Ein Jahr als Bürgermeister in Sugenheim: Anton Schiefer ist glücklich | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.05.2025 20:18

Ein Jahr als Bürgermeister in Sugenheim: Anton Schiefer ist glücklich

Tägliche Routine ist für Bürgermeister Toni Schiefer der Besuch der Großbaustelle „Ehegrundschule“. Das Gebäude wird saniert. (Foto: Judith Marschall)
Tägliche Routine ist für Bürgermeister Toni Schiefer der Besuch der Großbaustelle „Ehegrundschule“. Das Gebäude wird saniert. (Foto: Judith Marschall)
Tägliche Routine ist für Bürgermeister Toni Schiefer der Besuch der Großbaustelle „Ehegrundschule“. Das Gebäude wird saniert. (Foto: Judith Marschall)

Ein ganzes Jahr ist Anton Schiefer nun Bürgermeister von Sugenheim. Wie glücklich er über seine Einwohner, den Gemeinderat, die elf Ortsteile ist – es ist ihm anzumerken. Anfang Mai 2024 trat der überzeugte Teamplayer die Nachfolge des vorzeitig zurückgetretenen Reinhold Klein an.

Auch 365 Tage später brennt Schiefer für sein Mandat. Er betont, was er schon im Wahlkampf immer wieder gesagt hat: „Es gibt auch viele kleine Dinge, die das Leben in Sugenheim besser machen können und wenig kosten.“

Klar, die Sanierung der Ehegrundschule belastet den Etat der Gemeinde – auf Jahre. Wann ist es abbezahlt? „Da bin ich nicht mehr Bürgermeister“, sagt Schiefer lachend. Dann rechnet er im Kopf Hackschnitzelheizung, Turnhalle und Schule zusammen: „Da sind wir bei 14,5 Millionen“, summiert er. Das sei das größte Projekt seit 50 Jahren, größer sogar als die Abwasseranlage.


Das Soziale war mir immer wichtig.

Toni Schiefer

Und da war Schiefer schon dabei. Seit 2014, als ihn Werner Wiederer fragte, ob er auf die SPD-Liste wolle, arbeitet er im Gemeinderat. „Eigentlich habe ich keine Zeit“, hatte er damals geantwortet. So gab man den hintersten Listenplatz an „den Toni“, wie ihn die Sugenheimer nennen. „Dann haben sie mich 'reingewählt“, sagt Schiefer – als könne er heute noch nicht glauben, wie er zur SPD und in den Rat kam.

Allerdings: in der SPD sei er bewusst. „Das Soziale war mir immer wichtig“, sagt Schiefer. Im Schwimmverein, im Dorf, in der Gesellschaft. Um die, die Geld haben, die ihre Interessen laut vertreten, brauche man sich nicht zu kümmern. Den Schwächeren und Ruhigen müsse man helfen. Im Verein – Schiefer gibt trotz des Bürgermeisteramtes immer noch jeden Samstag DLRG-Schwimmunterricht – habe er das gelernt.

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Bodenständig und sozial will er sein. Das betont Schiefer immer wieder. Wann geht „dem Toni“ das Herz auf? „In der Schule und im Kindergarten“, sagt er. Kinder und Jugendliche in die richtigen Bahnen lenken. Etwas Wichtigeres könne es doch gar nicht geben. Wenn die Jugend lernt, Rücksicht zu nehmen, auch auf die Natur, einander zu helfen – Werte vermitteln, das sei wichtig und „abgeben können“, gerade auch als Bürgermeister.

Dann spricht er wieder vom Glück. Dass er so viel Glück habe, mit einem solchen Gemeinderat zusammenarbeiten zu dürfen: ohne Rangeleien zwischen Ober- und Unterland, mit einem neuen prima Arbeitskreis, mit einer gut funktionierenden Großbaustelle – und eben, wie schön es ist, wenn die Kinder im Ort auf ihn zukommen und „Hallo, Toni“ sagen statt „Herr Bürgermeister“.

Kein Paragrafenreiter

Nahbar will er sein, immer ansprechbar, unkompliziert. „Wenn ich alles nach Paragrafen mache, müsste ich viel verbieten und manches regulieren; das macht dann überhaupt keinen Spaß mehr, auch für die Leute nicht.“

Die Arbeitsbelastung findet Schiefer nicht schlimm. Schon vorher habe er Zwölf- und 13-Stunden-Tage gehabt. Neben dem Acht-Stunden-Beruf wartete der Getränkemarkt der Familie. Dort sei er von klein an gesessen. Als er erwachsen wurde, war Getränkeliefern am Wochenende der Normalfall.

Überrascht im neuen Amt hat Schiefer die viele Bürokratie. „Das war ich aus meinem bisherigen Leben so nicht gewohnt.“ Im eigenen Geschäft waren die Dienstwege kurz. Der Entscheidung folgte die Umsetzung. Das sei jetzt anders, sagt er. Nun sei viel vorgegeben, und er nennt aus aktuellem Anlass das „Einweg-Kunststoff-Fonds-Gesetz“.

Bürgermeister sind mächtig

Ist ein Bürgermeister mächtig? „Ja, sehr“, sagt Schiefer: „Ich nütze es aber nicht aus“. Wieder weht der Teamgeist. Oft werde das Amt schlecht geredet. In Sugenheim seien vielleicht 0,2 Prozent der Bevölkerung etwas schwierig, „alle anderen sind tippi-toppi“, lobt Schiefer: „Von den 2495 sind vielleicht fünf kompliziert“.

Tiefpunkte seiner bisherigen Amtszeit waren die tödlichen Verkehrsunfälle in jüngster Vergangenheit. Die Feuerwehrleute seien stark belastet. „Sie machen inzwischen ja auch Reanimation“, sagt Schiefer und betont, „ehrenamtlich“.

Trocken und schwierig gestalten sich die Finanzen, aber Schiefer ist ein Zahlenmensch, der viel und oft rechnet. Mitte, Ende Mai lägen die Zahlen für 2025 vor, dann werde klarer, wie es weitergeht.


Politik soll sich entwickeln.Vorgeben bringt nichts.

Toni Schiefer

Zusätzlich zu Schule und Krippenneubau plagen die Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos, die veraltete Bauhofausstattung, der viele Wald. Sorgen ja, aber gleichzeitig ist Schiefer voller Tatendrang und Optimismus.

Begeistert spricht der Bürgermeister vom Flachslandener Hochwassermanagement: „244 ganz kleine Projekte.“ Das könne der Bauhof nach und nach angehen. Bei einem Hochwasser-Workshop habe Heiko Moßhammer seitens des Wasserwirtschaftsamts ein Ampelsystem vorgeschlagen: „Grün“ – die Gemeinde darf einfach machen; „Gelb“ – beim Amt nachfragen; „Rot“ – ohne Wasserwirtschaftsamt geht es nicht. „Das ist Bürokratieabbau“, freut sich Schiefer.

Da wäre dann noch der neue Arbeitskreis. Der soll unbedingt erwähnt werden. Alle Bürgermeisterkollegen seien sich einig, dass mehr fürs soziale Umfeld getan werden muss. Aus dem ILEK (Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept) soll ILSE (Integrierte Ländliche Soziale Entwicklung) werden. Dazu passend ist in Sugenheim ein Arbeitskreis entstanden, „der aus lauter fitten Leuten besteht“. Soziales, Energie und Klima stehen auf der Agenda. „Die Politik soll sich entwickeln, vorgeben bringt nichts“, sagt Schiefer. Wenn es gut läuft, kann sich der 57-Jährige vorstellen, bei den in Sugenheim erst 2032 wieder anstehenden Bürgermeisterwahlen noch mal anzutreten.


Von Judith Marschall
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