Pilzesammeln im Winter? Auf zur Schatzsuche im Naturpark Frankenhöhe | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.12.2024 11:41

Pilzesammeln im Winter? Auf zur Schatzsuche im Naturpark Frankenhöhe

Griffbereit für den genauen Blick: Die Botanikerlupe mit zigfacher Vergrößerung ist ideal, um Details zur Pilzbestimmung zu betrachten. (F.: Silvia Schäfer)
Griffbereit für den genauen Blick: Die Botanikerlupe mit zigfacher Vergrößerung ist ideal, um Details zur Pilzbestimmung zu betrachten. (F.: Silvia Schäfer)
Griffbereit für den genauen Blick: Die Botanikerlupe mit zigfacher Vergrößerung ist ideal, um Details zur Pilzbestimmung zu betrachten. (F.: Silvia Schäfer)

Für viele Pilzsucher endet die Saison im späten Herbst. Aber auch im Winter kann man auf der Suche nach essbaren Pilzen, die es kalt und frostig mögen, noch fündig werden. Eine Exkursion mit der Diplom-Biologin Diana Härpfer im Naturpark Frankenhöhe macht die Pilzsuche in der Gruppe zu einem Gemeinschaftserlebnis.

Es gibt zwar nur eine Handvoll essbarer Winterpilze. Und wenn man sie findet, dann eher in begrenztem Angebot. Auf eine Kolonie von Austernseitlingen als dem König der Winterpilze zu stoßen, ist nicht der Alltag. Diana Härpfer bemisst den Wert von Winterpilzen daran, dass es sie überhaupt gibt.

Die Diplom-Biologin ist freiberuflich tätig und erstellt beispielsweise Artenschutzgutachten vor geplanten Bauvorhaben, um Eingriffe in die Natur auf ihre Auswirkungen auf Flora und Fauna zu bewerten. Als spannender Teil der Natur beschäftigt sich Diana Härpfer auch mit Pilzen.

Kenner und Anfänger auf der Suche nach den „Königen der Winterpilze”

Sie macht Pilzführungen im Raum Erlangen, wo sie lebt, aber auch im Naturpark Frankenhöhe, der innerhalb der Landkreise Ansbach, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und der kreisfreien Stadt Ansbach liegt. Abgestimmt sind sie auf das Tourenprogramm der im Gemeinschaftszentrum Colmberg ansässigen Naturpark-Ranger, die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zur Umweltbildung sowie nachhaltige Regionalentwicklung betreiben.

Unter den Teilnehmern der Pilzwanderung waren Kenner und Anfänger, die sich für die „echten“ Winterpilze interessierten. Sie erfuhren dabei gleichzeitig die Zusammenhänge in der Natur, die unterschiedlichen Lebensformen und die Vielfalt der Verwendungsarten von Pilzen, etwa in der traditionellen chinesischen Medizin oder in der heimischen beziehungsweise asiatischen Küche. Essbare Pilze sind ein beliebter Zusatz zu Speisen. Eine essenzielle Rolle spielen Pilze in den Ökosystemen. Sie sorgen dafür, dass Nährstoffe im Boden umgewandelt und wiederverwertet werden können.

Ein fundamentales Element der Pilze ist das Myzel, ein Netzwerk aus feinen Fäden, das als Hauptteil des Pilzorganismus fungiert und unterirdisch verborgen bleibt. Die sichtbaren Fruchtkörper, die „Pilze“, sind nur ein kleiner, aber wichtiger Teil der Gesamtstruktur.

Samtfußrüblinge und Judasohr entdeckt

Die Mission, Austernpilze an den Spezialstellen alter Laubbäume zu finden, gelingt der Expertin und den aufmerksamen Teilnehmern an diesem Nachmittag nicht. „Winterpilze brauchen Kälte zur Fruchtbildung, um die Funktion der Fortbildung zu erfüllen“, erläutert Diana Härpfer, „in den vergangenen Wochen war es zu warm.“

Entlang an Bachauen, nah am Boden, aber vor allem im Unterholz an alten, teils abgestorbenen Laubbäumen, werden die Pilzsucher doch noch fündig. Mit einem scharfen Messer schneidet Härpfer Samtfußrüblinge vom Baum. Sie besitzen, wie der Name sagt, einen samtig-behaarten Fuß und leuchten der Gruppe orange-ockergelb entgegen. Die Lamellen sind weiß-gelblich gefärbt.

Das Judasohr als Einsteigerpilz

Die Sinne der Pilzsucher sind geschärft. Nach ein paar Metern wächst an einem älteren, geschwächten Holunderbusch ein Pilz mit einer ungewöhnlichen Form des Fruchtkörpers, die einer Ohrmuschel ähnelt. Der Speisepilz Judasohr ist aufgrund seines prägnanten Aussehens auch für unerfahrene Pilzsammler leicht zu bestimmen. Er fühlt sich samtig und etwas filzig an. Giftige Doppelgänger sind nicht bekannt – also ein idealer Einsteigerpilz für Gerichte.

Entdeckt wurden auch noch mehrere kleinere Pilze: Gemeine Trompetenschnitzlinge mit bräunlich-rötlichem Hut – kein Speisepilz, aber auch kein Giftpilz. Das gilt ebenso für den Angebrannten Rauchporling, dessen dachziegelartig übereinander wachsenden Fruchtkörper an Totholz die Aufmerksamkeit erregten.

Eishaare als Naturschauspiel

Auf entrindetem Rotbuchenholz fielen scharenweise auftretende zitronengelbe Holzbecherchen, die wie kleine Nadelköpfe aussehen, ins Auge. Wegen ihrer kleinen Größe sind sie als Speisepilz aber unbrauchbar.

Die Diplom-Biologin machte auch auf ein Naturphänomen aufmerksam, an dem wohl die meisten Teilnehmer aus Unkenntnis achtlos vorbeigegangen wären. An weiß strahlendes haariges Eis, auch Haareis genannt. Es bildet sich im Winter auf morschem und feuchtem Totholz, solange genügend Wasser aus dem Holz nachgeliefert wird.

Bei Temperaturen um die null Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ist ein Pilz dafür verantwortlich, dass Eishaare am Totholz wachsen, die an Zuckerwatte erinnern. Dennoch ist die „Zuckerwatte“ kein Pilz, sondern eine besondere Form des Eises. Eine seltene Beobachtung im Winterwald. Man müsse Glück haben, um dieses Naturschauspiel sehen zu können, freut sich Diana Härpfer. An schattigen Standorten überdauert es manchmal den ganzen Tag. In der Wintersonne hingegen beginnt es schnell zu schmelzen.

Details unter der Botanikerlupe

Mit der Biologin lernen die Teilnehmer auch die möglicherweise giftigen beziehungsweise ungenießbaren Doppelgänger der Speisepilze und ihre Unterscheidung kennen. Sie reicht eine Botanikerlupe herum, die mit zigfacher Vergrößerung feine Details der besonderen Merkmale sichtbar macht.

Für Erklärungen zieht Diana Härpfer während der etwa dreistündigen Führung immer wieder ihr dickes Pilzbuch mit Farbfotos heran, um alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bringen. Ihr wichtigster Hinweis an Unerfahrene und Fortgeschrittene: Im Zweifel, ob es sich um essbare Pilze handelt, immer um Rat fragen.

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