Nördlich von Unterntief könnte ein ökologischer Solarpark entstehen. Investor und Planer stellten ihr Vorhaben im Bad Windsheimer Stadtrat vor, der grünes Licht für den Aufstellungsbeschluss der Änderung im Flächennutzungsplan gab. Der Ortsbeirat Unterntief kritisiert nach der Sitzung, dass er nicht in die Pläne involviert wurde.
Johannes Voll von der Investorenfirma und Planer Matthias Rühl erläuterten das Besondere an ihrem Vorhaben. Rund 15 Hektar sollen für die Freiflächen-Fotovoltaikanlage genutzt werden, wobei die Fläche laut Rühl „nicht zugepflastert”, sondern nur etwa zwei Drittel mit Modulen bebaut werde. Bürgerinnen und Bürger können sich an der Anlage mit Anteilen zwischen 1000 und 25.000 Euro beteiligen, hieß es in der Sitzung. Der ökologische Gedanke stehe im Vordergrund. Zwei Biotope würden miteinander verknüpft, wilde Ackerkräuter würden angesät und Schafe sollen die Fläche, die etwa 3,5 Kilometer nördlich von Oberntief ausgewiesen werden soll, abschnittsweise beweiden.
Den Strom würde eine Firma aus Bad Windsheim abnehmen, allerdings gelte es noch zu klären, ob Netzdurchleitungsgebühren an den Energieversorger notwendig würden, obwohl es sich um eine vom Investor verlegte Stromleitung handle. Ein Batteriespeicher sei eingeplant, um die durchgängige Stromversorgung zu gewährleisten, so Rühl. Wie viel Strom produziert werden könne, das müsse erst ermittelt werden. Der Tourismus würde insofern profitieren, dass Führungen angeboten und seltene Tierarten beobachtet werden können. Eine Vogelbeobachtungsstation könne beispielsweise eingerichtet werden. Der Bund Naturschutz sei begeistert, „von daher denke ich, wir haben ein tolles Konzept”, sagte Voll.
Den Stadtratbeschluss benötigt der Investor, um in ein Gespräch mit dem Energieversorger gehen zu können, erläuterte Stadtbaumeister Ludwig Knoblach. „Der Stadtrat ist sozusagen der Türöffner.” Knoblach wies auf das Standortkonzept der Stadt Bad Windsheim hin, das in vielen Arbeitsstunden erstellt worden sei, „um die vielen Nutzungsansprüche an den Freiraum konfliktfrei bewältigen zu können”. Dabei spielten Wünsche und Anforderungen von Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Gipsausbau oder Tourismus jeweils ihre Rollen. Das Standortkonzept sei ein „Handwerkszeug für die Verwaltung”, um vorab Entscheidungen zu treffen, welche Anfragen an den Stadtrat weitergeleitet werden, erklärt Knoblach im Gespräch mit unserer Redaktion.
Altbürgermeister Wolfgang Eckardt (FWG) lobte das Konzept und fand, man sollte „so einer Sache eine Chance geben. Wenn er uns überzeugt, dann soll er auch das Go kriegen”. Auch Annemarie Bruckert (Grüne) plädierte dafür, sich nicht „ans Standortkonzept zu fesseln”, sie betrachte die Anlage als „eine Möglichkeit, sich an der Energiewende zu beteiligen. Georg Gerhäuser (CSU) betonte, dass der Stadtrat sich innovativ zeigen müsse und gefasste Beschlüsse auch mal neu überdenken könne. Das sah Volker Goller (Liste Land) etwas anders. Er warnte davor, „dass viele andere nachkommen. Wie sollen wir uns verhalten, wenn das Standortkonzept nicht mehr so eng gesehen wird”. Zudem wollte er wissen, ob der Ortsbeirat in das Vorhaben einbezogen wurde. Bürgermeister Jürgen Heckel (WiR) bestätigte das.
Die Folge: Gegen Volker Goller, Erika Löblein (WiR) und Florian Schäfer (WiR) stimmte der Stadtrat dem Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplans zu.
Im Nachgang der Sitzung wendete sich allerdings der Ortsbeirat Unterntief schriftlich an unsere Redaktion. Dieser wolle „richtig stellen”, dass Heckels Aussage in der Sitzung, der Ortsbeirat sei in die Pläne einbezogen worden, „nicht der Wahrheit” entspreche. „Wir vom Ortsbeirat widersprechen dieser Darstellung ausdrücklich: Der Ortsbeirat war nicht eingebunden – diese Aussage ist falsch und irreführend”, schreibt Unterntiefs Ortsteilbeauftragter Florian Dornhöfer stellvertretend für den örtliche Gremium. Die Fläche liege deutlich außerhalb der im Standortkonzept ausgewiesenen Zonen, heißt es im Schreiben und man warne vor der Schaffung eines Präzedenzfalls.
„Aus unserer Sicht wurde der Stadtrat mit Falschaussagen manipuliert und in eine falsche Richtung gelenkt. Wir vom Ortsbeirat stehen dem Vorhaben aufgrund der direkten Nähe zur Wohnbebauung nicht positiv gegenüber und lehnen dieses Projekt strikt ab.”