Lange ist es her, seit der Gasthof „Goldener Hirsch” als Poststation diente. Seit 1623 war das so, kehrten bekannte Persönlichkeiten dort ein, wurden Postgut ab- beziehungsweise aufgeladen und Pferde gewechselt. Nach längerer Pause eröffnet diesen Samstag im denkmalgeschützten Gebäude wieder ein Restaurant.
Beim Eintreten sehen die Gäste über dem Portal noch ein Wappen, das, wie auf der Homepage der Gemeinde Emskirchen nachzulesen ist, an die Verleihung des kaiserlichen Postpatentes im Jahr 1746 an den damaligen Posthalter erinnert. Es wird als „eine Kombination der Wappen derer von Thurn und Taxis, des deutschen Reichsadlers, des habsburgischen Kaiserhauses sowie des Erblanden Kaiser Karls I. (Österreich, Lothringen und Toskana)” beschrieben.
Im Wappen findet sich auch die Salva Guardia. Das war, wie seitens des Emskirchener Heimatvereins betont wird, ein Schutz- und Geleitbrief, der ursprünglich vom deutschen Kaiser verliehen wurde. Damit verbunden war unter anderem ein Verbot, diese Gebäude und Siedlungen anzugreifen. Zuwiderhandlungen wurde mit Strafe und kaiserlicher Ungnade bedacht.
Erworben hat das geschichtsträchtige Gebäude, das aus einem großen Ensemble im Zentrum Emskirchens besteht, im Jahr 2008 Dietmar Lyß. Die Substanz sei damals total marode gewesen, erzählt der 70-Jährige. Trotzdem habe er sich gleich in das Gebäude verguckt. Allerdings war und ist immer noch viel zu tun. „Ich habe bestimmt 60.000 Stunden ins Haus investiert”, erzählt Lyß, ganz zu schweigen von der enormen Summe, die er in das für die Sanierung nötige Material stecken musste.
Die jahrzehntealte Heizung galt es zu ersetzen, auch die Wasser- sowie Elektroinstallation und vieles mehr mussten erneuert werden. Aufgearbeitet wurde auch das Mobiliar, ein befreundeter Dachdeckermeister half bei den Dacharbeiten. Von den vorhandenen Gästezimmern werden drei vermietet, erzählt Lyß bei der Besichtigungstour durch das riesige Gebäude, in dem in jeder Ecke ein Stück Geschichte steckt, auch in der Dekoration. Alte Gerätschaften, Möbel, Bollerwagen, Koffer, Puppen und vieles mehr finden sich in den Gängen.
Lyß freut sich, dass er einen neuen Pächter für das Restaurant gefunden hat, das am kommenden Samstag seine Türen öffnet, an diesem Tag jedoch schon ausgebucht ist. „Das Lokal war mein Traum, hier trifft Modernes auf Historie”, schwärmt Toni Russo. Er und seine Frau Julia hatten im Vorfeld alle Hände voll zu tun. Anbieten wollen sie in den umfangreich sanierten Räumen vor allem Burger, Pizza und Steaks. „Hier soll Geschichte auf kulinarische Kunst treffen”, sagen die beiden.
In der historischen Bar mit den vielen Hirschgeweihen kann man auf großen Bildschirmen, die beim Besuch unserer Redaktion gerade angebracht wurden, Sportübertragungen verfolgen. In dieser Sportbar würde der Amerikaner Toni Russo gern auch junge Leute begrüßen, ihnen dort einen Raum bieten, um zusammenzukommen, sich eine nette Zeit zu machen, „zu chillen”, wie er sagt.
Nur durch ein Gitter ist derzeit eine weitere interessante Bar vom frisch hergerichteten Beethovensaal aus zu bestaunen. Der berühmte Komponist soll im Haus einst – wie auch der nicht weniger bekannte Casanova – Station gemacht haben. Bis in die 1990er-Jahre hinein seien bekannte Sportler, Künstler und Politiker im Goldenen Hirsch eingekehrt, sagt Lyß.
Beim FLZ-Besuch wartete das im Flur stehende Mobiliar noch darauf, aufgestellt zu werden. Ein weiterer kleiner Gastraum bietet sich für Gruppen an. Mächtig was zu schrubben gab es in der Küche, alte Tapeten mussten abgerissen und neue notwendige Gerätschaften installiert werden.
Man sieht, dass die Eheleute Lyß und ihre Helfenden viel Arbeit in die Restauranträume investiert haben. Julia Russo bezog etwa die in die Jahre gekommenen Sitzpolster für die Bänke neu, nachdem sie gewaschen worden waren, und übernahm den gestalterischen und kreativen Part. Und während die Sanierung im einen Teil des Hauses nun abgeschlossen ist, geht sie im anderen Teil weiter: Schließlich sind rund 1000 Quadratmeter Grundfläche zu bearbeiten. Auch außen soll noch einiges geschehen, sagt Lys und deutet auf die Fassade sowie den namensgebenden Goldenen Hirsch.
Auch seitens der Gemeinde ist man froh, dass es mit der Sanierung weitergeht, in die auch der Denkmalschutz eingebunden ist. Es sei schön, in Emskirchen nun ein zweites Speiselokal im Angebot zu haben, erklärte Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht gegenüber der Redaktion.