Rund 200 Aktive aus verschiedenen Gruppen erinnerten an die Kämpfe im Dreißigjährigen Krieg. Es wurde ein knallbuntes Spektakel. Die Reichsstadttage feierte Rothenburg diesmal besonders aufwändig. Denn vor 750 Jahren wurden der Stadt die Freiheitsprivilegien von König Rudolf von Habsburg zugesichert.
Der Stein, der Christoph Korwitz vom Herzen plumpste, war dem Krachen der Waffen ebenbürtig. Er schlug gefühlt lauter auf dem Boden auf als es der Knall der Geschütze war.
Der Organisator der Gefechtsdarstellung am Sonntag bei den Reichsstadttagen atmete nach den Schlussworten und dem Applaus nach gut eineinhalb Stunden hörbar auf. Im Regie-Zelt sah man die Menschen strahlen. „Im Groben hat alles gepasst, an Feinheiten kann man noch feilen“, sagte Korwitz im Gespräch mit der Redaktion.
„Es war sehr schön“, rief eine Frau im Vorübergehen Korwitz zu. Etliche Umstehende bestätigten dies. Einer hätte sich allerdings eine durchgehende Bankreihe entlang des Absperrzaunes zum Gefechtsplatz auf der Eiswiese gewünscht.
Es war das erste Mal, und dafür, dass es das erste Mal war, sei es gut gelaufen, war man sich einig. Gelobt wurde auch die Idee mit den Shuttle-Bussen, deren Fahrer ihr Bestes gaben, die Zuschauerinnen und Zuschauer möglichst zügig zum Ort des Geschehens auf der Eiswiese zu bringen und auch nach der Vorstellung wieder zurück. Rund 1400 Zuschauende sahen das Spektakel.
Und Erleichterung machte sich breit, dass das Wetter hielt. Zwar knallte nach Öffnung des Veranstaltungsgeländes die Sonne noch unerbittlich herunter, dann aber bewölkte es sich zusehends. Aber die Wolken behielten ihre nasse Fracht bis zum Ende für sich. Erst dann begann es zu tröpfeln. Ein zusätzliches Steinchen, das Korwitz vom Herzen fiel. Das war auch gut so. Für die gut 200 historisch gewandeten Menschen wäre Feuchtigkeit von oben extrem schlecht gewesen.
Neben der Gruppe „Freie Reichsstädter zu Rothenburg“ und einigen Protagonisten des Meistertrunk-Stücks waren bei der Gefechtsdarstellung „Kanonendonner im Taubertal“ auch befreundete Gruppen dabei: die Drangonarii Altophina, die Holk’sche Horde und die Ilow’sche Pulverrotte aus Altdorf bei Nürnberg, die Höchstädter Musketiere, das Regiment Pappenheim aus Delitzsch, die Wolkenburger Landsknechte, die Oberlausitzer Landsknechte aus Kamenz, die Kompanie Schaffalitzky aus Bopfingen, die Kronacher Festungs-Artillerie, Musketiere und Pikeniere aus Memmingen und preußische Soldaten aus Magdeburg. Vor Beginn des Gefechts unterhielt die Gruppe Mummenschanz.
Die meisten Teilnehmenden liefen von der Stadt ins Tal. Von den Hängen kündigten Trommeln das Herannahen an, die dann beim Einzug ins Tal bei der Eiswiese an Lautstärke gewannen. So zogen die Gruppen an den Zuschauenden vorbei in den hinteren, schattigen Bereich des Waldes, bereit, in ein Gefecht während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zu gehen. Der Krieg bringt Tod und Zerstörung. Es geht um Macht, Einfluss, Besitz und um den Glauben.
Als die Veranstaltung geplant wurde, hatten die Organisatoren noch nicht ahnen können, wo auf der Welt überall Konflikte sind. „Krieg darf nie die Lösung sein“, hieß es aus dem Lautsprecher. Eine anschließende Schweigeminute für alle Opfer durch Kriege weltweit wurde mit Applaus beendet. Auch auf dem Gefechtsfeld gab es Tote und Verwundete, aber eben nur im mit Pyrotechnik reich gesegneten Schauspiel. Sie durften nach kurzer Pause wieder zurück aufs Feld.