Rund 1100 Besucher säumten am Samstag den Ring der Rezathalle in Ansbach, als Spitzentiere der fränkischen Rinderzucht präsentiert wurden. Der Anlass war das 125-jährige Jubiläum des Rinderzuchtverbandes Franken (RZV).
Die Veranstalter freute es besonders, dass überwiegend junge Leute gekommen waren. Es wurden Fleckvieh–, Holstein- und Gelbviehtiere von ihren Züchtern durch den Ring geführt. Die Gäste waren bis aus Frankreich und Österreich angereist. Und auch ein Bus voll mit jungen Leuten aus der Oberpfalz war vor Ort. Sie alle wollten sich die Tierschau im Scheinwerferlicht der Halle nicht entgehen lassen.
RZV-Vorsitzender Lothar Ehehalt, der mittelfränkische Bauernverbandspräsident Peter Köninger, Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt und Dr. Georg Beck vom bayerischen Landwirtschaftsministerium erinnerten an die Entwicklung der Zuchtarbeit. Im Mittelpunkt stünden dabei nicht Turbo-Kühe, sondern die Gesundheit und Langlebigkeit der Tiere, hoben sie hervor.
Begonnen hat die gezielte Rinderzucht, nachdem 1888 das königlich-bayerische Körgesetz erlassen wurde und festlegte, dass nur noch reinrassige Bullen ausgewählt wurden. Diese Körungen erfolgten jeweils auf einer Wiese auf Gemeindeebene. Aufgabe des 1898 gegründeten Zuchtverbandes für Fleckvieh in Mittelfranken mit Sitz in Ansbach war zunächst nur die Herdbuchführung und Körung der Bullen. Bald kam die Vermittlung der Bullen hinzu.
Im Ansbacher Verband wurde 1902 der erste Markt nur für Zuchtbullen auf freiem Feld abgehalten. Damals wurde der Kauf per Handschlag besiegelt. 1906 folgten diesem Beispiel auch die Gelbviehverbände.
Weibliche Tiere wurden beim Ansbacher Verband ab 1925 zu den Märkten zugelassen. Märkte mit Versteigerung fanden ab 1927 im Freien auf dem Gelände der späteren Firma Schafft (heute Jack Links) statt. Im Juli 1930 wurde dort die erste Rezathalle eingeweiht. Hier fanden 50 Jahre lang, mit Ausnahme der Kriegsjahre, die Versteigerungen statt. 1980 erfolgte ein Neubau am jetzigen Standort.
Inzwischen öffnete sich der Fleckvieh-Verband auch für andere Rassen, und es kam zum Zusammenschluss mit den „gelben Franken“ in Unterfranken und Teilen Oberfrankens. Heute verkauft der Rinderzuchtverband Zuchttiere aus der Region in weit entfernte Gebiete vor allem in Norddeutschland, Holland und Belgien, und zeitweise wird auch in weitere Länder exportiert.
Vor allem der Verkauf männlicher Kälber zur Mast an spezialisierte Mastbetriebe im Nordwesten Deutschlands bringt heute jährlich zehn Millionen Euro in die Kassen der Mitgliedsbetriebe.
Indes wurde am Samstag zur Bewertung der Tiere der Zuchtexperte Ernst Grabner aus Niederösterreich nach Ansbach eingeladen. Zur vierbeinigen „Miss Franken“ gekürt wurde die Kuh „Ikarus“ aus der Espert-GbR in Dietersheim. „Champion“-Kühe beim Fleckvieh wurden „Hanna“ von der Hegwein-GbR in Buchheim, „Britney“ von der Lang-GbR in Rudolzhofen und „Minka“ von der Fohrer-GbR in Banzenweiler. Die Championkuh beim Gelbvieh kam mit „Ilke“ von Bernd Schirmer in Uttenhofen und bei den Holsteins waren es „Adrio“ von der GbR Wartmennsroth und „Yami“ von der Göß-GbR in Berndorf.
Gruppen- und Klassensieger stellten bei den Holstein-Kühen die Möck-Milch aus Weihenzell und die Göß-GbR in Berndorf.