Bei der Mitgliederversammlung des Naturparks Frankenhöhe stellte Ulrike Naumes vom Büro „inspektour“ aus Hamburg die Ergebnisse der Standortbewertung vor. Sie hatte sich die beiden potenziellen Standorte vor Ort angeschaut. Die Resultate liegen so eng beieinander, dass erst einmal keine Entscheidung getroffen wurde, wo das Naturparkzentrum gebaut wird. Sie soll nun voraussichtlich im Herbst fallen.
In dem Naturparkzentrum sieht Naumes eine Chance zur Weiterentwicklung und einen Mehrwert für Bewohner und Besucher. Seit 2020 sei es möglich, für Naturparkzentren eine Förderung durch den Freistaat Bayern zu beantragen. Das Land wolle ein Netz dieser Informationszentren aufbauen. Verwirklicht worden sei aber noch keines, so dass die Frankenhöhe „vorne mit dabei ist“. Vorgesehen sei eine jährliche Förderung von 200.000 Euro.
Mit Hilfe einer Förderung über die LNPR (Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie) des bayerischen Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) kann der Naturpark Bau, Einrichtung und Unterhalt eines Naturparkzentrums finanzieren. Voraussetzung für eine Antragsstellung ist die Projektskizze, welche der Naturpark aus eigenen Mitteln stemmen muss.
Eine Lenkungsgruppe hat sich bereits mit thematischen Fragen beschäftigt und spricht sich dafür aus, die Schäferei ins Zentrum zu nehmen. Darin sieht man ein regionales Alleinstellungsmerkmal und eine gute Ergänzung zum bestehenden Streuobst-Kompetenzzentrum in Burgbernheim. Der Fokus soll auf dem Erlebnis liegen. Deswegen wird es dort nicht nur digitale Angebote geben.
Acht Ziele hat die Lenkungsgruppe formuliert. Darunter sind eine Stärkung der Gemeinschaft, die Vermittlung der regionalen Geschichte, eine Unterstützung der Schäfer und die Förderung von Projekten, die „gut für den Menschen und den Naturpark sind“, denn der Naturpark verstehe sich als „vernetzende Kraft“.
Nach den staatlichen Vorgaben soll das Besucherzentrum jährlich 20.000 Gäste anlocken, was nach den Worten von Naumes eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe ist. Hauptzielgruppe seien die Einwohner des Naturparkgebiets, aber auch Ausflugsgäste. Das Zentrum könnte zum Ort von Tagungen mit einem Fokus auf Teambuilding werden. Auch Feste sollen dort stattfinden.
Colmberg bietet als Standort die Osterfeuerstelle am Sportplatz an. Die Bushaltestelle am Rathaus liegt etwa 750 Meter entfernt. Zu den Pluspunkten dieser Gemeinde zählte Naumes die Nähe zu Streuobstwiesen und einer Schauimkerei, den Blick auf die Burg und die Schafhutung sowie den Zugang zu einem Wanderweg. Drei von vier typischen Lebensräumen im Naturpark seien direkt erlebbar, ein Gewässer zu Fuß erreichbar. Außerdem gebe es eine gute Fahrradanbindung. Die bestehende Erschließung ist 300 Meter weit weg.
In Dombühl läge das Naturparkzentrum in der Breslauer Straße am Erlebnispark Natur und Teich. Hier hat man als Trümpfe das benachbarte Schwimmbad mit seinem neuen Bistro, eine Liegewiese und attraktive Sitzgelegenheiten. Die 1,7 Kilometer entfernte S-Bahn- und Regionalexpress-Station ist ein Vorteil, weil die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sehr hoch gewichtet wird. Auch hier ist man schnell auf einem Wanderweg und alle vier Lebensräume können direkt erlebt werden.
In Dombühl würde man wegen der bereits vorhandenen Erschließung voraussichtlich Zeit und Geld sparen, so Naumes. Die Gemeinde habe auch ein etwas größeres Einzugsgebiet, wenn man die Erreichbarkeit innerhalb einer halben Stunde zugrunde legt. Andererseits liegt Colmberg zentraler im Naturpark und hat ein größeres gastronomisches sowie touristisches Angebot.
Viele weitere Faktoren sprach Ulrike Naumes auf der Grunlage einer Matrix an und am Ende hatte Dombühl mit 74 Punkten ganz knapp die Nase vorn, während Colmberg auf 72 Punkte kam. Eine Vorentscheidung ist das aber noch nicht: „Ich bin gespannt, was Sie daraus machen“, sagte die Expertin abschließend zu den versammelten Mitgliedern des Naturparkvereins.