Jürgen Förster heißt der neue Leiter der Bad Windsheimer Hospitalstiftung. Viel Offenheit sei ihm bislang entgegengebracht worden. Auch ein Geschenk hat der 54-jährige Oberfranke zum Start mitgebracht. Das Leben in der Einrichtung bekommt er gerade hautnah mit.
Noch hat Jürgen Förster, der am 1. November seine Arbeit in der Hospitalstiftung aufgenommen hat, nämlich noch keine Wohnung in Bad Windsheim. Deshalb hat er eines der Zimmer in der Einrichtung bezogen und ist quasi Heimbewohner. Eine Herausforderung sei das durchaus, „wenn es links und rechts zum Schreien anfängt”, weil manche ältere Menschen sich nun mal nicht mehr anders äußern können, so Förster.
Das so unmittelbar zu erleben, sei zwar nicht immer einfach, aber gut. „So erlebt man die Basis des Heims. Das Innenleben.” Absolut Sinn mache es aus seiner Sicht, das auch als Leiter einmal mitzubekommen. „So kann man für sich feststellen: Läuft das auch für mich als Neuling rund in dem Pflegeheim?”
In Bad Windsheim ist er neu, in der Pflege jedoch ist Förster „ein alter Hase”. Lange Zeit war er bei der Bundeswehr, erlernte dort „die Pflege von der Pike auf” und ließ sich zum Alten- und Krankenpfleger ausbilden. Vor dem Examen fokussierte er sich dann ganz auf die Altenpflege. Einige Jahre wirkte Förster als examinierte Pflegekraft, absolvierte verschiedene Weiterbildungen. Die Stations- und Pflegedienstleitung ist ihm nicht unbekannt: In München studierte Förster dann Pflegemanagement und wirkte anschließend als Heimleiter – zuletzt rund elf Jahre in Sachsen.
Nun verschlägt es ihn zurück in seine „fränkische Heimat”, stammt der 54-Jährige doch aus Oberfranken, wo er auch noch lebt. Mit seiner Frau hat er sechs Kinder, wenngleich nur noch drei davon zu Hause leben. Bevor er die Stelle in Bad Windsheim antrat, einigte er sich mit seiner Familie auf einen Deal, erzählt er. „Sie lassen mich gehen, wenn dafür männlicher Zuwachs kommt. Also haben wir einen Hund angeschafft.” Tägliches Pendeln wäre zum einen nicht leistbar gewesen, zum anderen sei es ihm wichtig „100 Prozent hier zu sein”.
Bislang habe Förster die Hospitalstiftung als „ein Haus kennengelernt, das sehr offen ist. Ein Ort, an dem man sich auch traut, etwas anzusprechen. Die Menschen, die hier arbeiten, waren mir gegenüber unheimlich wertschätzend. Das ist nicht alltäglich. Das tut auch einem Chef gut”. Deshalb fühle er sich extrem wohl. „Das macht es für mich leicht, Fuß zu fassen.”
Vergessen werden dürfe nicht, dass die Hospitalstiftung ein besonderes Pflegeheim sei. Seit über 700 Jahren habe man hier einen sozialen Auftrag. „Das muss man uns erstmal nachmachen.” Derartige kommunale Einrichtungen würden in Bayern immer weniger. Den „hospitalen Gedanken” wolle Förster aufrechterhalten, ihm gehe es um „Wertschätzung, Menschlichkeit und Barmherzigkeit”. Jeder einzelne Mitarbeitende müsse sich das auf die Fahnen schreiben.
Förster selbst ist aktiver Christ und brachte deshalb eine Figur von Elisabeth von Thüringen mit. Sie sei die „Urhospitantin”, ihr sei es zu verdanken, dass es Hospitalstiftungen in Deutschland gebe. Eine Zeit lang habe sie in Pottenstein gewirkt. Die Figur spendiert Förster als Dauerleihgabe, sie soll noch einen Platz in der Einrichtung finden und an den Grundgedanken erinnern.
Was in der Pflege heutzutage unabdingbar ist, seien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die langfristig bleiben, sagt Förster. „Das macht die Seele und auch die Qualität eines Hauses aus.” Bürgermeister Jürgen Heckels Dank galt den Verantwortlichen, die mit vollem Engagement einsprangen, nachdem Försters Vorgängerin, Ursula Kefer, die Einrichtung aus privaten Gründen verlassen hatte. Gemeinsam konnte so eine Übergangsphase überbrückt werden. „Das ist eine zusammengeschweißte Truppe. Über Jahrzehnte.”
Auch Diakon Frank Larsen und Finanzvorstand Matthias Jung von der Diakonie hießen Förster willkommen. Die Diakonie betreibt vier eigene Seniorenheime, bei der Hospitalstiftung sei sie seit ein paar Jahren der Geschäftsbesorger. „Gute Mitarbeiter, und die haben wir hier, haben sehr gute Leitungen verdient”, so Larsen.
In der Zukunft soll die Hospitalstiftung auf Vordermann gebracht werden: Sanierungen im Bestand sind nun wieder möglich, vor einem Jahr war das noch nicht der Fall, so Heckel. Die Rahmenbedingungen hätten sich mittlerweile jedoch geändert. Fachleute sollen nun befragt werden, um zu klären: Was müssen wir wo wann machen und wo beginnen wir mit den Investitionen? Heuer sei der Aufzug für mehrere 10.000 Euro instandgesetzt worden, so Heckel. „Die Hospitalstiftung und die Menschen sind es wert.”