In der Woche ab Montag, den 14. September 1925, entgeht die Eisenbahn offenbar nur knapp einer Katastrophe. Beim Einfahren des Abend-Schnellzugs Nürnberg-Crailsheim in den Ansbacher Bahnhof nehmen die Wartenden und das Bahnpersonal am Dienstag Flammen unter einem der Waggons wahr.
Es stellt sich heraus, dass die Achse eines Waggons so heiß gelaufen ist, dass die ersten Flammen am Untergestell des zum Teil hölzernen Wagens empor züngeln. Schnelles Handeln ist gefragt. Der Waggon wird ausrangiert, die Flammen gelöscht und der Wagen vorsichtshalber auf einem Abstellgleis geparkt. Die Reisenden können danach – mit einer halbstündigen Verspätung – ihre Reise fortsetzen.
Der Stadtrat diskutiert erneut über den möglichen Umbau des Stadthauses, das damals noch „ehemaliges Landhaus” heißt. Das 1532 im gotischen Stil errichtete Gebäude, ging 1807 beim „Anschluss” Ansbachs ans Königreich Bayern in den Besitz des Apothekers Andreas Heyde über, der in der Gotischen Halle im Erdgeschoss seine „Hofapotheke” betrieb. Im Jahr 1925 kauft die Stadt Ansbach das Anwesen, mit dem Ziel, hier die Räume des Oberbürgermeisters und den Sitzungssaal des Stadtrates unterzubringen.
Die Regierung holt dazu ein Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege ein, das laut Bericht an den Stadtrat „seine Bedenken gegen die Veränderungen im Innern fallen lässt”. Unschön finden den Denkmalpfleger allerdings die geplante Verbindungsbrücke zum Rathaus. Sie wird auch nicht gebaut, wie man unschwer am heutigen Johann-Sebastian-Bach-Platz 1 sehen kann. Die erste Stadtratssitzung im Stadthaus wird dann 26. Oktober 1926 von Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Borkholder eröffnet.
Der Gastwirt Hans Königer und seine Ehefrau laden für den Sonntag ab 16 Uhr zur Saaleinweihung mit Tanz ins Gasthaus „Zum Walfisch” ein. „Empfehle meinen neurenovierten Saal mit neuem Parkettboden zur gepfl. Benützung”, schreibt Königer in einer Anzeige, „für ff. Speisen und Getränke ist bestens gesorgt”.
Zwei Eskadronen des 17. Reiterregiments, das in Ansbach beheimatet ist, rückt am Montag mit der Eisenbahn zu einem Feldmanöver der 7. Division im Raum Straubing-Regensburg ab. Die 7. Division steht unter dem Befehl des Generals Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein, einem Spross eines Nürnberger Patriziergeschlechtes.
Ein Mann mit einem außergewöhnlichen Lebenslauf. Kreß wird 1914 nach einer normalen Offizierskarriere in den Ruhestand versetzt. Nach seinem Ausscheiden tritt er im Rahmen der deutschen Militärmission als Oberstleutnant der Osmanischen Armee bei.
Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wird Kreß wieder bei der bayerischen Armee angestellt, verbleibt aber bei der Osmanischen Armee und dient dort bis 1918 als Kommandeur. Ab Juni 1918 bis zum Kriegsende befehligt er die deutsche Kaukasus-Expedition in Georgien. In der Reichswehr der Weimarer Republik gelingt es ihm, seine Karriere fortzusetzen. Als General der Artillerie wird Kreß im November 1929 in den Ruhestand versetzt. Er stirbt im Oktober 1948 im Alter von 78 Jahren in München.
Wegen des Versuchs, auf der Großhaslacher Kirchweih ein 16-jähriges Mädchen zu vergewaltigen, steht der 20-jährige Zimmerer-Geselle Wolfgang S. aus Bruckberg vor dem Schöffengericht des Landgerichts Ansbach. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird der nicht vorbestrafte, geständige Angeklagte zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. „Nach Verbüßung von einer Woche der Strafe tritt für den Rest derselben Bewährungsfrist auf vier Jahre ein”, heißt es im Gerichtsbericht.
Nach einigen kühlen Nächten fällt die Temperatur in der Nacht zum Dienstag unter den Gefrierpunkt. Es stehe zu befürchten, dass durch den frühen Frost viele empfindliche Gartengewächse geschädigt worden seien, schreibt die Fränkische Zeitung.
Der Direktor des Ansbacher Gaswerks, Götz, sorgt sich um den Absatz des städtischen Gases. Mit 15 Pfennigen pro Kubikmeter sei das Ansbacher Gas das billigste in ganz Bayern, referiert er vor dem Stadtrat. Allerdings sei die Absatzmöglichkeit in den Ansbacher Haushalten nahezu erschöpft. Um den Gasabsatz bei den Großverbrauchern zu steigern, müsse man Rabatte gewähren.
Der Vorschlag: Bis zu einem Verbrauch von 100 Kubikmetern soll es beim Einheitspreis von 15 Pfennigen bleiben. Danach soll der Preis immer weiter sinken, je höher der Verbrauch ist. Wer also über 15.000 Kubikmeter abnimmt, erhält 15 Prozent Rabatt. Die Regelung wird vom Stadtrat mit Wirkung vom 3. September in Kraft gesetzt.
Der Ansbacher Verlag C. Brügel & Sohn bringt bereits den Ansbacher Hauskalender 1926 heraus. Zum Preis von 30 Pfennigen kann man darin Bilder vom großen Hermannslauf im Teutoburger Wald bewundern, oder eine Fotogalerie vom Zugspitzflug. Natürlich darf auch eine Erzählung von Kaspar Hauser nicht fehlen. Alle Standorte des Reichsheeres sind verzeichnet, und als Bildbeilage gibt es einen Scherenschnitt von Reichspräsident Paul von Hindenburg.