Nach 30 Jahren: Warum die Bäckerei Roth in Baudenbach schließt | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt

Nach 30 Jahren: Warum die Bäckerei Roth in Baudenbach schließt

Der örtliche Kindergarten, für den gerade eingekauft wird, gehört zu den treuen Kunden der Familie Roth, die ihr Geschäft am Ende des Monats schließt. (Foto: Ulli Ganter)
Der örtliche Kindergarten, für den gerade eingekauft wird, gehört zu den treuen Kunden der Familie Roth, die ihr Geschäft am Ende des Monats schließt. (Foto: Ulli Ganter)
Der örtliche Kindergarten, für den gerade eingekauft wird, gehört zu den treuen Kunden der Familie Roth, die ihr Geschäft am Ende des Monats schließt. (Foto: Ulli Ganter)

„Schade!“, sagt eine Kundin. „Ich will doch immer euer Sauerteigbrot. Muss ich dann extra nach Münchsteinach fahren?“ Heidi Roth ist sichtlich berührt. Die Entscheidung, die Bäckerei und das Lebensmittelgeschäft in Baudenbach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) zu schließen, ist der ganzen Familie nicht leicht gefallen.

Sie fiel nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus familiären, gesundheitlichen Gründen. Der Betrieb des Metzgers, der einen Unfall hatte, ist schon seit Januar geschlossen. Bäckerei und Lebensmittelhandel der Roths sind nach wie vor für die Kundschaft da. Allerdings nicht mehr lange: am Mittwoch, 29. Mai, ist der letzte Verkaufstag.

Gerade erst 30-jähriges Bestehen gefeiert

„Wir haben es gerne gemacht“, beteuert die Tochter Christina Roth mehrfach. Die Bäckerei hat gerade im April erst ihr 30-jähriges Bestehen in Baudenbach gefeiert. Es sei zwar immer schwieriger gewesen, bedarfsgerecht Personal zu finden – viele Mitarbeiterinnen waren Mütter, die in den Ferien oder nachmittags nicht so flexibel waren –, doch die Bäckerei mit dem Lebensmittelhandel hat sich wirtschaftlich getragen.

Auch eine soziale Funktion

Christina Roth ist sich bewusst, dass ein Geschäft im Dorf auch eine soziale Funktion hat: „Du bist mit den meisten per du, weißt, wie es der Familie geht und wann sie im Urlaub sind.“ Schließlich habe man auch immer mal wieder Zeit für einen Plausch. Erlebt habe man einiges in den 30 Jahren. Oft konnte man lachen, manchmal habe man auch den Kopf geschüttelt. „Langweilig war’s nie.“

Als der Familienrat – neben Christina ist auch ihre Schwester Stefanie als Bäckermeisterin mit im Team – die schwere Entscheidung für die Schließung in Baudenbach getroffen hatte, sei man zuerst zu Bürgermeister Wolfgang Schmidt gegangen und habe ihn darüber unterrichtet.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch für die Poststelle ist eine Lösung nötig

Offen sei man auch dafür, dass jemand anderes das Geschäft weiterbetreibt. Doch darum habe man sich aus privaten Gründen noch nicht weiter kümmern können. Mit der Bäckerei und dem Lebensmittelhandel wird die Poststelle schließen, auch dafür müsse eine neue Lösung gefunden werden.

„Es ist sehr schade, wenn es vor Ort diese Möglichkeit nicht mehr gibt“, bedauert die eingangs genannte Kundin, die namentlich nicht genannt werden will. So könne sie ihren Einkauf mit dem Fahrrad erledigen. Auch der Kindergarten, der von Montag bis Donnerstag frisch für die Mädchen und Jungen kocht, nutzt gerne die Möglichkeit, am Morgen, wenn die benötigten Mengen feststehen, auf der gegenüberliegenden Straßenseite den Einkauf zu erledigen. „Wir sind dankbar, dass das Dorf uns so unterstützt hat“, bekräftigen Heidi und Christina Roth.

Bestehen bleibt die Bäckerei in Münchsteinach, die bereits in der fünften Generation von der Familie geführt wird.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
north