Die Klinikfördervereine in Dinkelsbühl und Rothenburg wollen am Sonntag, 30. März, mit Demonstrationen zeigen, dass die Menschen im westlichen Landkreis Ansbach eine Herabstufung ihrer Krankenhäuser ablehnen. Der Verwaltungsrat von ANregiomed wird aber ohnehin erstmal nichts entscheiden.
Der Verwaltungsrat tagt am Freitag, 4. April, wieder. Wie immer nichtöffentlich. Es ist die erste Zusammenkunft des Gremiums seit der Sitzung am 19. Februar, die eigentlich die Entscheidung bringen sollte, wie es mit Dinkelsbühl und Rothenburg weitergeht. Die Entscheidung blieb aus. Als klar war, dass die nötige Dreiviertel-Mehrheit nicht erreicht wird, verzichtete man auf die Abstimmung.
Damit bleibt alles, wie es ist. Doch immer mehr Beschäftigte empfinden das als lähmenden Stillstand, der an den Nerven zerrt. Irgendwie erwarten alle, dass trotzdem bald etwas passieren wird.
Nach FLZ-Informationen steht das Thema Herabstufung von Dinkelsbühl und Rothenburg nicht auf der Tagesordnung am diesem Freitag. Aber alle, die mit dem Thema befasst sind, gehen davon aus, dass das trotzdem diskutiert werden wird.
Rückblick: Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Jürgen Ludwig und sein Stellvertreter Thomas Deffner gingen mit dem Vorschlag in die Februarsitzung, Dinkelsbühl und Rothenburg in sektorübergreifende Versorger (SÜV) umzuwandeln. Das sind Häuser, die zwischen einem klassischen Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung (so wie jetzt Dinkelsbühl und Rothenburg) und einem rein ambulanten Medizinischen Versorgungszentrum angesiedelt sind. Die Innere Medizin gäbe es weiterhin stationär, die Chirurgie nur noch ambulant und nicht mehr rund um die Uhr. Doch viele Konzeptdetails hat das Bundesgesundheitsministerium noch nicht festgelegt.
In der Sitzung vor gut fünf Wochen zeichneten sich fünf Gegenstimmen ab: Dr. Christoph Hammer (CSU, Dinkelsbühl), Gabriele Müllender (Grüne, Rothenburg), Uwe Reißmann (SPD, Windsbach), Oliver Rühl (Grüne, Ansbach) und Gerhard Siegler (Freie Wähler, Weidenbach). Letztgenannter nahm als Vertreter von Hermann Schröter (Freie Wähler, Weihenzell) an der Sitzung teil.
Schröter machte im Gespräch mit der FLZ nun deutlich, dass er die Situation ganz anders bewertet als sein Stellvertreter. „Ich bin überzeugt davon, dass es wichtig ist, eine Entscheidung zu treffen, auch wenn diese vielleicht unliebsam sein mag.“ Mit einer Stimme mehr kann Ludwig also rechnen.
Schröter, der als ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Stadt und Landkreis Ansbach regelmäßig mit den Krankenhäusern in der Region zu tun hat, unterstützt Ludwigs Plan, aus Dinkelsbühl und Rothenburg SÜVs mit einer Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung zu machen. Nach Zahlen von ANregiomed könnten nur rund acht Prozent der jetzigen Notfälle in den abgespeckten Häusern nicht mehr behandelt werden.
Dennoch ist es vor allem die Notfallversorgung, die den Verwaltungsräten und den Menschen in der Region am meisten Sorgen macht. Das unterstreicht auch Uwe Reißmann. Die Kernfrage lautet für ihn: „Wie werden die Tracerdiagnosen im Landkreis Ansbach künftig behandelt und versorgt?“ Unter Tracerdiagnosen verstehen Mediziner zeitkritische Krankheitsbilder, bei denen eine schnelle Behandlung zum besseren Ergebnis führt. Aktuell sieht Reißmann Lücken im System, wenn es in Dinkelsbühl und Rothenburg Einschränkungen gäbe. Sollten aber „neue Erkenntnisse in Sachen Notfallversorgung vorliegen“, sei er „bereit, seine Meinung zu revidieren“.
Ähnlich äußern sich die beiden Grünen im Verwaltungsrat. Gabriele Müllender und Oliver Rühl sehen keinen Grund ihre ablehnende Haltung zu den SÜVs zu ändern, so lange keine neuen Fakten vorliegen. Vor allem so lange der Umbau in Ansbach noch läuft, sei eine Umstellung aus ihrer Sicht nicht darstellbar, sagte Müllender im Gespräch mit der FLZ. Für sie ist neben einer Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung auch eine Intensivstation mit mindestens vier Betten ein klares Muss. Unter neuen Voraussetzungen kann sie sich aber vorstellen, ihre Position zu ändern.
Bei Christoph Hammer ist damit nicht zu rechnen. Der Dinkelsbühler Oberbürgermeister kämpft seit jeher mit offenem Visier, um das Krankenhaus in seiner Stadt im bisherigen Umfang zu erhalten. Etwas anderes als ein Nein ist von ihm nicht zu erwarten.
Es gibt also vier Gegenstimmen im Verwaltungsrat. Für eine Dreiviertelmehrheit dürften es höchstens drei sein. Es bleibt also beim Stillstand auf Abruf. Möglicherweise dauert dieser Zustand bis nach der Kommunalwahl im März 2026. Danach wird ein neuer Verwaltungsrat gebildet. Dann werden die Karten neu verteilt.
Doch so lange kann ANregiomed nicht warten. Spätestens im August muss der Klinikverbund die Leistungsgruppen beantragen, die künftig in den Häusern angeboten werden sollen. Immerhin: Der Grouper (eine Software, mit der die Krankenhäuser prüfen können, ob sie die Voraussetzungen erfüllen), ist inzwischen freigeschaltet. Einfach werden die Zuteilungen dennoch nicht.
Parallel dazu läuft die Defizit-Uhr. Fürs laufende Jahr stehen im Wirtschaftsplan von ANregiomed 32 Millionen Euro Minus. Vergangenes Jahr lief es allerdings deutlich besser, statt prognostizierten 28,7 Millionen waren es nur 16 Millionen Euro Defizit. Rund fünf Millionen der Verbesserungen waren aber auf Einmaleffekte zurückzuführen. Die Verbesserung schürt bei manchem Verwaltungsrat nun aber ebenso Hoffnung wie die neuen Sondervermögen des Bundes. Ob zurecht, ist noch offen.