Gedenkstunde in Ansbach: Erinnerung an verheerende Bombenangriffe vor 81 Jahren | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.02.2026 19:00

Gedenkstunde in Ansbach: Erinnerung an verheerende Bombenangriffe vor 81 Jahren

Oberbürgermeister Thomas Deffner erinnerte am Mahnmal vor dem Bahnhof an die Bombenangriffe auf Ansbach wenige Wochen vor Kriegsende. (Foto: Alexander Biernoth)
Oberbürgermeister Thomas Deffner erinnerte am Mahnmal vor dem Bahnhof an die Bombenangriffe auf Ansbach wenige Wochen vor Kriegsende. (Foto: Alexander Biernoth)
Oberbürgermeister Thomas Deffner erinnerte am Mahnmal vor dem Bahnhof an die Bombenangriffe auf Ansbach wenige Wochen vor Kriegsende. (Foto: Alexander Biernoth)

Vor 81 Jahren wurde der Ansbacher Bahnhof Ziel alliierter Bombenangriffe. Mit einer Gedenkstunde am Torso des damals zerstörten Luitpoldbrunnens auf dem Bahnhofsplatz wurde am Sonntagvormittag der rund 500 Todesopfer gedacht.

Rund zwei Dutzend Ansbacherinnen und Ansbacher sind trotz des regnerischen Wetters der Einladung von Oberbürgermeister Thomas Deffner zu einer Gedenkstunde gefolgt und versammelten sich auf dem Bahnhofsvorplatz. In den Mittagsstunden des 22. und des 23. Februar 1945 hatten amerikanische Bomber bei der Operation „Clarion“ insgesamt 2916 Bomben auf Ansbach abgeworfen.

Ein oft veröffentlichtes und immer wieder erschütterndes Bild: Das Ansbacher Bahnhofsviertel lag nach den Bombenangriffen am 22. und 23. Februar in Schutt und Asche. Auch das Hauptpostamt mit seinem prägnanten Turm wurde durch zwölf Volltreffer komplett zerstört. In dem Gebäude starben mindestens 17 Menschen. (Foto: FLZ-Archiv)
Ein oft veröffentlichtes und immer wieder erschütterndes Bild: Das Ansbacher Bahnhofsviertel lag nach den Bombenangriffen am 22. und 23. Februar in Schutt und Asche. Auch das Hauptpostamt mit seinem prägnanten Turm wurde durch zwölf Volltreffer komplett zerstört. In dem Gebäude starben mindestens 17 Menschen. (Foto: FLZ-Archiv)

Mehr als 450 Tote nach den Luftangriffen auf Ansbach

Am 22. und 23. Februar vor 80 Jahren zerstörten rund 3000 Bomben ganze Stadtviertel: Ziel war die Vernichtung der deutschen Infrastruktur.

Trauer, Schmerz und Zerstörung

Die beiden Angriffe brachten nicht nur Zerstörungen entlang der Bahnlinie und am Bahnhof nach Ansbach, sondern auch „menschliches Leid, Tod und Zerstörung“, erinnerte Deffner in seiner Rede. „Für die Überlebenden bedeutete dies Trauer, Schmerz und zerstörte Existenzen“, machte der Oberbürgermeister deutlich. Die Bombenangriffe der achten US-Luftflotte hinterließen große Verluste, in Familiengeschichten, in der Erinnerung vieler älterer Bürgerinnen und Bürger sowie im Stadtbild, blickte der Oberbürgermeister zurück.

Die Toten und Verletzten seien bis heute eine Mahnung, „uns für Frieden und Versöhnung in unserer Stadt, unserem Land und der gesamten Welt einzusetzen“, hob Deffner hervor. Gerade in einer Zeit, in der Kriege wieder näher heranrückten, sei die Unterstützung der Ukraine alternativlos, positionierte sich der Oberbürgermeister klar.

Ein Blick in die durch die Bomben zerstörte Bischof-Meiser-Straße in Richtung Schloss: Hier suchte ein Vater vor 80 Jahren nach seiner verschütteten Tochter. (Foto: Ernst Güth)
Ein Blick in die durch die Bomben zerstörte Bischof-Meiser-Straße in Richtung Schloss: Hier suchte ein Vater vor 80 Jahren nach seiner verschütteten Tochter. (Foto: Ernst Güth)

Die Bombenangriffe vor 80 Jahren in Ansbach: Vater grub in Trümmern nach seiner Tochter

Wäre sie an dem Tag zu Hause geblieben, hätte sie vermutlich überlebt: Die Tochter von Klaus Riedels Nachbarn starb, als sie Bekannte besuchte.

2916 Bomben fielen auf Ansbach

Frieden sei kein Zustand, der sich von selbst erhalte, sondern er müsse jeden Tag aufs Neue verteidigt werden. Gegen jede Form von Extremismus und Radikalisierung müsse eingeschritten werden. Gerade jungen Menschen müsse vermittelt werden, warum Erinnerung und der Blick auf die Geschichte wichtig seien.

Thomas Deffner betonte, dass es mit Unterstützung der US-Armee gelungen sei, „eine für viele Staaten beispielgebende wertvolle Demokratie“ in Deutschland aufzubauen. Es gelte, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Reaktion auf den Horror des NS-Regimes im Grundgesetz festgeschriebenen Werte zu verteidigen, so der Appell des CSU-Oberbürgermeisters.

Am 22. Februar 1945 wurde Ansbach von 143 Flugzeugen in der Zeit von 12.13 Uhr bis 13.15 Uhr bombardiert. Einen Tag später griffen in der Zeit von 11.31 Uhr bis 11.46 Uhr 104 Flugzeuge Ansbach an und an beiden Tagen fielen, so die Aufzeichnungen der achten US-Luftflotte, insgesamt 2916 Bomben auf Ansbach.

Rudolf Treuheit bei seiner Konfirmation mitten im Krieg: Wenige Jahre später arbeitete er bei der Post im Bahnhofsviertel. (Repro: Hausleitner)
Rudolf Treuheit bei seiner Konfirmation mitten im Krieg: Wenige Jahre später arbeitete er bei der Post im Bahnhofsviertel. (Repro: Hausleitner)

Die Bombenangriffe vor 80 Jahren in Ansbach: Lebend auf den Leichenwagen

80 Jahre danach: Lina und Philipp Treuheit starben, ihr Sohn Rudolf wurde verletzt. Es gab keine Hilfe für die zahllosen traumatisierten Menschen.

Nicht alle Toten wurden beurkundet

Im Standesamt wurden 453 Tote beurkundet. Wahrscheinlich waren es aber über 500 Opfer, wissen die Historikerinnen und Historiker. Denn nicht alle in Ansbach eingesetzten Zwangsarbeiter, die zu Tode kamen, wurden beurkundet. In den Wochen nach den Bombenangriffen waren auch Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg für Aufräumungsarbeiten in Ansbach eingesetzt.

Pfarrer Oliver Englert von den beiden evangelischen Innenstadtgemeinden St. Johannis und St. Gumbertus berichtete, dass die Beerdigungen der Toten sich bis in den Mai 1945 hinzogen. Im Gebet gedachten er und Kirchenpfleger Jürgen Wollani von der Pfarrei St. Ludwig der Toten. Am Ende der Gedenkstunde läuteten die Glocken von St. Ludwig und St. Gumbertus.

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