Die Aischgründer Tafel „Iss was“ kommt nicht zur Ruhe. Gerade war nach den heftigen Streitigkeiten im Sommer ein wenig Frieden eingekehrt, da kracht es schon wieder. Und diesmal so richtig. Einstimmig hat der Tafel-Vorstand nach neuerlicher „psychischer Gewalt“ bis auf Weiteres eine Schließung der Bad Windsheimer Ausgabestelle beschlossen.
Entsprechende Gerüchte in den sozialen Medien bestätigt am Mittwoch der Vorsitzende Thomas Nicol. „Ja, das ist richtig.“ Zu viel sagen darf und will er aber nicht. Denn, wie er betont, habe die Tafel gerade neue Verschwiegenheitsklauseln eingeführt, für Interna. Möglicherweise ist das auch der Grund, weshalb am Mittwoch die Kontakte der Redaktion in die Gruppe der Bad Windsheimer Tafel-Ausgabestelle allesamt ihr Handy ausgeschaltet hatten oder nicht abnahmen. War die Angst vor möglichen Sanktionen zu groß?
Einer aber stichelt bereits am Dienstagnachmittag auf Facebook gegen Thomas Nicol: Markus Schielke, welcher der Bad Windsheimer Tafel-Stelle sehr nahe steht. „Wusstest du, dass wegen dem Egoismus einer Person die ganze Ausgabestelle geschlossen werden kann???“, schreibt er. Oder: „Wusstest du, dass wenn du seine Beiträge auf Facebook nicht likest, Du rausgeschmissen wirst?“
Die Vorstandsentscheidung, die Bad Windsheimer Ausgabestelle bis auf Weiteres zu schließen, und die Social-Media-Beiträge zeigen einmal mehr, dass die Gräben zwischen dem Vereinsvorstand und manchen Bad Windsheimer Helfern nicht geschlossen sind. Nach einem Friedensgipfel beim Bad Windsheimer Bürgermeister Jürgen Heckel war nach den Streitigkeiten im Sommer – damals hatten Ausgabehelfer schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden Nicol erhoben – zumindest nach außen Ruhe eingekehrt. Bis Dienstag.
„Als Auslöser gibt es natürlich einen triftigen Grund“, sagt Thomas Nicol auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wiederholte psychische Gewalt.“ Mehr will und darf er nicht sagen. Nach Informationen unserer Zeitung aus anderen Quellen hatte ein Bad Windsheimer Helfer sozusagen die Seite gewechselt und zu Nicol gehalten. Andere hätten den „miesen Verräter“ daraufhin gemobbt.
Der Tafel-Vorsitzende betont jedenfalls, dass die zumindest kurzzeitige Schließung der Bad Windsheimer Ausgabestelle „nicht meine Entscheidung war“. Bei einer eilig einberufenen Vorstandssitzung hätten alle fünf Anwesenden für diesen Schritt gestimmt. „Es ging einfach nicht mehr. Dieser Beschluss war unvermeidbar.“ Die Tafel verurteile entschieden Gewalt in jedweder Form. Der „Wunsch aller Beteiligten“ sei aber ausdrücklich, die Ausgabe schnellstmöglich wieder zu öffnen – „aber wir brauchen teilweise ein anderes Team“. Und die Bedürftigen lasse man nicht im Stich.
Nicol verweist darauf, dass jeder Tafel-Kunde die Möglichkeit habe, vorerst auf die anderen Ausgabestellen in Neustadt, Uffenheim und Scheinfeld auszuweichen. Nach Neustadt fahre auch stündlich ein Zug aus Bad Windsheim. „Jeder Kunde wird währenddessen bedient“, betont Nicol mit Nachdruck. „Wir lassen niemanden auf der Straße stehen.“
Dass Helferinnen und Helfer anderer Ausgabestellen in der Zwischenzeit in Bad Windsheim aushelfen und die Ausgabe am Laufen halten, das wollte der Vorsitzende ganz bewusst nicht. Im Sommer sei das phasenweise so geschehen, jedoch sei das für die Ehrenamtlichen „eine extreme Belastung“ gewesen, sie seien „von außen mit Dreck beworfen“ worden.
Schon bald werde ein Schreiben an Helfer versandt, mit der Bitte um ein Treffen. Das Motto laute „Zusammenhalt“. Nicol hofft auf eine „schnellstmögliche Lösung“. In Neustadt, Uffenheim und Scheinfeld laufe alles herausragend, so der Vorsitzende, nur einzelne Helfer in Bad Windsheim scherten einmal mehr aus. Gerne hätten wir sie auch zu Wort kommen lassen, jedoch war bis Redaktionsschluss niemand erreichbar. Auch Rückrufbitten blieben unbeantwortet.
Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel zeigt sich ob der neuen Eskalation geschockt. Nein, ein Mitspracherecht im Vorstand habe er nicht. Die einzige Möglichkeit, die er habe, sei eine Vermittlung von ihm als neutralem Mediator. Er hätte sich erneut einen Runden Tisch mit allen Beteiligten gewünscht, um „aufzuarbeiten, was jetzt offenbar wieder vorgefallen ist. Mehr kann ich nicht tun.“ Er wolle auch jetzt keine Partei ergreifen, habe mit drei Betroffenen gesprochen und drei verschiedene Varianten gehört. „Ich kann nichts dazu sagen, ich war nicht dabei. Das ist ein schwieriges Feld.“ Nur zu einer Partei bekennt er sich – „ich bekenne mich zur Tafel“.
Allerdings fragt er sich schon, ob eine Schließung wirklich nötig war. „Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Das geht jetzt zum absoluten Nachteil der Betroffenen“, betont Heckel. „50 bis 60 Leute, die am Samstag kommen und vor verschlossenen Türen stehen.“ Eine Zugfahrt zu einer anderen Ausgabestelle sieht er als nicht wirklich optimale Alternative. „Wenn jemand gefragt hätte, hätte ich mich am Samstag als Hilfsarbeiter in die Ausgabestelle gestellt.“
Wie schnell sich ein neues Team für die Bad Windsheimer Ausgabestelle findet, steht in den Sternen. Laut Nicol soll sie aber definitiv eine Zukunft haben und erhalten bleiben. Wie auch immer die aussehen mag.