgung Bedürftiger“ ist der Beitrag überschrieben. „Der Vorstand nutzt seine Macht, um freiwillige Mitglieder bei Meinungsverschiedenheiten willkürlich auszuschließen und die lokale Ausgabestelle zu schließen.“

Gerade erst hatte die Aischgründer Tafel „Iss was“ eine neue Bleibe in Bad Windsheim gefunden, da ist die Ausgabestelle auch schon wieder vorerst geschlossen. Nach neuerlichen Querelen entschied sich der Tafel-Vorstand einstimmig für diesen Schritt, betonte der Vorsitzende Thomas Nicol. (Foto: Nina Daebel)
Gerade erst hatte die Aischgründer Tafel „Iss was“ eine neue Bleibe in Bad Windsheim gefunden, da ist die Ausgabestelle auch schon wieder vorerst geschlossen. Nach neuerlichen Querelen entschied sich der Tafel-Vorstand einstimmig für diesen Schritt, betonte der Vorsitzende Thomas Nicol. (Foto: Nina Daebel)

Streit bei Aischgründer Tafel eskaliert: Jetzt schließt eine Ausgabestelle vorerst

Nachdem sich der Konflikt in Bad Windsheim weiter hochschaukelt, hat der Tafel-Vorstand eine Schließung veranlasst. Für diese Entwicklung gibt es einen „triftigen Grund”.

Gegenüber unserer Redaktion betont Henneberger, dass Nicol die Tafel wie ein schlechter Firmenchef führe. Autoritär. Besserwisserisch. „Dieser Mann ist einfach falsch an dieser Stelle.“ Henneberger räumt ein: Ja, am vergangenen Samstag habe er eine Meinungsverschiedenheit mit einem anderen Helfer gehabt. Das sei aber nicht dramatisch gewesen. Am Montag erhielt er dann eine „Abberufung aus seinem Ehrenamt“, wie andere Helfer bereits vor ihm.

„Kontinuität der Versorgung in Bad Windsheim steht auf dem Spiel“

Die jetzige Schließung habe für „Unmut, Streit und eine tiefe Missbilligung der Einschränkung freier Meinungsäußerungen“ gesorgt, so Henneberger. Dabei sah er zuletzt einen „positiven Aufwärtstrend“. Die Ausgabestelle Bad Windsheim habe der Kritik getrotzt, nun aber folgte der nächste Rückschlag. „Die Stimmen, die einen Austausch des Vorstands fordern, werden immer lauter, da die Stabilität und Kontinuität der Versorgung in Bad Windsheim auf dem Spiel steht.“

Hilfeangebote aus der Bevölkerung seien grundlos abgelehnt, Antragsteller einfach ignoriert worden. Henneberger findet: Das Wohl der Bedürftigen müsse an erster Stelle stehen, Aufklärung folgen. Der Vorsitzende vom Bayern-Dachverband der Tafel müsse nun endlich durchgreifen und Thomas Nicol seines Amtes entheben, fordert Henneberger. „Es geht um die Leute.“

Um die verzwickte Lage mit der geschlossenen Ausgabe in Bad Windsheim am heutigen Samstag zu lösen, erarbeite ein Team gerade einen Notfallplan, damit alle Tafel-Kunden in Bad Windsheim bedient werden können. Das soll „tafelunabhängig“ passieren, so Henneberger. Die Einhaltung der Kühlkette könnten sie wohl nicht garantieren, aber wenigstens Trockenprodukte ausgeben.

Ein Gegenkandidat bei den Neuwahlen

Außerdem wollen die Nicol-Gegner in der Hauptversammlung der Aischgründer Tafel einen eigenen Vorstandskandidaten aufstellen. Wen? Das will Henneberger noch nicht verraten. Laut Nicol soll die Versammlung Ende November/Anfang Dezember stattfinden. Derzeit werde noch eine neue Satzung von einem Anwaltsbüro erarbeitet, die solle bis dahin fertig sein.

Der amtierende Vorsitzende sieht in Hennebergers Vorstoß einen Profilierungsversuch. Die Vorwürfe kommentiert Nicol mit nur einem Wort: „lächerlich“. Der Psychotherapeut wolle nur den „großen Zampano“ spielen. Die Abberufenen – Nicol nennt sie „Aggressoren“ – hätten in der Zwischenzeit die tafel-eigenen Dinge zurückgegeben. Nun sei endlich ein Neuanfang für die Bad Windsheimer Ausgabestelle, „ohne die Aggressoren“, möglich.

Ab 9. November wieder reguläre Ausgabe geplant

Thomas Nicol zeigt sich zuversichtlich, dort ab dem 9. November wieder ganz regulär Lebensmittel ausgeben zu können. „Das hängt jetzt davon ab, wie die anderen Helfer dazu stehen.“ Mit dem Weggang eines Quartetts glaubt Nicol, „das Problem dauerhaft im Griff“ zu haben. Vor einem möglichen Gegenkandidaten für das Amt des Tafel-Vorsitzenden fürchtet er sich jedenfalls nicht – und einen Rücktritt schließt er aus.

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