Aischgründer Tafel: Vorstand wirft weitere Ehrenamtliche raus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.07.2024 11:00

Aischgründer Tafel: Vorstand wirft weitere Ehrenamtliche raus

Eigentlich schien das Bad Windsheimer Tafel-Glück mit der neuen Ausgabestelle perfekt. Nun brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. (Foto: Nina Daebel)
Eigentlich schien das Bad Windsheimer Tafel-Glück mit der neuen Ausgabestelle perfekt. Nun brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. (Foto: Nina Daebel)
Eigentlich schien das Bad Windsheimer Tafel-Glück mit der neuen Ausgabestelle perfekt. Nun brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. (Foto: Nina Daebel)

Beim Verein der Aischgründer Tafel tobt weiter eine Schlammschlacht. Ehrenamtliche der Bad Windsheimer Ausgabestelle erheben schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden Thomas Nicol – von wüsten Beschimpfungen, frauenverachtenden Äußerungen und Gängelung ist die Rede.

Das Thema ist mittlerweile auch auf Facebook aufgeschlagen, und beschäftigt nun sogar einen Rechtsanwalt. Eine Versöhnung scheint in weite Ferne gerückt. Nach unserem Bericht „,Schlammschlacht‘ bei der Tafel“ vergangenen Donnerstag blieb es lange ruhig. Ein Mediationstermin mit einem Vertreter der Tafel Bayern sollte stattfinden. Mittlerweile ist klar: Im Hintergrund haben sich die Wogen keineswegs geglättet. Nicol hat mittlerweile weitere Ehrenamtliche suspendiert.

Gabi Schmidt zeigt sich „bestürzt“

Seit Mittwoch kocht der Tafel-Streit nun wieder hoch. Zuerst hatte sich die Ehrenamtsbeauftragte der Staatsregierung, Gabi Schmidt, in einem offenen Brief „bestürzt“ über die „aktuellen Verwerfungen im Umfeld der Tafel“ gezeigt. Für Außenstehende sei es aber immer schwer, „sich in derartigen Situationen einen Überblick über die entstandenen Konflikte, Missverständnisse und verletzten Emotionen zu verschaffen“. Schmidt sieht einen „gewaltigen Schaden“ auf beiden Seiten.

Sie appellierte an alle, „die kommenden Tage und Wochen für eine Abkühlung der Situation und vor allem der Emotionen zu nutzen. Es steht viel zu viel auf dem Spiel, als dass man leichtfertig Entscheidungen treffen könnte, die nachher zu bereuen sind“.

Bei der Tafel „Großartiges“ geleistet

Es sei in der Vergangenheit von allen bei der Aischgründer Tafel „Großartiges“ geleistet worden, schreibt die Ehrenamtsbeauftragte. „Aus meiner Sicht kann nur noch ein externer Mediator die Situation befrieden. Bitte nutzt diese Chance“, so Schmidt.

Ein solches Treffen sollte am Dienstag mit Peter Zilles, dem Vorsitzenden der Tafel Bayern – also des Dachverbandes – stattfinden. Dazu allerdings kam es nicht. Laut Nicol haben die Bad Windsheimer Ehrenamtlichen abgesagt, laut den Bad Windsheimer Ehrenamtlichen hat der Vorstand abgesagt.

Helfer wurden ausgeschlossen

Nicol hat nur knapp eine Stunde nach Schmidts Offenem Brief eine Pressemitteilung versandt. Wie er gegenüber unserer Redaktion betont, war das keine explizite Reaktion auf das Schreiben der Landtagsabgeordneten, sondern eine ohnehin geplante Mitteilung.

Darin heißt es: „Um auch weiterhin für die Tafelkunden eine bestmögliche Unterstützung leisten zu können, hat die Aischgründer Tafel beschlossen, einige Helfer aus der Ausgabestelle Bad Windsheim von der Mitwirkung auszuschließen. Diese Entscheidung, die uns nicht leichtgefallen ist, war jedoch erforderlich, um die soziale Arbeit der Tafel im Sinne der dort ehrenamtlich Tätigen und auch unserer Kunden nicht weiter zu gefährden.“

Laut Nicol haben neun Windsheimer Helfer ein Einschreiben bekommen, das mit dem Tafel-Verband und einem Anwalt für Vereinsrecht abgestimmt worden sei.

Neues Team für Bad Windsheim nach Kündigungen?

„Abberufung“ ist dieses überschrieben. Eine solche haben auch Kurt Wening, Ann-Sophie Böhringer und Karl Lampe bekommen. Wie Lampe erzählt, habe der Postbote zu ihm gesagt: „Ach, ist da noch jemand, der eine Kündigung von der Tafel bekommen hat?“ Von einem „radikalen Cut“ habe Nicol gesprochen, so Ann-Sophie Böhringer. Und der Vorsitzende habe die Ehrenamtlichen aus der Ausgabestelle „ausgesperrt“.

Ja, er habe eine Zwischentür in der neuen Unterkunft abschließen lassen, bestätigt Nicol. Entsprechend kommen die betroffenen Helfer jetzt nur noch in einen Raum mit leeren Kartons. Auch das Tafel-Auto habe er abgezogen, so der Vorwurf. Da widerspricht Nicol. Den Schlüssel habe nun vielmehr ein neuer Fahrer, der ab sofort für Bad Windsheim tätig ist.

„Wir werden ein komplett neues Team aufbauen“, so Nicol – wobei der Vorsitzende alle bisherigen Helfer, die keine Abberufung erhalten haben, einlädt, weiter Teil der Tafel zu sein. Auch würden nun ehemalige Ehrenamtliche, die zuvor „vergrault“ worden seien, wieder anfangen. Nicol betont nochmals: „Mir geht es um die Sache“, nicht um persönliche Befindlichkeiten.

Andere Helfer fangen die Situation ab

In der Zwischenzeit fangen Helfer anderer Ausgabestellen die Situation in Bad Windsheim ab. „Dieser höhere zeitliche Einsatz unserer Ehrenamtlichen ist leider unumgänglich, wird aber durch diese voll und ganz mitgetragen“, sagt Nicol.

Diesen Schritt habe er auch mit Tafel Bayern abgesprochen. Die einzige Alternative wäre eine Ausgliederung aus dem Verein „Aischgründer Tafel“ gewesen. „Dann hätten sie aber kein Auto und kein Equipment mehr gehabt, das gehört alles der Aischgründer Tafel. Das wäre einer Schließung gleichgekommen.“

Auf Facebook regt sich indes Widerstand gegen Thomas Nicol. Krumme Geschäfte werden ihm dort vorgeworfen, er habe am Samstag nach dem Presseartikel absichtlich zu wenig Ware zur Verfügung gestellt, um die Bad Windsheimer Helfer weiter zu gängeln.

Indes Zuspruch für das Trio

Auch heftige Beleidigungen und frauenfeindliche Äußerungen werden ihm zu Last gelegt. Nicol spricht von „Lügengeschichten“. Er habe nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der prüft, ob bei den gefallenen Kommentaren auch strafrechtlich Relevantes dabei war.

Lampe, Wening und Böhringer freuen sich indes, dass sich auf Facebook etwas regt. Der Zuspruch zeige ihnen, dass es doch noch Menschen gibt, die das Ehrenamt wertschätzen. Für das Trio ist klar: Bei Thomas Nicol seien immer die anderen Schuld, aber niemals er selbst.

Sie werfen dem Vorsitzenden „selbstgefälliges Gehabe nach Gutsherrenart“ vor. Ob es noch einen Weg der Versöhnung geben könnte? Ausschließen will das hier niemand, die Vorzeichen allerdings stehen schlecht.

Verein hofft weiter auf Unterstützung

Wie es nun weitergeht? Die Abberufenen fordern von Thomas Nicol, die Abberufungsschreiben für nichtig zu erklären. Sie wären auch bereit, sich mit ihm zusammenzusetzen und über alles zu sprechen. Einfach aufhören wollen sie aber nicht. Kurt Wening kommentiert: „Wenn die Klugen aufgeben, regieren irgendwann nur noch die Dummen.“

In der Pressemitteilung der Aischgründer Tafel heißt es zum Schluss: „Wir hoffen trotz der negativen Berichte der vergangenen Tage weiterhin auf die großartige Unterstützung der Lebensmittelspender, der Bürger, der Wirtschaftsbetriebe sowie der sozialen Organisationen im Landkreis und darüber hinaus, um die Arbeit fortführen zu können, um die es hier geht – der Dienst am Menschen.“

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