Zeuge der Automaten-Sprengung in Herrieden: „Dachte, da wirft einer Böller“ | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 19.12.2024 06:59

Zeuge der Automaten-Sprengung in Herrieden: „Dachte, da wirft einer Böller“

Aufräumarbeiten in Herrieden: Die Täter sprengten in der Sparkasse am Marktplatz zwei Geldautomaten – dabei beobachtete sie ein Zeuge. (Foto: Florian Pöhlmann)
Aufräumarbeiten in Herrieden: Die Täter sprengten in der Sparkasse am Marktplatz zwei Geldautomaten – dabei beobachtete sie ein Zeuge. (Foto: Florian Pöhlmann)
Aufräumarbeiten in Herrieden: Die Täter sprengten in der Sparkasse am Marktplatz zwei Geldautomaten – dabei beobachtete sie ein Zeuge. (Foto: Florian Pöhlmann)

Es ist mitten in der Nacht, als Pascal B., Mitarbeiter einer Firma in Herrieden, seine Nachtschicht unterbricht. Gegen 2.30 Uhr macht er eine kurze Pause, um Geld abzuheben. Sein Ziel: der Geldautomat am Marktplatz. Doch was ihn dort erwartet, wird er so schnell nicht vergessen.

„Als ich auf Höhe der Stiftsbasilika und der Fußgängerampel war, hörte ich plötzlich eine Explosion“, berichtet Pascal B. der FLZ. Zunächst habe er die Situation völlig falsch eingeschätzt: „Ich dachte, da wirft einer Böller,“ sagt der 23-Jährige.

Zwei Geldautomaten in Herrieden in die Luft gesprengt

Mit eher harmlosen Kanonenschlägen hatte die Lage allerdings wenig zu tun. Stattdessen wurde der Herrieder Augenzeuge der Automatensprengung am vergangenen Freitag. Unbekannte Täter hatten die Geldautomaten der Sparkasse am Marktplatz in die Luft gejagt und dabei das Erdgeschoss in Brand gesetzt. Die Bilanz: eine verletzte Bewohnerin im Haus, eine verwüstete Geschäftsstelle und schwere Schäden am Gebäude selbst.

Die Tat sorgt nicht nur für Unruhe in der Stadt, sondern auch für zahlreiche Gerüchte. Pascal B., der nicht möchte, dass ein Nachname in der Zeitung steht, wird selbst regelmäßig auf die Nacht angesprochen und fühlt sich gezwungen, immer wieder seine Erlebnisse zu erzählen, um sich Mutmaßungen entgegenzustellen. Zum Beispiel, dass er selbst beteiligt gewesen sein soll – alleine deshalb, weil er zu jener Zeit vor Ort war.

Als Pascal B. nach dem Knall seinen Wagen auf einem Parkplatz abstellt und aussteigt, wird ihm der Ernst der Lage bewusst. Ein schwarz gekleideter, vermummter Mann springt hektisch umher. Pascal B. schildert die Szene ruhig, aber die Erlebnisse scheinen ihm noch nachzugehen. „Ich habe nicht realisiert, dass die Bank ausgeraubt wird“, erzählt er. Der Unbekannte habe ihn sogar laut angesprochen, doch an die genauen Worte könne er sich nicht mehr erinnern.

Mehr zum Thema Blaulicht
Großeinsatz in Dinkelsbühler Pflegezentrum: Frittieröl löst Brandmelder ausEinbruch in Schlauersbach: Ehepaar begegnet Dieben im eigenen HausKollision nahe Hesselberg: Autofahrerin übersieht Rennradfahrer gleich zweimalZweistündiger Feuerwehreinsatz bei Markt Nordheim: Strohhaufen stand in FlammenDrei Verletzte bei Gerangel: Ladendieb wird im Ansbacher Brücken-Center renitentRattengift in Oberscheinfeld in fremden Garten geworfen: Störten bellende Hunde?„Bankraub” in Herrieden: Unbekannte möblieren heimlich den Sportplatz um19-Jähriger stürzt in Ansbach von Pedelec, weil er einem Hasen ausweichen wollteMotorräder unter der Lupe: Polizei nimmt Biker an der B25 in den BlickFeuer in Waldstück im Ansbacher Westen: Polizei geht von Brandstiftung ausAuto überschlägt sich nach Crash: Unfall führt zu Totalsperrung der A6 bei AurachZwei Knochenbrüche nach Stürzen auf Radweg bei Leutershausen am gleichen TagDrei tote Rehkitze bei Windsbach: Polizei ermittelt gegen LandwirtBeziehungsstreit in Ansbach: Heckscheibe eingeschlagen, Fahrerin unter DrogenSchlägerei im Uffenheimer Freibad: Zwölfjähriger kurz bewusstlos

„Komplett weiß und zitternd” zurück auf die Arbeit

In diesem Moment steigt Pascal B. zurück in sein Auto und fährt einige Meter weiter, um sich in Sicherheit zu bringen, so beschreibt er es. Von dort aus ruft er den Polizeinotruf – es ist 2.33 Uhr. Kurz darauf kehrt er, noch sichtlich aufgewühlt, an seinen Arbeitsplatz zurück. Seine Kollegen beschreiben ihn als „komplett weiß und zitternd“.

Später, beim Ansehen der Videos und Bilder der Tat, wird ihm das wahre Ausmaß des Vorfalls bewusst: „In dem Moment dachte ich nicht, dass es so groß ist.“

Das Landeskriminalamt, das in der Sache ermittelt, kann derweil auf FLZ-Anfrage hin wenig Fortschritte verkünden. Zumindest scheint nun aber klar zu sein, dass definitiv kein Gasgemisch, sondern ein Sprengstoff angewandt wurde, um die beiden Automaten zu knacken.

Die Polizei konnte noch das Fluchtfahrzeug sichten

Einer der Angeklagten eines Prozesses in Bamberg gegen eine Automatensprenger-Bande aus den Niederlanden: Es ist stets der gleiche „Modus Operandi”. (Foto: Daniel Löb/dpa)
Einer der Angeklagten eines Prozesses in Bamberg gegen eine Automatensprenger-Bande aus den Niederlanden: Es ist stets der gleiche „Modus Operandi”. (Foto: Daniel Löb/dpa)

Was die Automaten-Sprengung in Herrieden verrät: Immer die gleichen Muster?

Kriminelle aus den Niederlanden jagen seit Jahren Geldautomaten in die Luft. Einige stehen vor Gericht – doch die Serie reißt nicht ab. So agieren die Täter.
am 13.12.2024
query_builder4min

Die Ermittler rechnen die Tat weiterhin niederländischen Banden zu, die häufig mit der gleichen Vorgehensweise zuschlagen. LKA-Sprecher Jannik Schmidt bestätigt zudem, dass die Unbekannten Beute aus den Automaten geräumt haben. Inwieweit die Scheine noch brauchbar sein könnten, darüber gibt Schmidt keine Auskunft. Nach Angaben der Sparkasse seien die Geräte aber mit Farbpatronen ausgerüstet gewesen, die im Fall einer gewaltsamen Öffnung die Geldbündel unbrauchbar machen sollten.

Das LKA geht davon aus, dass die Täter sofort auf die nahe Autobahn flüchteten. Wie Schmidt mitteilt, habe eine Polizeistreife das Fluchtfahrzeug noch kurz sichten können, habe dann aber den Kontakt verloren. Laut LKA hatten die Kriminellen gestohlene deutsche Kennzeichen an ihrem Wagen angebracht.


Von Tizian Gerbing und Johannes Hirschlach
north