„Ich glaube nicht, dass wir einen Betreiber beziehungsweise einen Investor finden.“ Das hat am Sonntag Dr. Markus Naser gesagt, als er anlässlich des Tages des Offenen Denkmals zwei große Gruppen durch das ehemalige Brauhaus-Gelände geführt hat.
Bei herrlichem Sonnenschein haben sich deutlich über 200 Personen aus der Stadt und den umliegenden Gemeinden vor dem Haupteingang zum Brauhaus-Gelände getroffen. „Das ist die Stelle, die für die Fußgänger heute besonders interessant ist“, meinte Naser. „Der Bauhof hat nämlich extra für uns den Fußweg zum Sudhaus freigeschnitten.“
Während bei der Führung am Vormittag die erste Gruppe einige Regenschauer über sich ergehen lassen musste, freuten sich die Gäste am Nachmittag über herrlichen Sonnenschein. Der Oberbürgermeister war begeistert von den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern: „Ich bin überwältigt. Wir übertreffen das Ergebnis vom Vormittag deutlich. Ich heiße Sie herzlich willkommen zu der seltenen Gelegenheit einer Besichtigung dieses historischen Ortes.“
Im 17. Jahrhundert habe es in Rothenburg nur ein großes Bräuhaus in der Wenggasse gegeben, das 1699 als „herrschaftliches Bräuhaus“ eröffnet und 1724 zum „freien reichsstädtischen Bräuhaus“ ernannt worden sei. 1804 habe Johann Georg Roth das „Bräuhaus“ ersteigert und so sei es das erste Mal in privater Hand gewesen. Seit dieser Zeit habe das „Bräuhaus“ mehrmals den Besitzer gewechselt, bis 1905 Braumeister Josef Beugler, Urgroßvater der heutigen Besitzerin, Eigentümer des „Bräuhauses“ wurde.
1920 sei der Braubetrieb in die von Hans Hopf erbaute Dampfbrauerei vor dem Klingentor verlegt worden. Das Bräuhaus Rothenburg in der Wenggasse wurde infolge des Neuerwerbs zur Mälzerei und fortan „Altes Brauhaus“ genannt. Beide seien vereint und als einzige Brauerei der Stadt unter dem Namen Brauhaus Rothenburg geführt worden.
1974 habe im Sudhaus der letzte Sud stattgefunden. Anschließend habe die Stadt das Gelände erworben und 1983 seien die ersten Überlegungen angestellt worden, was aus Grundstück und seinen Gebäuden werden könnte. „Wir beschäftigen uns also seit über 40 Jahren mit der Frage nach der Zukunft dieses großen Areals“, so der Oberbürgermeister.
Und erklärte: „Unter uns befindet sich mit den riesigen Kellern und Gängen eine zweite Welt. Da die Keller stark einsturzgefährdet sind, dürfen wir sie leider nicht betreten.“ Er berichtete, dass sich in den Gewölben eine der größten Fledermauspopulationen Süddeutschlands befinde. Um diese nicht zu gefährden, dürfe man auch die Keller nicht einfach auffüllen.
Eine Begehung habe vor einigen Jahren stattgefunden und die Vermutung bestätigt, dass es „da unten Fledermäuse ohne Ende gibt“. Allein die Sanierung des noch bestehenden Sudhauses würde acht bis zehn Millionen Euro kosten.
Allerdings würde das Amt für Denkmalpflege gut darauf achten, dass es als Denkmal erhalten bleibt. Und der Naturschutz würde auf keinen Fall zustimmen, wenn Hunderte von Fledermäusen ihren Rückzugsort verlören. „Deshalb lautet meine Prognose: Wir werden in zehn Jahren wieder hier stehen, ohne eine Lösung gefunden zu haben.“
Während 2019 noch von einer Investition in Höhe von rund 35 Millionen Euro gesprochen wurde, seien heute zwischen 55 und 60 Millionen Euro im Gespräch. Es sei beabsichtigt, im Stadtrat sehr zeitnah über die aktuelle Planungsvariante mit dem beauftragten Architekturbüro zu sprechen und gegebenenfalls die Frist um ein halbes Jahr zu verlängern. „Ich glaube nicht daran, dass ein Investor beziehungsweise Betreiber gefunden werden kann, so dass in Erwägung gezogen werden müsste, die bisherigen Vertragsabschlüsse für nichtig zu erklären.“ Dann müsse eben der neue Stadtrat ab Mai 2026 tätig werden und neu entscheiden. „Ideen gibt es noch und nöcher, aber leider keine realistischen.“