Die Wirtschaftskrise ist im Landkreis Ansbach angekommen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.12.2024 08:00

Die Wirtschaftskrise ist im Landkreis Ansbach angekommen

Wie kommt die Wirtschaft im Landkreis gut durch die aktuelle Krise? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Kreistag bei seiner Sitzung im Ansbacher Landratsamt. (Foto: Thomas Schaller)
Wie kommt die Wirtschaft im Landkreis gut durch die aktuelle Krise? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Kreistag bei seiner Sitzung im Ansbacher Landratsamt. (Foto: Thomas Schaller)
Wie kommt die Wirtschaft im Landkreis gut durch die aktuelle Krise? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Kreistag bei seiner Sitzung im Ansbacher Landratsamt. (Foto: Thomas Schaller)

Die Wirtschaftskrise ist im Landkreis Ansbach angekommen. Besonders die Automobilzulieferer und die Bauindustrie tun sich schwer. Die Ursachen liegen auf nationaler und internationaler Ebene. Aber der Kreis hat eigene Stärken, auf die er setzen sollte, wurde bei einer Aussprache zur wirtschaftlichen Situation im Kreistag deutlich.

Aufhänger für die Diskussion war der Bericht der beiden Wirtschaftsförderer Ekkehard Schwarz und Thomas Merkel. Im Kleinen laufe auf der Basis von Vertrauen vieles gut. Perspektivisch brauche man aber wieder die Entwicklung von Gewerbeflächen, forderte Schwarz. Die Bedeutung der Ausbildung unterstrich Thomas Merkel, besonders vor dem biografischen Hintergrund, dass die Babyboomer in den nächsten Jahren in den Ruhestand treten. In der kommenden Woche werde man eine Bürgerumfrage starten, bei der Ideen eingebracht werden können.

Vieles muss vor Ort bearbeitet werden

Nach über zehn „fetten Jahren“ stehe man jetzt vor „immensen strukturellen Herausforderungen“, sagte Patrick Ruh (CSU). Die Rahmenbedingungen würden zwar in München, Berlin und Brüssel geschaffen, aber vieles müsse dennoch vor Ort bearbeitet werden, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen. Ruh nannte die Themen Infrastruktur und günstige erneuerbare Energien. Dabei seien auch die 58 Kommunen gefordert. Der Feuchtwanger Bürgermeister unterstrich die Bedeutung der Wirtschaftsförderung: „Jeder Euro, der da investiert wird, kommt dreifach zurück“.

„Wir sind in einer Krise, einer Strukturkrise, in einer Transformation“, meinte Günther Brendle-Behnisch (ÖDP). Ohne Wirtschaftswachstum gehe es im bestehenden System nicht. Daher müsse man das System verändern. Brendle-Behnisch forderte einen nachhaltigen Umbau in ökologischer Hinsicht und mehr Krisenfestigkeit. Im Kleinen sei das Vertrauen da, das im Großen fehle. Kleine und mittelständische Unternehmen müssten beim Umstieg von fossiler zu erneuerbarer Energie unterstützt werden.

Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) ergänzte, auch die soziale Dimension der Nachhaltigkeit sei wichtig. Brendle-Behnischs Fraktionskollege Jürgen Schilling argumentierte, das Bruttosozialprodukt wachse auch durch Kriege und Katastrophen. Es sei aber fraglich, ob das Wachstum die Menschen glücklicher und zufriedener macht. Dem weltweit aufgestellten System möchte er eine Regionalgeld-Initiative entgegenstellen, damit mehr Geld regional zirkuliert.

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Regionale Kooperationen

Als positive Aspekte führte Landrat Ludwig die vielen regionalen Kooperationen an, die es mittlerweile gibt. Die Erhaltung und Entwicklung der Infrastruktur sei ein Dauerthema vom Bildungsbereich über den Verkehr bis zum Abwasser. Als erste Region in Bayern habe man die Fortschreibung des Regionalplans in Sachen Windkraft im Wesentlichen geschafft. Ein „Hemmschuh“ seien die Einschränkungen in den Stromnetzen: „Wir sind darauf angewiesen, dass der Strom auch transportiert wird“.

Aufkommende Forderungen nach einer besseren finanziellen Ausstattung der Wirtschaftsförderung konterte der Landrat mit dem Hinweis, im Haushaltsentwurf seien bereits 800.000 Euro als Zuschussbedarf dafür ausgewiesen. Außerdem mache es Sinn, die vorhandenen Rücklagen zur Finanzierung heranzuziehen.

Die deutsche Wirtschaft sei auf dem Weltmarkt kaum noch konkurrenzfähig, erklärte Dr. Jürgen Pfeiffer (CSU). Seit 2019 gebe es keine Produktivitätsgewinne und daher eigentlich auch nichts mehr zu verteilen. Er glaubt nicht daran, dass Zinssenkungen die Strukturprobleme lösen können. Diesen Problemen müsse man sich widmen, „sonst fahren wir weiter an die Wand“.

Bunte und erfolgreiche Zukunft

Hans Henninger (Freie Wähler) riet dazu, „eher über das zu reden, was wir im Kreis ändern können, weniger über weltpolitische Entscheidungen“. Als Flächenlandkreis habe man gute Voraussetzungen für günstige erneuerbare Energie. Auch den Netzausbau habe man „mittelbar in der Hand“. Die N-ergie habe das Thema zwar jahrelang „verschlafen“, aber gerade würden Gespräche mit dem Versorger laufen. „Ich sehe nicht schwarz, sondern bunt und erfolgreich“, fasste Henninger zusammen.

Sorgen macht sich Isabella Hirsch (Grüne), dass der Klimawandel zu Mindereinnahmen und Schäden durch Feld- und Waldbrände sowie Starkregen führt. Deswegen müsse man die Klimafolgen stets mit bedenken und in günstige nachhaltige Energie investieren.

Doris Unger (CSU) sagte, mittelständische Unternehmen würden durch hohe Energiekosten ausgebremst. Dies sei ein Wettbewerbsnachteil und koste Arbeitsplätze. Sie prophezeite, dass die Zahl der Insolvenzen steigen wird.

Überlange Verfahren beispielsweise bei der Bauleitplanung beklagte Dr. Christoph Hammer (CSU). Manche Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange enthielten seitenlange grundsätzliche Erwägungen aus dem Textbaukasten.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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