Vor 81 Jahren wurde der Ansbacher Bahnhof Ziel alliierter Bombenangriffe. Mit einer Gedenkstunde am Torso des damals zerstörten Luitpoldbrunnens auf dem Bahnhofsplatz wurde am Sonntagvormittag der rund 500 Todesopfer gedacht.
Rund zwei Dutzend Ansbacherinnen und Ansbacher sind trotz des regnerischen Wetters der Einladung von Oberbürgermeister Thomas Deffner zu einer Gedenkstunde gefolgt und versammelten sich auf dem Bahnhofsvorplatz. In den Mittagsstunden des 22. und des 23. Februar 1945 hatten amerikanische Bomber bei der Operation „Clarion“ insgesamt 2916 Bomben auf Ansbach abgeworfen.
Die beiden Angriffe brachten nicht nur Zerstörungen entlang der Bahnlinie und am Bahnhof nach Ansbach, sondern auch „menschliches Leid, Tod und Zerstörung“, erinnerte Deffner in seiner Rede. „Für die Überlebenden bedeutete dies Trauer, Schmerz und zerstörte Existenzen“, machte der Oberbürgermeister deutlich. Die Bombenangriffe der achten US-Luftflotte hinterließen große Verluste, in Familiengeschichten, in der Erinnerung vieler älterer Bürgerinnen und Bürger sowie im Stadtbild, blickte der Oberbürgermeister zurück.
Die Toten und Verletzten seien bis heute eine Mahnung, „uns für Frieden und Versöhnung in unserer Stadt, unserem Land und der gesamten Welt einzusetzen“, hob Deffner hervor. Gerade in einer Zeit, in der Kriege wieder näher heranrückten, sei die Unterstützung der Ukraine alternativlos, positionierte sich der Oberbürgermeister klar.
Frieden sei kein Zustand, der sich von selbst erhalte, sondern er müsse jeden Tag aufs Neue verteidigt werden. Gegen jede Form von Extremismus und Radikalisierung müsse eingeschritten werden. Gerade jungen Menschen müsse vermittelt werden, warum Erinnerung und der Blick auf die Geschichte wichtig seien.
Thomas Deffner betonte, dass es mit Unterstützung der US-Armee gelungen sei, „eine für viele Staaten beispielgebende wertvolle Demokratie“ in Deutschland aufzubauen. Es gelte, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Reaktion auf den Horror des NS-Regimes im Grundgesetz festgeschriebenen Werte zu verteidigen, so der Appell des CSU-Oberbürgermeisters.
Am 22. Februar 1945 wurde Ansbach von 143 Flugzeugen in der Zeit von 12.13 Uhr bis 13.15 Uhr bombardiert. Einen Tag später griffen in der Zeit von 11.31 Uhr bis 11.46 Uhr 104 Flugzeuge Ansbach an und an beiden Tagen fielen, so die Aufzeichnungen der achten US-Luftflotte, insgesamt 2916 Bomben auf Ansbach.
Im Standesamt wurden 453 Tote beurkundet. Wahrscheinlich waren es aber über 500 Opfer, wissen die Historikerinnen und Historiker. Denn nicht alle in Ansbach eingesetzten Zwangsarbeiter, die zu Tode kamen, wurden beurkundet. In den Wochen nach den Bombenangriffen waren auch Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg für Aufräumungsarbeiten in Ansbach eingesetzt.
Pfarrer Oliver Englert von den beiden evangelischen Innenstadtgemeinden St. Johannis und St. Gumbertus berichtete, dass die Beerdigungen der Toten sich bis in den Mai 1945 hinzogen. Im Gebet gedachten er und Kirchenpfleger Jürgen Wollani von der Pfarrei St. Ludwig der Toten. Am Ende der Gedenkstunde läuteten die Glocken von St. Ludwig und St. Gumbertus.