Es ist 16.33 Uhr in Buch am Wald. In der Ortsmitte fährt der letzte Bus des Tages in Richtung Geslau ab. Wer viel Zeit und Geduld hat, hat dort nach fast einer Stunde Aufenthalt Anschluss nach Ansbach, wo man um 18.20 Uhr ankommt.
Mit dem Auto wäre man nach 20 Minuten am Ziel. Was sich nach einer extremen Ausnahme anhört, ist eher die Regel im Landkreis Ansbach.
Nach den Worten von Stefan Weigele von der Beratungsgesellschaft civity gehört der Landkreis Ansbach beim öffentlichen Nahverkehr zu den Schlusslichtern im deutschsprachigen Raum. Es gibt zwar ziemlich viele Haltestellen, an denen aber vergleichsweise nur sehr wenige Busse halten. Wörtlich sprach der Experte im Kreisausschuss von einem „sehr niedrigen Angebotsniveau“. Im Durchschnitt brauche man im Landkreis mit öffentlichen Verkehrsmitteln dreieinhalb mal so lang wie mit dem Auto.
Weigele und seine Beratungsfirma hatten das Angebot von verschiedenen strukturell ähnlichen Verbünden verglichen. Ergebnis: Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ist „mit Abstand“ das Schlusslicht. An der Spitze liegen Verbünde in Österreich und der Schweiz, wo der Anteil der öffentlichen Verkehrsmittel am gesamten Verkehr drei- bis viermal so hoch liegt wie rund um Ansbach.
Auch beim deutschlandweiten Vergleich des Verbands „Allianz Pro Schiene” schneidet der Landkreis Ansbach schlecht ab. Ansbach selbst taucht sogar auf Platz 3 der bundesweiten „Flops” der kreisfreien Städte auf.
Schon am Nachmittag werde das Angebot ausgedünnt, es gebe immer noch die historische Orientierung am Schülerverkehr und am Wochenende „fährt so gut wie nichts mehr“. Weder für Berufspendler noch für den Freizeitverkehr sei das Angebot attraktiv. „Wenn man die Verkehrswende im ländlichen Raum erreichen will, braucht es eine Angebotsoffensive“, meinte Weigele.
Dazu gehören eine deutliche Taktverdichtung, ein längeres Fahrtenangebot, kurze Umsteigezeiten, ein Busnetz, das die Schiene „füttert“ und eine Verknüpfung von Rad und Schiene. Das wird viel Geld kosten, gab der Fachmann unumwunden zu.
Wie viel, blieb im Kreisausschuss offen – das gehörte nicht zum Auftragsumfang des Beratungsunternehmens. Hans Popp (CSU) forderte daher, zunächst zu klären, „was wir an Nachfrage erwarten, wenn wir das Angebot verbessern“ und was das kostet. Einen Vergleich mit reicheren Ländern wie der Schweiz lehnten Popp und sein Fraktionskollege Michael Dörr ab. Sie sehen den Maßstab eher in den Nachbarlandkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen, wo es auch nicht besser aussieht. Michael Sommer (CSU) sprach sich dafür aus, zu ermitteln, „was in der Bevölkerung gewünscht wird“.
Birgit Meyer (Grüne) sah durch die Analyse bestätigt, „was wir schon seit der Schulzeit fühlen“. Uwe Reißmann (SPD) meinte, der ÖPNV brauche einen „langen Atem“ und bezweifelte, dass eine Verdoppelung des Angebots zu einer Verdoppelung der Nachfrage führen würde.
Maria Hetzel (ÖDP) stellte die Frage, ob es überhaupt genug Busfahrer für ein erweitertes Angebot geben würde. Dieses Problem beschäftige die ganze Branche, gestand Weigele zu, aber „ein attraktiverer ÖPNV ist auch ein attraktiverer Arbeitsplatz“.
Von einer „frustrierenden Analyse“ sprach Holger Göttler (Freie Wähler). Vielleicht müsse man den öffentlichen Nahverkehr ganz neu denken, regte er an.
Das Thema werde bei der laufenden Fortschreibung des Nahverkehrsplans des Landkreises weiter behandelt, schloss Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) die Debatte ab.