In Westmittelfranken gibt es genug Platz für neue Windräder. Ob allerdings tatsächlich neue Anlagen gebaut werden, hängt zum einen von der Bundespolitik, vor allem aber vom Energieversorger N-ergie ab.
Auf die N-ergie sind viele Kommunalpolitiker im westlichen Mittelfranken nicht mehr gut zu sprechen. Die inzwischen massiven Abregelungen von Photovoltaik- und Windkraftanlagen sorgen für Ärger. Die Betreiber bekommen zwar eine Entschädigung, aber bezahlen müssen diese letztlich die Stromkunden.
Hauptgrund dafür, dass die Anlagen in der Regel tagsüber bei schönem Wetter fast immer abgeschaltet werden, ist, dass das Netz zu schwach ist, um die produzierten Strommengen abzutransportieren. Außerdem ist die Nachfrage nach Strom bei weitem nicht so stark gestiegen, wie es Experten der Bundesregierung vor Jahren vorhergesagt hatten. Im Gegenteil: Im Gebiet der N-ergie ist sie sogar gesunken.
Trotz der widrigen Rahmenbedingungen hat der Regionale Planungsverband frühzeitig die gesetzliche Aufgabe angepackt, ausreichende Vorrangflächen für Windkraftanlagen im Regionalplan auszuweisen. Zwei Prozent der Fläche der Stadt und des Landkreises Ansbach sowie der Kreise Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen müssen es voraussichtlich bis 2032 sein.
Früher als andere Regionen hat Westmittelfranken dieses Ziel schon erreicht – und das in einem großen Schritt, obwohl aktuell noch ein kleinerer Teil der Fläche gereicht hätte. Eine Herausforderung stellten dabei besonders die militärischen Einschränkungen dar. Aber auch eine Vielzahl von anderen Interessen musste berücksichtigt werden. Jetzt beschäftigen sich der Regionalbeauftragte Dr. Rainer Fugmann und der Planungsausschuss des regionalen Planungsverbands noch mit der Feinsteuerung. Entsprechend wird der Regionalplan geändert.
In der nun einstimmig beschlossenen 32. Änderung werden neun Gebiete, die Teil der vorherigen Änderung waren, erneut überprüft. Manche wurden von Vorbehalts- zu Vorranggebieten aufgestuft, bei anderen die Umgriffe verändert und es gab auch eine Streichung.
In der gleichen Sitzung brachte der Ausschuss zudem ebenfalls einstimmig die 33. Änderung auf den Weg, in der ältere Windkraftgebiete an die aktuellen Vorgaben angepasst werden, zum Beispiel hinsichtlich des Abstands zu Wohngebieten.
Nach den Worten des Landtagsabgeordneten Martin Stümpfig (Grüne) ist der Ausbau der Windkraft in der Region aber durch einen Passus im Koalitionsvertrag der Bundesregierung gefährdet. Darin heiße es, dass leistungsschwächere Standorte auf ihren Ertrag geprüft werden sollen. Wenn in der Folge bayerische Anlagen mit solchen in Norddeutschland ohne den bisherigen Aufschlag konkurrieren müssten, werde es in Süddeutschland keine neuen Anlagen mehr geben.
Scheinfelds Bürgermeister Claus Seifert (SPD) sagte, es gebe fertige Genehmigungen, die nicht in die Ausschreibung gehen könnten, weil kein Netzanschluss möglich sei. Ansbachs Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) erklärte in seiner Funktion als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbands, die Energiewende müsse effizient fortgesetzt werden: „Wir brauchen Kosten- und Preisstrukturen, die dem Klimaschutz dienen und den Verwendern der Energie.“
In seiner Stadt gebe es immer mehr Haushalte, die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, ergänzte der Heilsbronner Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer (CSU).
Verlässliche Aussagen der N-ergie hält der Neustädter Landrat Dr. Christian von Dobschütz (CSU) für wichtig. Hans Henninger (Freie Wähler) wies darauf hin, dass nach seiner Einschätzung ohne Energiewende der Strom nicht billiger werden würde. Wenn gleichzeitig Solarparks und fast alle Windkraftanlagen stillstehen, wie es derzeit vorkomme, „dann stimmt was nicht“. Die N-ergie habe in der Vergangenheit zu wenig gemacht. Eine Einspeisung müsse spätestens Anfang der Dreißigerjahre möglich sein, „sonst können wir uns das hier sparen“.
Um den Druck hoch zu halten, wollen die Ausschussmitglieder demnächst Vertreter der N-ergie und den Nürnberger OB Marcus König einladen, der Aufsichtsratsvorsitzender bei dem Energieversorger ist.