Seit 625 Jahren gibt es das Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium (GWSG) in Bad Windsheim. Anlässlich dieses Jubiläums hat Rektor Uwe Nickel Ehemalige für Vorträge an die Schule geholt. Einer von ihnen: Professor Joachim Behnke, Leiter des Lehrstuhls für Politikwissenschaft an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen.
Den Anfang der Vortragsreihe anlässlich des Jubiläums hatte Christian Schmidt als ehemaliger Hoher Repräsentant von Bosnien und Herzegowina und Ex-Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft gemacht. Die Biografie von Behnke liest sich kaum weniger spannend und sehr vielseitig. Was beide im Lebenslauf stehen haben: das Abitur am Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium. Bei Behnke war das im Jahr 1982.
Um sich auf den Gast vorzubereiten und um möglicherweise ein Foto von dessen Abschlussjahrgang zeigen zu können, hatte Nickel die alten Jahrgangsbücher durchgeschaut – und war irritiert, dass er über den Behnke-Jahrgang nichts hatte finden können. Der Professor wiederum schmunzelte, verwundert war er aber nicht.
Die Kommunikation mit den Lehrerinnen und Lehrern sei damals nicht ganz so einfach gewesen, formuliert Behnke es vorsichtig. Es habe Konflikte auf verschiedenen Ebenen gegeben, sodass die Schule auch keine Abi-Feier mit Zeugnisübergabe für seinen Jahrgang organisiert hatte. „Das haben wir dann selbst gemacht”, erinnert er sich. Als Jahrgangsbestem hatte man Behnke seitens der Schule zudem das obligatorische Büchergeschenk verweigert.
Doch die positiven Erinnerungen an seine Schulzeit in Bad Windsheim würden klar überwiegen, betonte Behnke ausdrücklich. „Ich war sehr gut in die Klasse integriert und auch in die Schule insgesamt, und ich hatte ein überwiegend gutes Verhältnis zu den Lehrern. Ich bin gerne in die Schule gegangen.”
Im Alter von vier Jahren war Behnke nach Bad Windsheim gekommen. Sein Vater stammte aus Pommern, seine Mutter war Schwäbin. „Meine wesentlichen Kindheitserinnerungen stammen aus Bad Windsheim”, sagt der Professor. Gelebt hat die Familie damals in der Westsiedlung, Breslauer Ring. Man habe direkt am Ende der Siedlung gewohnt, „danach kamen nur noch Felder”. Wo die Stadt aufgehört hat, habe für die Kinder damals das Abenteuer begonnen. Von dort aus starteten sie zu unbeschwerten Radtouren. Behnke lief zum Weinturm hinauf, um von dort seine Modellflugzeuge starten oder seinen Drachen steigen zu lassen. Oder er ist mit Freunden zum Steinbruch und runtergeklettert, „was ja verboten war”.
Seine Grundschulzeit hat Behnke in einer alten Kaserne im Schellenfeld verbracht. Das sei von seinem Elternhaus her gesehen „am anderen Ende der Stadt” gewesen. „Die Kaserne war heruntergekommen, ganz schrecklich.” Dass der Schulweg ihn täglich einmal quer durch Bad Windsheim führte, hatte aber auch einen unschlagbaren Vorteil. Denn es ließ sich kaum vermeiden, bei der Bäckerei Schmid vorbeizukommen.
„Die Bäckerei Schmid war der Hit”, sagt Behnke. Um das verstehen zu können, erinnert er zuerst an jenen Einzelhändler, der die Brausestangen „mit der Pinzette” einzeln abgezählt hat. Wer vier wollte, bekam auch nur exakt die vier.
„Frau Schmid” hingegen schien nicht zählen zu wollen. Sie hätte immer mit der ganzen Hand in die Dose mit den Brausestangen gegriffen und den Kindern das eingetütet, was sie herausgezogen hatte. Und das war immer weit mehr, als ursprünglich bestellt worden war. „Wir haben sie alle geliebt, ihre Großzügigkeit.”
Bis zum Tod seiner Mutter vor rund fünf Jahren war Behnke regelmäßig in Bad Windsheim. Mittlerweile sind seine Reisen nach Franken aber seltener geworden. Doch noch immer streift er gerne durch die Stadt und schaut, welche Läden von damals es noch gibt. Er fühlt sich der Kommune weiterhin verbunden.
Nach dem Abitur in Bad Windsheim hatte Behnke ein Studium in München begonnen. Seine vielfältigen Interessen spiegeln sich in seinen Fächern wider: Theaterwissenschaft, Philosophie, Kommunikationswissenschaften, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften.
Seit 2008 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaften an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Schwerpunkte seiner Forschung sind Wahlsysteme und Wahlverhalten. Im Jahr 2022 war er in die Kommission zur Reform des Wahlrechts des Bundestages berufen worden. Seit 2011 ist er zudem Berater der Deutschen Filmakademie in Bezug auf das Wahlverfahren zum Deutschen Filmpreis, heißt es in seinem Lebenslauf.
Auch schrieb der Wissenschaftler einschlägige Werke mit Titeln wie „Logistische Regressionsanalyse. Eine Einführung.” oder auch „Räumliche Modelle der sachfragenorientierten Wahlentscheidung”. Behnke liebt Statistik und Spieltheorien, Mathematik und Film. Rein technisch ausgerichtete Wissenschaft war ihm indes nie genug. Er suchte immer auch nach philosophischen Hintergründen. Im Steller-Gymnasium referierte er passend zu seinen Themen vor rund 100 Schülerinnen und Schülern über „Trump, die Wahlen und die Demokratie”.
Ob es mal ein Klassentreffen seines Abi-Jahrgangs gegeben habe, wollte Rektor Uwe Nickel wissen. An ein einziges konnte Behnke sich erinnern. Aber von einem weiteren weiß er nichts. Den Werdegang manch' eines Klassenkameraden hat er aber aus der Ferne verfolgt.
So wie den von Matthias Oberth, bekannt unter anderem als SPD-Fraktionssprecher im Bad Windsheimer Stadtrat. Während Oberth sich als Kollegstufensprecher engagierte, war Behnke sein Stellvertreter. „Oberth war ein Organisationstalent“, sagt Behnke anerkennend. Er sei eine prägende Figur des Jahrgangs gewesen und geradezu eine „natürliche Führungsfigur”.