Siegfried Heger aus Bad Windsheim hat in gewisser Weise die Seite gewechselt. Jahrzehntelang war er als Stadtkämmerer tätig und deshalb für die Verwaltung der Hospitalstiftung mit zuständig. Seit Anfang Januar ist er nun der neue Stiftungspfleger und folgt damit auf Hermann Gerhäußer, der dieses Ehrenamt 15 Jahre innehatte.
Die Hospitalstiftung war 1380 von Konrad Förster gegründet worden. Sie ist die älteste soziale Einrichtung in der Stadt. Zu ihren Aufgaben gehören beispielsweise die Förderung der Altenpflege oder die Unterstützung von Bedürftigen. Die Stadtkämmerei verwaltet sie. Von Beginn an war stets ein Stiftungspfleger eingesetzt, heißt es in alten Aufzeichnungen. Im Stiftungsgesetz sei vom „besonderen Vertreter” die Rede, erklärt Siegfried Heger.
Neben dem Kloster mit dem Haus der Begegnung, dem Pflegeheim und der Spitalkirche gehören auch Seniorenwohnungen im Brunnenhaus zum Grundstockvermögen der Hospitalstiftung, ebenso Acker- und Grünlandflächen in verschiedenen Gemarkungen, Wald- und Weiherflächen oder auch Fischerei- und Jagdrechte. „Eine Stiftung ist im früheren Mittelalter auch betrieben worden, um aus einer Reichsstadt ein Territorium zu schaffen”, betont Siegfried Heger.
Der Stiftungspfleger kommt dann zum Einsatz, wenn es zu Rechtsgeschäften zwischen Stadt und Stiftung kommt. Er müsse dann die Interessen der Stiftung vertreten. Grundstücksgeschäfte müssten durch die Stiftungsaufsicht, das Landratsamt, gesondert geprüft werden, so Heger. Wer das Amt übernehmen will, sollte mit der Materie vertraut sein, so die Meinung von Hermann Gerhäußer. Einer, der das in jedem Fall ist, ist Siegfried Heger.
Von 1987 bis 2006 und dann von 2009 bis 2019 war er Bad Windsheims Stadtkämmerer und hatte deshalb über Jahrzehnte mit der Stiftung zu tun. Hegers klarer Vorteil: Er kennt die andere Seite. Eine seiner ersten Arbeiten sei es gewesen, den Erbbau- und Nießbrauchrechtsvertrag – dieser räumt das Recht ein, eine fremde Sache zu nutzen und die Früchte daraus zu ziehen – für das Freilandmuseum zu erarbeiten. In Verantwortung waren damals auch Stiftungspfleger Fritz Bendheimer und der damalige Bürgermeister Otmar Schaller.
Denn: Im Fränkischen Freilandmuseum sind rund 37 Hektar Stiftungseigentum. Weil die Stadt keine Fläche für ein solches Museum besaß, kam man im Zuge der Flurbereinigung auf die Stiftung. Diese blieb Eigentümerin der Flächen, der Bezirk wurde Erbbauberechtigter. Die Stadt bezahlte den Erbbauzins für den Bezirk an die Stiftung. Die Leistung der Stadt für das Museum also.
Intensiv mitbegleitet hat Heger zudem den Neubau des Seniorenheims in den 1990er-Jahren. Ein Altbau sei das damals gewesen, der aber nicht mehr funktional gewesen sei. Drei Bauabschnitte habe es gegeben. Der erste sei damals nach nur einem Jahr bezugsfertig gewesen. 1993 habe man damit begonnen, 1994 wurde er in Betrieb genommen, so Heger. Mit frischem Fachpersonal habe man es geschafft, einen guten Ruf für das Seniorenheim zu etablieren. Schade sei dagegen noch immer, dass das geplante „Demenzzentrum” 2017 gestoppt worden war.
Nach seinem Ruhestand habe sich Siegfried Heger mit seinem Vorgänger Hermann Gerhäußer immer wieder ausgetauscht. Als er erfahren habe, dass er den Posten des Stiftungspflegers abgeben will, sei sein Interesse geweckt worden. „Vorher habe ich da eigentlich keinen Gedanken dran verloren.” Als er dann einmal zufällig Bürgermeister Jürgen Heckel traf, bot er ihm an, die Aufgabe zu übernehmen. „Weil mich das Thema schon berührt und man dann einfach ein bisschen was mitbekommt.” Wohlwollend wurde sein Angebot aufgenommen, der Stadtrat gab grünes Licht.
Zwar verblassen manche Kenntnisse zur Stiftung nach einer gewissen Zeit, „da muss man sich schon etwas einlesen”. Aber das mache er gerne, sagt Siegfried Heger. Und auch mit Hermann Gerhäußer stehe er in gutem Austausch. Die Verbundenheit zur Stiftung vereine die beiden. Gerhäußer werde wohl noch eine Zeit lang bei Angelegenheiten beteiligt sein. „Es ist gut, sich mit jemandem auszutauschen”, findet Heger.
Viele Grundstücke in Stiftungsbesitz würden derweil schon nach „einer Lösung schreien”. Wichtig ist Heger besonders, „mit allen Beteiligten ein hohes Einvernehmen zu erzielen und im Interesse der Sache immer gute Lösungen zu finden. Nur so geht es.”