Inklusives Theater „Schau mer X” feiert seine Landkreis- Premiere in Uffenheim | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 09.11.2025 12:00

Inklusives Theater „Schau mer X” feiert seine Landkreis- Premiere in Uffenheim

Einges mit Blick auf das neue Stück hatten Heike Pfänder, Heidemarie Dawidziuk und Johannes Wagner (von links) zu besprechen. (Foto: Ute Niephaus)
Einges mit Blick auf das neue Stück hatten Heike Pfänder, Heidemarie Dawidziuk und Johannes Wagner (von links) zu besprechen. (Foto: Ute Niephaus)
Einges mit Blick auf das neue Stück hatten Heike Pfänder, Heidemarie Dawidziuk und Johannes Wagner (von links) zu besprechen. (Foto: Ute Niephaus)

„Hollerbuschs Traum – oder Friede, Freude, Eierkuchen” lautet der Titel des neuen Stücks, das die inklusive Theatergruppe „Schau mer X” selbst entwickelt hat. Lange wurde überlegt, abgewogen, wieder verworfen, wurden Improvisations-Szenen geprobt, die dann letztlich zu einem gelungenen Gesamtwerk zusammengefügt wurden.

Bei der vor 21 Jahren gegründeten Theatergruppe handelt es sich um ein Angebot von Diakoneo Wohnen Rothenburg und Obernzenn. In den Einrichtungen leben Erwachsene mit Handicap, die eine geistige und/oder psychische Beeinträchtigung haben, erzählen die Kunsttherapeutin und Heilpädagogin Heidemarie Dawidziuk und die Theaterpädagogin Heike Pfänder. Dawidziuk begleitet die Proben und organisiert die Kostüme, Pfänder führt Regie und leitete die Theatergruppe.

Gruppe kann noch Verstärkung gebrauchen

Schon seit 2014 gehört Johannes Wagner der Theatergruppe an und fungiert als Ensemblesprecher. Neben den Schauspielerinnen und Schauspielern, die wie er in der Einrichtung leben, sind auch Externe im rund 15 Personen starken Schauspieler-Team. Neuzugänge, sei es mit oder ohne Handicap, sind willkommen, wenn es mit einem neuen Stück losgeht. Mit dabei sind zudem Ehrenamtliche, die sich um Licht, Ton und all das kümmern, was rund um die Bühne anfällt. Auch hier kann man noch Verstärkung gebrauchen.

Anderthalb bis zwei Jahre dauerte es, bis das rund anderthalbstündige Stück „Hollerbuschs Traum – oder Friede, Freude, Eierkuchen” reif für eine Aufführung war. Premiere feierte es in Rothenburg. Auch in Gunzenhausen trat man bereits auf. In Würzburg klappte es leider nicht, so Pfänder, dafür kommen Interessierte am Samstag, 15. November, in Uffenheim in den Genuss, das Werk in der Stadthalle erleben zu können.

Damit ist man erstmals im hiesigen Landkreis auf Tour. Los geht es um 19.30 Uhr. Die Schirmherrschaft übernimmt Bürgermeister Wolfgang Lampe. „Schau mer X” kommt im nächsten Jahr nach Neustadt. Dort gibt man am 21. Februar eine Vorstellung in der NeuStadtHalle. „Wichtig ist es immer, dass die Spielstätten barrierefrei sind”, betont Dawidziuk.

Auftritt in Krakau war etwas Besonderes

Diese fand man bereits in Treuchtlingen und Dinkelsbühl vor, ebenso wie in Reinsbronn, wo die inklusive Gruppe schon die Besucherinnen und Besucher begeisterte. Als ein Wahnsinnserlebnis beschreiben Wagner und die beiden Diakoneo-Mitarbeiterinnen beim Gespräch mit unserer Redaktion in der Einrichtung im Obernzenner Ortsteil Urphertshofen, dass sie schon die Möglichkeit hatten, in Krakau in einem Theater aufzutreten. „Das war einfach toll.”

Im neuesten Stück geht es um das Thema Angst. Jede und jeder fürchtet sich vor etwas anderem. Da ist etwa das Unbekannte, vor dem man sich ängstigt. Zu Pandemiezeiten war es das Corona-Virus und die damit verbundene Angst vor dem Alleinsein, der Isolation, fehlenden Kontakten zu Familie und Freuden. Die Künstliche Intelligenz (KI) wurde auch genannt, als man alles rund um das Thema Angst sammelte, erzählt Johannes Wagner. Doch wie bringt man all dies auf die Bühne? Soll sich daraus ein Märchen, eine Komödie oder gar ein Drama entwickeln?

Der Spagat gelang. Im Stück geht es um das Dorf Hollerbusch, das ausgezeichnet werden soll. Doch so ohne Weiteres geht das nicht über die Bühne. Es gibt Stress, Verwirrungen, befremdliche Situationen, und es brodelt in der Dorfgemeinschaft. Schließlich gibt es, statt eines dramatischen Ausgangs, doch ein Happy End. Darauf hatte sich die Schauspieltruppe letztlich geeinigt. Souffliert wird während der Aufführung nicht. Wer seinen Text vergisst, improvisiert einfach. Das macht das Ganze immer wieder zu etwas aufregend Neuem – für alle Aktiven, erzählen die Mitarbeitenden schmunzelnd, die sich immer wieder auf Neues einstellen müssen, wenn die Aktiven spontan den Text ändern. Das ist Impro-Theater pur.

Jeder bringt sich so ein, wie er kann

Jede und jeder der Menschen mit Handicap bringt sich so ein, wie es ihr oder ihm möglich ist, sagt Pfänder. Wer nicht lesen kann, sagt nur wenige Worte, wer nicht sprechen kann, lässt Gestik und Mimik sprechen. Begeistert sind sie und ihre Kollegin über die große Disziplin, die alle Akteure an den Tag legen, wenn es ums Proben geht. Ein dickes Lob geht an Johannes Wagner. „Er ist die personifizierte Gerechtigkeit.” Er kann alle beruhigen, Wogen glätten, ist nicht aus der Ruhe zu bringen und beherrscht neben dem eigenen Text den von fast allen anderen Aktiven. Auch sonst bringt sich der 32-Jährige stark ein, besitzt viele Talente.

Er hat schon Comics gemalt, sogar das Motiv für die Tassen des Rothenburger Weihnachtsmarktes gezeichnet. Neben dem Stern von Betlehem gehören ein Weihnachtsbaum, ein Stück der Stadtsilhouette und ein Teil der schneebedeckten Stadtmauer dazu. Nun freuen sich alle auf die nächste Aufführung in Uffenheim und ein hoffentlich großes Publikum. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Gesucht werden zudem noch Sponsoren, da das technische Equipment aufgestockt werden muss. Wer Lust hat, bei der inklusiven Theatergruppe mitzumachen, egal, ob auf, vor oder hinter der Bühne, kann an heidi.dawidziuk@diakoneo.de mailen oder sich unter der Rufnummer 09861/87477954 bei ihr melden.

north