Hohe Flammen und ein großer Feuerwehreinsatz haben die Silvesternacht geprägt. Das neue Jahr begann für eine Familie aus Petersaurach mit einer Tragödie. Ihre Scheune brannte vollständig aus. Das angrenzende Haus, in dem sie lebte, ist nicht mehr bewohnbar. Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltet sich schwierig.
Die Küche, in der Jens Bauer am Freitag für ein Gespräch mit der FLZ Platz nimmt, blieb bei dem Brand unversehrt. Ein beißender Geruch steigt jedoch in die Nase. Für den 47-Jährigen, seine Frau und die beiden Söhne (sechs und zehn Jahre alt) herrscht Ausnahmezustand. Seit Silvester schlafen sie bei einem Verwandten in Fürth – alle zusammen auf zwölf Quadratmetern.
Übrig geblieben ist aus dieser Nacht auf dem Grundstück in Petersaurach ein großer Haufen aus Steinen und schwarzen Holzbalken sowie zerstörte Erinnerungsstücke. Die noch stehenden Grundmauern der Scheune mussten abgetragen werden. Der Pavillon im Garten ist verkohlt. Die Außenwände des Wohnhauses sind dunkel verfärbt und Fenster zersprungen. Ein Teil des Hausdachs ist beschädigt.
„Alles steht unter Wasser”, sagt Bauer, und ein Rußfilm liegt auf den Möbeln. Wasser und Heizung sind nicht mehr funktionstüchtig. Laut dem Hausbesitzer geht die Kriminalpolizei von Pyrotechnik als Brandursache aus. Eine FLZ-Anfrage beim Polizeipräsidium Mittelfranken diesbezüglich ist noch unbeantwortet.
Mit seinen Kindern zündete Jens Bauer am Mittwochabend Raketen an der Hauptstraße – wegen der Schlafenszeit der Söhne bereits vor Mitternacht. „Überall hat es geböllert”, erinnert sich der 47-Jährige. Dann sah er, wie es plötzlich hell durch das Fenster der Scheune flackerte. Ungewöhnlich hell. Das Licht der dortigen Lampe würde normalerweise sehr schwach scheinen. Als sich Bauer seiner Scheune näherte und hineinblickte, stand die rechte Hälfte bereits lichterloh in Flammen, erzählt er.
Dann sei er ins Haus gerannt. Seine Frau und zwei Personen, die zu Besuch waren, haben das Feuerwerk vom oberen Stockwerk aus betrachtet. Er warnte sie. Mit einem Feuerlöscher kämpfte er gegen die Flammen. „Da war nach zehn Sekunden klar, dass das nicht zu löschen ist.” Wenige Minuten später rückte das Großaufgebot der Feuerwehren mit 140 Einsatzkräften an.
Da brannte die Scheune schon lichterloh. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden an. Die größte Herausforderung sei gewesen, die umliegenden Gebäude vor den Flammen zu schützen.
„Das ganz Schlimme war, dass unsere Kinder plötzlich weg waren”, erinnert sich Jens Bauer. Während der Lokführer die Personen im Haus warnte, hatte eine Frau die zwei Jungs, die an der Straße standen, mitgenommen. In guter Absicht, betont der 47-Jährige, was er zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wusste. Für ihn sei das ein „richtiger Schockmoment” gewesen. Schreiend ist er durchs Dorf gelaufen und hat sie gesucht, wie er erzählt.
Die vierköpfige Familie lebt mit mehreren Hunden und Katzen zusammen. Bei dem Versuch, alle Tiere aus dem Haus zu holen, biss einer der Hunde seinen Besitzer vor Angst. Er musste im Krankenhaus versorgt werden. Die Wartezeit dort war für den 47-Jährigen unerträglich. „Du sitzt da und weißt nicht, was zu Hause los ist.” Sein Kinn ziert nun ein großes, weißes Pflaster. Ansonsten blieb die Familie körperlich unversehrt. Eine der Katzen ist nach wie vor verschwunden.
„Meine Kinder sind meiner Meinung nach ziemlich geschockt”, sagt der Vater. Sie würden seither schlecht schlafen und ständig aufwachen. „Meine Frau ist fix und fertig.” Erst jetzt realisiere die Familie richtig, was sie alles verloren hat. Alte Fotoalben zum Beispiel, die auf dem Dachboden gelagert waren, können niemals ersetzt werden. Sie wurden vom Löschwasser zerstört. Das, was übrig geblieben und noch intakt ist, „stinkt brutal nach Rauch”.
Oberste Priorität hat es nun, eine neue Unterkunft zu finden. Wegen der Tiere komme nur ein Haus mit Garten infrage. Das Rudel trennen möchte Bauer nicht. Weil die beiden Kinder in Petersaurach in den Kindergarten und in die Schule gehen, sollte es ortsnah sein. „Wir müssen hier in der Umgebung bleiben.” Auch deshalb, weil der 47-Jährige ab und an im Notdienst bei Arverio arbeitet.
Unterstützung erhält die Familie von vielen anderen Seiten. Die Reparatur des Dachs übernimmt zum Beispiel ein Bauunternehmen aus Ansbach kostenlos und die Frau eines Arbeitskollegen von Jens Bauer startete einen Spendenaufruf. Aktuell benötigt die Familie eher finanzielle Unterstützung und weniger Sachspenden, sagt er.
„Wir lassen die Scheune wieder aufbauen.” Auch das Haus soll saniert werden. „Ich bete dafür, dass die Versicherung die Schäden übernimmt”, sagt Bauer. „Ansonsten wäre das unser finanzieller Ruin. Dementsprechend bin ich um jede Hilfe dankbar.”