Eine herrliche Tour führt durch die beiden am Flüsschen Ehe gelegenen Gemeinden. Sie befinden sich im Herzen des Landkreises und sind durch die Bundesstraße 8 getrennt. Die Nachbarorte Langenfeld und Baudenbach liegen jeweils etwa zehn Kilometer von Neustadt entfernt, über 24 Kilometer erstreckt sich die Rundfahrt. Der Start erfolgt am Neustädter Festplatz.
Es ist Samstagmorgen im Frühsommer. Die Aisch-Auen in Richtung Diespeck öffnen sich dem Betrachter in voller Pracht. Als Fahrradfahrer fühlt man sich eher als eine Minderheit zwischen Rollerfahrern, Joggern, Gassigehern und Inline-Skatern.
Tierische Zeitgenossen muhen und meckern hinter einem Strauch und Zaun hervor. Ein bisschen ist’s wie auf der Alm. Holunderblüten, manchmal baumhohe Heckenrosensträucher betören während der ganzen Tour die Sinne, so dass man sich nirgendwo anders hinwünscht.
Der Aischtalradweg stößt auf die Autostraße zwischen Diespeck und Ehe und die vielen Fahrradschilder gegenüber. Dort geht es weiter. Das eingehängte Schild „AischgründerGenussRadweg“ wird nun lange unser Begleiter sein. Der Weg wird offiziell für Familien, Naturfreunde, Kulturliebhaber und Regionalgenießer beworben. Fahrradfahrer bewegen sich dort auf schmaler Spur in Richtung Ehe fort. Nebeneinander geht es schlecht, junge Leute schaffen es vielleicht, aber zwei „Stromer“ sollten nicht nebeneinander fahren.
Durch den Kultort Ehe, wo man selbige auch schließen kann, erreicht man Stübach, wo der Radweg an einem Zoogeschäft vorbei nach Hambühl führt. Halt! Noch nicht gleich. Ein Abstecher auf die Brücke in Stübach muss sein, dort, wo die Ehe breit fließt. Kirche und Mühle machen die Idylle perfekt.
Dann aber aufgesattelt: Die Etappe bis Hambühl auf breitem Plattenweg schließt sich an. Dort kann man die Blicke schweifen lassen. Nach wenigen Kilometern ist man im Baudenbacher Teilort. So wie die fränkische Ortschaft ist auch der Radweg beschaffen: klein aber fein, am Rand ordentlich gemäht und gepflegt. Schwungvoll geht es über die Brücke und um die Kurven. Vor dem Auge tauchen nun Blumenhänge auf.
Man ist am Mehrgenerationenplatz in Baudenbach angekommen. Das blühende Areal – vor wenigen Jahren für Menschen und Insekten angelegt – lädt zum Verweilen ein und eine große Radlergruppe aus Norddeutschland tut dies bereits an Bänken, Schaukeln, Sandkasten, am Blumenhügel und am Bolzplatz.
Wem es hier zu heiß ist, dem kann in Baudenbach geholfen werden, und zwar in der Naturkneippanlage mit dem durchlaufenden Wasser des Rüblingsbaches. Dieses entspringt einer Quelle im Wald. Man erreicht die Kneipp-Anlage durch den Ort fahrend – der Blick auf die Lambertuskirche lässt innehalten – vor dem Ortsausgangsschild rechts die Straße entlang.
Vor über 20 Jahren war die Anlage eingeweiht worden. Mit dem großen Fischweiher, einem Pavillon, Bänken und einer hohen Holzliege für zwei Personen ist der Ort, den manche Einheimische als „Naturdenkmal“ bezeichnen, eine Klasse für sich. Irgendwann muss man sich von diesem Kleinod wieder losreißen.
Geradeaus zurück über die Kreisstraße weist ein Radschild nach rechts: Das Ansteuern von Langenfeld kann beginnen. Sich zu verfahren ist unmöglich, denn das Feld ist offen und nach dem Abbiegen nach links wird das Dorf jenseits der Bundesstraße gut sichtbar. Unter der B8 und auch unter den Bahngleisen der Strecke Nürnberg-Würzburg rollt man ins kleine Langenfeld, das bundesweit durch vorbildliche Mehrgenerationenprojekte Berühmtheit erlangte.
Wer hier Landkreisbürger kennenlernen möchte, braucht eigentlich nur Lust auf Süßes zu habe. In der Eisdiele ist bei Sonnenschein immer etwas los; sie ist speziell für Radler mit Kurzweil gedacht, wenngleich auch Spaziergänger natürlich willkommen sind.
Die Offenheit der Menschen im ehemaligen Postkutschenort ist angenehm; gastfreundlich und nicht zuviel des Guten. Mit Eis vom Dorf als Gaumenkitzel passiert man sodann einen kleinen Anstieg, dorfeinwärts und nach Hauptstraße und dem Friedhof geht es den Kutschenbuck hoch und über Diebach geradeaus zurück mit der Kreisstadt als Ziel.
Dort, direkt am Radweg, trifft man manchmal einige Imker am kunstvoll einladenden Bienenlehrstand, bevor man via Riedfelder Ortsstraße wieder in Neustadt anlangt, denn über Riedfeld geht es zum Ausgangspunkt zurück.
Zwar haben Baudenbach und Langenfeld mit ihren beiden renommierten Gaststätten, Cafés, Bäcker und Metzger ebenfalls ein reichhaltiges kulinarisches Angebot. Doch am Samstagnachmittag war geschlossen. Wer also vor Neustadt ein Essen einplant, sollte sich rechtzeitig informieren.