Wo werden in Westmittelfranken künftig Windräder Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen? Auf diese Frage gibt das Windkraft-Kapitel im Regionalplan die Antwort. Schwerpunkte liegen unter anderem im Steigerwald, im südlichen Aischtal und im Raum Feuchtwangen
Der Planungsausschuss des regionalen Planungsverbands (RPV) beschloss jetzt, auf der Grundlage des nun fertiggestellten Planwerks zur geplanten Änderung dieses Kapitels ein Anhörungsverfahren einzuleiten. In diesem Rahmen werden die Pläne auch öffentlich ausgelegt – und zwar länger als rechtlich notwendig, kündigte der Regionsbeauftragte Dr. Rainer Fugmann an. Nötig geworden war die Änderung wegen eines Bundesgesetzes, das Bayern verpflichtet, 1,8 Prozent der Landesfläche für die Windenergie auszuweisen.
Dieses Ziel kann nach dem aktuellen Stand der Planung in Westmittelfranken erreicht werden, sagte der Regionsbeauftragte in der Ausschusssitzung. Nach seinen Worten sind im Entwurf exakt 2,02 Prozent der Fläche (8705 Hektar) in der Region als Vorranggebiete vorgesehen. Dazu kommen 0,23 Prozent (1010 Hektar) als Vorbehaltsgebiete, von denen ein Teil möglicherweise noch zu einem Vorranggebiet werden könne. Schwerpunkte liegen unter anderem im Steigerwald, im südlichen Aischtal und im Raum Feuchtwangen.
Andererseits rechnet man im RPV damit, dass im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung auch Widerstände auftauchen, so dass der aktuelle Wert noch nicht der endgültige sein muss. Umso mehr zeigte sich Fugmann zufrieden damit, dass es einen Puffer gibt. Zur Öffentlichkeitsarbeit werden zum Beispiel Bürger-Informationsveranstaltungen, Besuche in Stadt- und Gemeinderäten sowie die Pressearbeit gehören, kündigte der Regionsbeauftragte an.
Dies sei auch notwendig, meinte Bürgermeister Dr. Christian von Dobschütz (CSU) aus Diespeck, um Emotionalität aus dem Thema zu nehmen. Der Verbandsvorsitzende und Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) erklärte, man wolle die Planung im Anhörungsverfahren „nicht verkaufen, sondern zur Diskussion stellen“.
Die bisherige Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Fachstellen sei sehr konstruktiv gewesen, berichtete Fugmann. Der Planungsausschuss folgte den Beschlussempfehlungen des Regionsbeauftragten zu den vorliegenden kommunalen Anträgen.
Der Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig (Grüne) sprach von einem „Tag zum Feiern“ und sagte im Ausschuss, es sei sehr positiv, dass so viele Gemeinden an einer Erweiterung der Flächen auf ihrem Gebiet Interesse gezeigt hätten. Er ist optimistisch, dass sich die Bundeswehr noch bewegen wird und so noch weitere Gebiete für die Windkraft nutzbar werden.
Bürgermeister Hans Henninger (Freie Wähler) aus Flachslanden fragte sich, wie das Flächenziel in anderen Regionen erreicht werden kann, wenn schon das eigentlich dünn besiedelte Westmittelfranken die Hürde nur knapp nimmt. Fugmann meinte dazu, man müsse nicht auf andere schauen. Er rechnet nicht mit gravierenden Nachforderungen.
Viele Flächen in der Region können aus verschiedenen Gründen von vornherein nicht für die Windkraft genutzt werden. Gewässer-, Natur- und Artenschutz gehören unter anderem dazu. Haupt-Ausschlussgrund sind aber militärische Interessen. Die US-Hubschrauber-Landeplätze in Ansbach und Illesheim sowie Bundeswehreinrichtungen außerhalb der Region haben große Ausschlussflächen angemeldet. Die US-Armee habe aber auch erhebliches Entgegenkommen gezeigt, betonte der Regionsbeauftragte.
Erneut verwies er darauf, dass ohne die planerische Grundlage die Windkraftanlagen „in unkoordinierter Weise als privilegiertes Bauvorhaben“ kommen würden. Der RPV gehe einen Mittelweg, indem eine „Positivkulisse“ sowie Ausschlussgebiete festgelegt werden, die Gemeinden aber Spielraum behalten.