Die Teichwirtschaft prägt die Landschaft rund um Dinkelsbühl. In der Stadt soll es schon im Mittelalter so viele Weiher wie Tage im Jahr gegeben haben. Aus dieser Tradition wurde vor 40 Jahren die Fischerntewoche geboren. Die ist in diesem Jahr anders gestartet als gewohnt.
Den Feiertag Allerheiligen, der zu den „stillen” Festtagen gehört, wollte die Stadt Dinkelsbühl respektieren. Deshalb wurde das Abfischen und die offizielle Eröffnung der Veranstaltungswoche mit Blaskonzert der Kapelle Eigner und Ansprachen auf dem Altrathausplatz um einen Tag verschoben. Am Sonntag regnete es am Morgen zwar kräftig, das hinderte zahlreiche Schaulustige aber nicht daran, der Fischernte auf dem Rothenburger Weiher zuzuschauen.
Teichwirt Ralf Scheuermann und sein Team holten mit Keschern Karpfen und allerlei Beifang auf dem Gewässer. Aber nicht alle Exemplare werden auf den Tellern der Dinkelsbühler Gastronomie landen. Denn bis ein Fisch soweit ist, braucht er ein paar Jahre, wie Sebastian Salomom von der Teichgenossenschaft im Landkreis Ansbach den Zuschauerinnen und Zuschauern erläuterte. So ziehe ein Karpfen mehrmals in seinem Leben um, von einem Gewässer zum nächsten.
Weiher seien ein wertvoller Lebensraum mit großer ökologischer Bedeutung, erklärte der Fachmann, der auch von „ehrlicher, naturverbundener Arbeit” der Teichwirte sprach. Die Fischwirtschaft sei ein Stück „echter fränkischer Kultur”.
Der Leiter des Touristik Service freute sich über die gute Resonanz des Publikums am Rothenburger Weiher und lud die Leute auch zur offiziellen Eröffnung der Veranstaltungswoche auf den Altrathausplatz ein. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer erinnerte dort an die 40-jährige Tradition der Fischerntewoche, deren Grundidee es gewesen sei, die Vermarktung des heimischen Fisches mitten in die Stadt zu holen. Bei der Verwirklichung dieses Vorhabens hätten die Stadt, die Weihergemeinschaft Dinkelsbühl, die Teichgenossenschaft, der Fischereiverein und die Teichwirte Hand in Hand gearbeitet.
Ebenfalls Hand legt das Team des städtischen Bauhofs an die Fischerntewoche an. Tagelang wird an der Schauteichanlage gearbeitet, „mit filigraner Handarbeit”, wie sich der OB ausdrückte. Die Verlegung an den Altrathausplatz habe einige Vorteile gebracht, meinte er. Vor allem seien jetzt die Aquarien des Fischereivereins im Hof des Alten Rathauses nachts gesichert.
Im Ausblick auf die Regionaltage, die Ute Heiß, Leiterin des Hauses der Geschichte initiiert hat und die am Dienstag, 4. November, starten, merkte Hammer an, dass Menschen Heimat bräuchten, um sich in der globalisierten Welt zurechtzufinden.
Heute habe die Fischerntewoche ein „starkes Standing” in Dinkelsbühl, fuhr Hammer fort. Der Dinkelsbühler Karpfen, der sich aus der jahrhundertelangen Fischzucht entwickelt habe, sei für die heimische Gastronomie wichtig.