Junge Leute mit Behinderung und ihre Familien kommen oft nur schwer im Dschungel der Zuständigkeiten und Fördermöglichkeiten zurecht. Die Verfahrenslotsen am Landratsamt Ansbach beraten, begleiten und unterstützen sie – auch, wenn eine Behinderung sich erst abzeichnet.
Verfahrenslotsin Anita Kostenko stellte jetzt im Jugendhilfeausschuss des Kreistags ihre Arbeit vor. Anfang des vergangenen Jahres wurde das neue Angebot eingeführt, das ein Schritt hin zu einer „inklusiven Gesamtlösung“ sein soll.
Der nächste Schritt wäre die Zusammenführung der Zuständigkeiten von Kinder- und Jugendhilfe einerseits und der Eingliederungshilfe andererseits, die auf Bundesebene für 2028 anvisiert worden war. Ob daraus etwas wird, hängt vom Ergebnis der Bundestagswahl und der nächsten Regierung ab.
Besonders schwer haben es Familien mit komplexen Herausforderungen. Wird keine Lösung gefunden, werde den betroffenen Kindern die Teilhabe an Bildung und in der Gesellschaft verwehrt, sagte Kostenko. Ein Grund dafür sei das Ungleichgewicht zwischen Bedarf und Angebot im Landkreis. Zum Beispiel seien klassische Kindergärten überfordert mit den Herausforderungen, die Kinder mit Behinderungen mit sich bringen. Eine Alternative wären schulvorbereitende Einrichtungen (SVE) oder heilpädagogische Tagesstätten mit speziell ausgebildetem Personal. Doch diese bieten laut Kostenko im Landkreis zu wenige Plätze an.
Oft ist den Eltern auch gar nicht klar, welche Eingliederungshilfen ihrem Kind zustehen und wo sie diese beantragen müssen. Wenn die Ursachen für den Bedarf vielfältig seien, fühle sich kein Träger zuständig und die Anträge würden hin und her geschoben – oder nach einer Ablehnung erst nach einem Widerspruch genehmigt. All dies koste die Familien Zeit und Nerven. Auf eine gründliche Diagnose von Kinder- und Fachärzten müssten Kinder aus dem Landkreis zwölf bis 18 Monate warten. So lange werden ihnen auch keine Eingliederungshilfen gewährt. Ohne entsprechende Hilfe und Begleitung können sie dann beispielsweise keinen Kindergarten besuchen oder Freizeitaktivitäten unternehmen.
Auch bei Therapeuten gebe es einen Mangel. „Als Landkreis müssen wir mit Rahmenbedingungen umgehen, die wir nicht beeinflussen können“, kommentierte dies Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Die Verfahrenslotsinnen wollen herausfinden, wie inklusiv der Landkreis bisher ist. Daran schließe sich die Frage an, „wie viel Inklusion wir zukünftig umsetzen wollen und können“.
Die Lotsinnen wollen nicht als Konkurrenz zu bestehenden Institutionen gesehen werden. Vielmehr setzen sie auf Vernetzung und Zusammenarbeit. Während diese mit den meisten Beteiligten gut funktioniere, laufe sie mit dem Bezirk Mittelfranken „schleppend“. Dort würden Verwaltungsmitarbeiter nach Aktenlage entscheiden, ohne die Familien überhaupt zu kennen. Um dies zu verbessern, ist nun ein vierteljährlicher Austausch geplant.
Die Verfahrenslotsinnen wollen im laufenden Jahr darüber hinaus ihre Expertise einbringen, an Fachtagen teilnehmen sowie ihr Netzwerk pflegen und ausbauen.