Es ist mitten in der Nacht, als Pascal B., Mitarbeiter einer Firma in Herrieden, seine Nachtschicht unterbricht. Gegen 2.30 Uhr macht er eine kurze Pause, um Geld abzuheben. Sein Ziel: der Geldautomat am Marktplatz. Doch was ihn dort erwartet, wird er so schnell nicht vergessen.
„Als ich auf Höhe der Stiftsbasilika und der Fußgängerampel war, hörte ich plötzlich eine Explosion“, berichtet Pascal B. der FLZ. Zunächst habe er die Situation völlig falsch eingeschätzt: „Ich dachte, da wirft einer Böller,“ sagt der 23-Jährige.
Mit eher harmlosen Kanonenschlägen hatte die Lage allerdings wenig zu tun. Stattdessen wurde der Herrieder Augenzeuge der Automatensprengung am vergangenen Freitag. Unbekannte Täter hatten die Geldautomaten der Sparkasse am Marktplatz in die Luft gejagt und dabei das Erdgeschoss in Brand gesetzt. Die Bilanz: eine verletzte Bewohnerin im Haus, eine verwüstete Geschäftsstelle und schwere Schäden am Gebäude selbst.
Die Tat sorgt nicht nur für Unruhe in der Stadt, sondern auch für zahlreiche Gerüchte. Pascal B., der nicht möchte, dass ein Nachname in der Zeitung steht, wird selbst regelmäßig auf die Nacht angesprochen und fühlt sich gezwungen, immer wieder seine Erlebnisse zu erzählen, um sich Mutmaßungen entgegenzustellen. Zum Beispiel, dass er selbst beteiligt gewesen sein soll – alleine deshalb, weil er zu jener Zeit vor Ort war.
Als Pascal B. nach dem Knall seinen Wagen auf einem Parkplatz abstellt und aussteigt, wird ihm der Ernst der Lage bewusst. Ein schwarz gekleideter, vermummter Mann springt hektisch umher. Pascal B. schildert die Szene ruhig, aber die Erlebnisse scheinen ihm noch nachzugehen. „Ich habe nicht realisiert, dass die Bank ausgeraubt wird“, erzählt er. Der Unbekannte habe ihn sogar laut angesprochen, doch an die genauen Worte könne er sich nicht mehr erinnern.
In diesem Moment steigt Pascal B. zurück in sein Auto und fährt einige Meter weiter, um sich in Sicherheit zu bringen, so beschreibt er es. Von dort aus ruft er den Polizeinotruf – es ist 2.33 Uhr. Kurz darauf kehrt er, noch sichtlich aufgewühlt, an seinen Arbeitsplatz zurück. Seine Kollegen beschreiben ihn als „komplett weiß und zitternd“.
Später, beim Ansehen der Videos und Bilder der Tat, wird ihm das wahre Ausmaß des Vorfalls bewusst: „In dem Moment dachte ich nicht, dass es so groß ist.“
Das Landeskriminalamt, das in der Sache ermittelt, kann derweil auf FLZ-Anfrage hin wenig Fortschritte verkünden. Zumindest scheint nun aber klar zu sein, dass definitiv kein Gasgemisch, sondern ein Sprengstoff angewandt wurde, um die beiden Automaten zu knacken.
Die Ermittler rechnen die Tat weiterhin niederländischen Banden zu, die häufig mit der gleichen Vorgehensweise zuschlagen. LKA-Sprecher Jannik Schmidt bestätigt zudem, dass die Unbekannten Beute aus den Automaten geräumt haben. Inwieweit die Scheine noch brauchbar sein könnten, darüber gibt Schmidt keine Auskunft. Nach Angaben der Sparkasse seien die Geräte aber mit Farbpatronen ausgerüstet gewesen, die im Fall einer gewaltsamen Öffnung die Geldbündel unbrauchbar machen sollten.
Das LKA geht davon aus, dass die Täter sofort auf die nahe Autobahn flüchteten. Wie Schmidt mitteilt, habe eine Polizeistreife das Fluchtfahrzeug noch kurz sichten können, habe dann aber den Kontakt verloren. Laut LKA hatten die Kriminellen gestohlene deutsche Kennzeichen an ihrem Wagen angebracht.