Es sollte für alle in der Jugendarbeit engagierten Menschen ein Kennenlernen sein, das in einer Bestandsaufnahme mündet: Nach der Premiere des Kinder-Jugend-Familientages hat Jugendamts-Chefin Sandra Kilian nun die Ergebnisse präsentiert. Tenor: Es wird viel getan, gleichzeitig besteht Nachholbedarf in einigen Bereichen.
Ende Oktober waren im überraschend voll besetzten Onoldiasaal 86 Personen zusammengekommen, die sich in irgendeiner Form beruflich oder ehrenamtlich um die Belange von Kindern, Jugendlichen und Familien in der Stadt kümmern. Bereits in einer ersten Bilanz zeigte sich Sandra Kilian angetan über die rege Beteiligung und das „ausschließlich positive Feedback“.
Das Netzwerktreffen hatte Kilian ins Leben gerufen, um das Zusammenspiel aller beteiligter Kräfte in der Kinder- und Jugendarbeit zu verbessern und obendrein auffällige Mängel auszumachen. Gleichzeitig sollten Ansatzpunkte für Verbesserungen im Zusammenspiel von Jugendamt und Kooperationspartnern festgehalten werden.
Sieben Fragen wurden den Teilnehmergruppen an den verschiedenen runden Tischen gestellt. Es galt, innerhalb der vorgegebenen Zeit von je acht Minuten Antworten aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Beteiligten zu destillieren. „Wir haben sämtliche Beiträge erfasst und aus den Antworten ein Fazit gezogen“, schildert die Leiterin des Amtes für Familie und Jugend ihre Vorgehensweise.
Acht Wochen später kann Kilian nun ein repräsentatives Bild davon zeichnen, was in der Jugendarbeit in der Stadt „gut läuft, was nicht passt und in welchem Bereich nachgesteuert werden müsste“. Kilian findet: In Ansbach besteht ein vielfältiges Angebot, das ein breites Spektrum im Bereich der Hilfeleistung für Kinder, Jugendliche und Familien abdeckt.
Uns fehlen Psychologen und Sozialberater an
Auffällig ist der eklatante Mangel an Fachkräften. Nahezu in allen Bereichen, meint Kilian in Bezug auf das Jugendamt. Aber auch sämtliche Kooperationspartner klagen. Überall fehlen ausgebildete Experten. Diese Erkenntnis mag nicht gerade neu sein, wurde nun aber durch die Befragung konkretisiert und stellt sich als übergreifendes Thema dar. „Uns fehlen Psychologen und Sozialberater an allen Ecken und Enden“, fasst Kilian zusammen.
Ein von der Mehrzahl der Teilnehmer ebenfalls als Defizit ausgemachter Aspekt ist die mangelnde Klarheit aller bestehenden Angebote. Sprich: Wer bietet im Bedarfsfall welche Art von Unterstützung an und wie kann diese Hilfe im Detail aussehen? „Das ist oft unklar“, so Kilian.
Als Steuerungsmittel soll die bestehende Smartphone-App (wirinansbach.info) dienen, die Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien zusammenfassen soll. Mit dem Barcode kann die App, die regelmäßig aktualisiert wird, kostenlos heruntergeladen werden. Auf der App können sich „Anbieter“ registrieren und ihre Angebote, die vom Jugendamt überprüft werden, einstellen lassen, erklärt die Amtsleiterin.
Wir versuchen, das umzusetzen, was
Unter dem Stichwort „Lebensqualität verbessern“ sollen als Ergebnis des Netzwerktreffens alle Ferien- und Betreuungsangebote in der Stadt auf einen Blick zu sehen sein. Bislang offerierten laut Kilian nur die einzelnen Träger das jeweilige Angebot, eine Gesamtübersicht für das Stadtgebiet Ansbach fand sich nicht.
Wünschenswert wäre auch eine „Veränderung in der Kindergarten-Struktur“ mit Weiterbildungsmöglichkeiten für die Angestellten. Immer mehr kleine Kinder sind verhaltensauffällig und lassen sich aufgrund mangelnder Impulskontrolle kaum noch zügeln. Das fällt nicht in die Zuständigkeit des Jugendamtes, „hat aber Auswirkungen auf unsere Arbeit“, so Kilian, die trotz erheblich eingeschränkter Mittel aktiv werden will: „Wir versuchen das umzusetzen, was nicht viel kostet.“
Bereits klar ist, dass der Kinder-, Jugend- und Familientag etabliert werden soll. Im September 2024 soll es die zweite Auflage geben. „Alle Teilnehmer sollen sehen, dass etwas passiert und die Vorschläge nicht ins Leere laufen.“