Der Samstag stand in Bad Windsheim mit gleich zwei Ereignissen im Zeichen der Tafel. Nach der Schließung der Ausgabestelle gelang am Nachmittag ein „wunderbarer Neustart“, wie der Vorsitzende Thomas Nicol auf Facebook erklärt. Am Abend wurde dann die außerordentliche Mitgliederversammlung abgehalten – rechtlich korrekt, wie die Anwesenden sagten.
Wegen „psychischer Gewalt“ hatte der Vorstand der Aischgründer Tafel „Iss was“ vor einigen Tagen beschlossen, die Bad Windsheimer Ausgabestelle vorerst zu schließen. Mehrere Helferinnen und Helfer hatten daraufhin Post von Nicol erhalten und wurden aus dem Ehrenamt entlassen. Zu diesem Mittel hatte der Vorsitzende bereits bei den Streitigkeiten im August gegriffen. Gegen vier laufe außerdem ein Vereinsausschlussverfahren, erläuterte der Vorsitzende im Redaktionsgespräch. Seine Gegner sprachen allerdings auch am Samstagabend noch von „Willkür“; Nicol habe aus persönlichen Gründen gehandelt, was dieser bestreitet.
Klären lässt sich das für Außenstehende nicht – die Varianten klingen dafür zu verschieden. Am Samstag öffnete die Ausgabe jedenfalls wieder. Nicol schreibt auf Facebook: „Dank der überwältigenden Unterstützungsangebote, die wir erhalten haben, konnten wir heute einen soliden Grundstein für die Zukunft setzen. Besonders stolz sind wir auf die beiden Helfer aus dem ehemaligen Team der Ausgabestelle, welche sich völlig unbeeindruckt von Beschimpfungen uns heute angeschlossen und damit ihre Loyalität gegenüber dem Verein und der Sache, für die wir stehen, gezeigt haben.“
Ob Bad Windsheim, Uffenheim, Scheinfeld oder Neustadt: „Unser Team hat heute gezeigt, dass wir geschlossen zueinander stehen. Hass, Intrigen und Mobbing haben in unserem Verein nichts zu suchen und werden nicht toleriert.“ Mit dem „heutigen Tage“ habe der „überfällige Neuanfang“ begonnen, so Nicol – „und wir freuen uns auf jeden neuen Helfer, der Lust hat, künftig unsere Ausgabestelle Bad Windsheim zu bereichern und zu stärken“.
Am Abend wurde dann der Clubraum des Ristorante „Villa Liga“ zum Schauplatz. Die Noch-Vize-Vorsitzende Anja Böhringer hatte zur außerordentlichen Hauptversammlung geladen. Knapp 20 Personen folgten ihrem Aufruf. Zwar habe Böhringer im Juli ihren Rücktritt von ihrem Vorstandsposten bekanntgegeben, welcher von der Neustädter Tafelverwaltung auch bestätigt wurde. Aber: Die Bad Windsheimerin sei nicht aus dem Vereinsregister am Amtsgericht Fürth herausgenommen worden, „was zwingend nötig gewesen wäre“, erklärte Manuel Henneberger. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich das erfahren habe“, betonte Böhringer. Nicol hätte sich kümmern müssen, was er aus Sicht seiner Gegner nicht getan habe.
Entsprechend hatte Böhringer jüngst ein Schreiben aufgesetzt und eine Neustädter Notarin damit beauftragt. Mit der Sitzung am Samstag sei ihr Rücktritt also jetzt auch ganz offiziell. Gleich im Anschluss wurde nachgewählt. Anja Böhringer schlug Manuel Henneberger als ihren Nachfolger vor. Die 15 Wahlberechtigten votierten einstimmig für ihn.
Zuvor hatte dieser bereits auf eine Lücke in der Satzung hingewiesen, die diesen Schritt ermögliche. Die Ladung drei Tage zuvor sei somit auch völlig legitim gewesen. „Alles, was wir hier tun, ist rechtmäßig“, betonte Henneberger, der sich dabei auf den Paragrafen 26 des Bürgerlichen Gesetzbuches beruft. Nicol hatte am Freitag gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass die Versammlung keine offizielle Iss-was-Zusammenkunft sei und somit alle Beschlüsse nichtig seien. Die Anwesenden sahen das allerdings gänzlich anders. Hennebergers Wahl soll bereits am Montag notariell beglaubigt werden.
Nicol habe zuvor, aus Sicht der Gegner, keinen „vollwertigen Vorstand“ gehabt, weshalb Entscheidungen, die er traf, nichtig seien, auch die Abberufungen. Die Handlungsfähigkeit sollte mit den Neuwahlen wieder hergestellt werden. Henneberger kündigte an, zeitnah das Gespräch mit Nicol zu suchen. Die Bad Windsheimer Helferinnen und Helfer wollen schon am kommenden Samstag ihre Ausgabestelle wieder selbst in die Hand nehmen.
Außerdem betonte der designierte Vize-Vorsitzende: Sobald seine Wahl ins Amt rechtskräftig werde, wolle er einen Antrag auf Kassenbuch-Einsicht stellen. Sollte Nicol dieser Forderung nicht nachkommen, werde er ihn wegen Veruntreuung anzeigen, so Henneberger, der Zweifel äußerte, dass die Kassenführung des Vereins „Iss was“ korrekt sei. Bis zur Neuwahl bei der ordentlichen Jahreshauptversammlung, deren Termin noch nicht feststeht, habe er nun den Vize-Posten, so Henneberger. „Alles, was Nicol beschließt, muss jetzt über meinen Schreibtisch.“ Dieser könne also keine „Alleingänge“ mehr machen.
Wie Thomas Nicol in einer schriftlichen Stellungnahme an unsere Redaktion betonte, werden Vorstand und Verein die Wahl Hennebergers zum Vize „in keinster Weise anerkennen“. Und: „Unser Anwalt wird sich am Montag um die Angelegenheit kümmern.“ Gut möglich also, dass dieser Fall letztlich ein Gericht beschäftigen wird.