Das siebente Weihnachtsmärchen von Kommando Grimm ist eine saubere Maßarbeit. Nichts zwickt, nichts zwackt. Von vorne bis hinten sitzt alles: der Stücktext, die Musik, die Kostüme, die Regie, die Schauspielleistung. Und klar, wie immer, am Ende tanzt in den Ansbacher Kammerspielen das Publikum.
Heiner Bomhard hat „Das tapfere Schneiderlein“ beherzt umgearbeitet. Man könnte jetzt „Das taffe Königstöchterlein“ aufs Plakat schreiben. Aber ein solches Märchen kennt kaum jemand. Noch nicht. Das wird sich ändern. Bis zum 17. Januar sollen es 52 Vorstellungen werden.
Also, der Fall ist der: Heiner Bomhard hat das Märchen gesellschaftskritisch angespitzt. Er stellt einem ängstlichen Schneiderlein in seiner Bühnenfassung eine Prinzessin an die Seite, die mutig und schlau und selbstbewusst ist und sich daheim am Hof rechtschaffen langweilt. Bei den Grimms wird sie ungefragt verheiratet. Bei Bomhard wäre das undenkbar. Grüß Gott in der Gegenwart.
Die zwei mögen sich. Sie kommen sich näher. Ein Blick. Ein heller Klang. Die Liebe ist da. Sehr schön. Wäre da nicht der intrigante Oberhofmeister, den Bomhard dazuerfunden hat, das Happy End käme gleich ums Eck. So baut sich erst noch Spannung und Dramatik auf. Auch sehr schön.
So wie die Musik von Ulrike und Thomas Koch. Zusammen mit dem Saxophonisten, dem Multiinstrumentalisten und Nebenbei-Einhorn Matthias Zippel ergeben sie außerdem eine gewiefte Kleinkapelle. Sie spendieren dem Märchen eine Tonspur und Songs, die einen für ein paar Minuten in die Seele jeder Hauptfigur schauen lassen. Das Märchen-Ensemble singt aber auch gut.
Das Bühnenbild, zwei rollbare Schloss-Wald-Stellwände und ein paar Requisiten, ist auf das allerallernötigste reduziert, auf das, was in den Kammerspielen möglich ist. Aber die Kostüme. Kommando Grimm lässt sich nicht lumpen. Beatrix Cameron greift zu edlen Stoffen und bunten Ornamenten. Prächtig. Die Fabelfiguren – das Einhorn, das Wildschwein und zwei dickfäustige Riesen auf der Saaltreppe, die ihre Beine über die rechte Brüstung herabbaumeln lassen – sind ironisch präsentierte Mumpitz-Kameraden.
Aus einem solchen Material lässt sich eine pralle Märchenstunde bauen. Katja Schumann muss man das nicht sagen. Als Regisseurin zieht sie alle Register, eines nach dem anderen. Sie bespielt den Raum rundum. Wirft die Nebelmaschine an. Setzt stille und knallige Gags. Neben dem Schwank, der im Grimm-Märchen steckt, reizt sie auch Heiner Bomhards Action- und Poesie-Angebote aus. Die Personen führt sie klar und genau.
Peter Huber ist vor allem ein Bilderbuch-Königskomödiant. Thorsten Siebenhaar glänzt als komisch-fieser Oberhofmeister. Josa Butschkau spielt sein Schneiderlein wie einen Felix-Krull-Cousin. Das Schnöselige und Hochstaplerische verliert sich dann in dem Maße, wie der Schneider die Abenteuer besteht und Liebe erfährt – der aufgeweckten Königstochter sei Dank. Luise Pahlke spielt sie mit frechem Charme und stahlblauem Blick. Eine Prinzessin zum Wildschwein jagen.