Die Geschichte kennt alle Welt, als Roman, als Verfilmung. Für die Kreuzgangspiele wird es trotzdem eine Uraufführung: Johannes Kaetzler hat Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ für die Feuchtwanger Freilichtbühne dramatisiert – nachdem erst skeptisch war. Am Donnerstag hat seine Inszenierung Premiere.
„Ich war nicht informiert“, gibt Johannes Kaetzler zu. Dass Jane Austens Romane mehr als Liebesgeschichten mit englischem Flair zu bieten haben, davon musste er sich erst überzeugen. Also las er „Stolz und Vorurteil“ im Original. „Das war natürlich nicht so ganz einfach, aber plötzlich merkte ich: Das ist ja ein Kosmos, eine unglaublich große Welt und ein enormer Humor.“ Danach war er „felsenfest davon überzeugt, dass es schön wäre, dieses Stück zu machen“.
Im Zentrum stehen die Bennets, eine Familie aus niederem Adel. Kaetzler bringt die Geschichte, die um 1815 spielt, auf den Punkt: „Es geht darum, dass fünf junge Frauen versuchen, glücklich zu werden.“ Die fünf sind Schwestern. Die Eltern wollen sie unter die Haube bringen, auch um zu verhindern, dass das Familienvermögen an die Verwandtschaft fällt. „Und dabei gibt es natürlich Katastrophen und fürchterliche Verwerfungen“, fasst er die Handlung zusammen.
„Aber wir kennen es ja von Jane Austen. Sie hat ein liebendes Herz, am Schluss geht es gut aus.“ Das ist nicht alles, findet er: „Sie ist eine politische Autorin dahingehend, dass sie für die Rechte der Frau kämpft. Wenn man sich näher damit beschäftigt, ist eigentlich jeder Satz ein Aufschrei, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht so sind, dass sie für die Frauen von Vorteil sind.“
Elizabeth Bennet, die Hauptfigur, lebt es vor. Sie will niemanden heiraten, den sie partout nicht heiraten will. In einer Schlüsselszene setzt sie sich mit ihrem emanzipatorischen Willen gegen die Mutter durch.
Um einen Roman von vier-, fünfhundert Seiten auf die Bühne zu bringen, ist ein forscher Zugriff nötig. „Ich musste uns natürlich erst davon lösen, dass wir jetzt ein Schloss nach dem anderen zeigen“, erzählt Kaetzler mit einem Schmunzeln. „Das können wir ja nicht.“ Er hat darum das Geschehen auf eine Terrasse verlegt und etliche Nebenfiguren gestrichen, aber dabei schnell gemerkt, wie viel Personen trotzdem nötig sind. So ist das Ensemble auf 14 Mitglieder gewachsen.
Für seine Inszenierung strebt der Intendant einen Stil an, den er mit „psychologischer Realismus“ umreißt. „Wenn es gelingt, wird alles sehr leicht und flockig und locker und manchmal vielleicht auch ein bisschen komisch.“
Premiere hat „Stolz und Vorurteil“ am 5. Juni um 20.30 Uhr im Kreuzgang. Die öffentliche Generalprobe ist am Mittwoch, 4. Juni, und beginnt ebenfalls um 20.30 Uhr. Karten dafür gibt nur an der Abendkasse.