Kirchen sind vor allem Gottesdienstorte. In den jahrhundertealten Gebäuden stecken aber auch Geschichten, die nicht in Predigten passen. Diese zu erzählen, ist das Anliegen speziell dafür qualifizierter ehrenamtlicher Kirchenführerinnen und -führer. Etwa 35 davon gibt es bereits in der Region. Ein neuer Lehrgang beginnt im Oktober.
Angeboten wird der Kurs vom Verein Bildung evangelisch zwischen Tauber und Aisch, der 2021/22 und 2023/24 die ersten beiden Ausbildungsrunden dieser Art organisiert hatte. Daran nahmen Frauen und Männer aus den Dekanatsbezirken Rothenburg, Uffenheim, Bad Windsheim und Neustadt teil, also aus dem gesamten Zuständigkeitsgebiet des Vereins Bildung evangelisch.
Das jeweils zu absolvierende Lehrgangsprogramm umfasste diverse Themen-Workshops, unter anderem zu Kunst- und Baugeschichte, Kirchenpädagogik und Spiritualität, aber auch Lernexkursionen zu bestimmten Kirchen in der Region, bei denen Praxiseinheiten anstanden. In ähnlicher Form wird auch der neue Lehrgang ablaufen. Zum Leitungsteam gehört wieder Erwachsenenbildnerin Maria Rummel aus Windelsbach.
Der Kurs soll am Samstag, 17. Oktober, mit einem Studientag in Rothenburg starten. Bis April 2027 stehen weitere neun Vortragsveranstaltungen und Studientage auf dem Programm. Das Erlernte soll einfließen in eine Abschlussarbeit, in deren Mittelpunkt die jeweilige Heimatkirche der Teilnehmenden steht. Fällt die Bewertung positiv aus, wird das in Form eines Zertifikats bescheinigt. Mit dieser Qualifikation können die Frauen und Männer dann in ihren Gemeinden Kirchenführungen anbieten und dafür auch gebucht werden, etwa von Ausflugsgruppen.
Anmeldungen für den Lehrgang sind ab sofort bei Bildung evangelisch möglich. Sie sollten auch zeitnah erfolgen, denn die Zahl der Teilnehmenden ist auf 20 begrenzt. Zur Einstimmung werden die angemeldeten Personen am Donnerstag, 18. Juni, 19 Uhr, zu einem Kennenlerntreffen eingeladen, wobei dieses vermutlich als Videokonferenz stattfindet. Näheres wird im Zuge der Anmeldung mitgeteilt.
Ida Morgenstern aus Windelsbach und Helmut Schwemmbauer aus dem Gemeindeteil Birkach haben das Zertifikat schon in der Tasche. Sie hatten den ersten von Bildung evangelisch angebotenen Lehrgang dieser Art absolviert und bereuen den Aufwand, der dafür zu leisten war, nicht. Ida Morgenstern ist seit zehn Jahren Mesnerin der Martinskirche und hatte von daher ohnehin einen sehr engen Bezug zu dem Gotteshaus. Über die Ausbildung zur Kirchenführerin sei dieses Verständnis noch tiefer geworden, erklärte sie bei einem Treffen.
Zahlen, Fakten und baugeschichtliche Dinge seien die eine Sache. Sie versuche, bei ihren Führungen aber auch die andere, die spirituelle Ebene zu streifen. Ihr bringe das persönlich sehr viel, sagt die Windelsbacherin, die bisher schon rund 15 Gruppen in dieser Funktion begrüßt hat. Das Spektrum reicht hier von Geburtstagsgesellschaften, die das als zusätzlichen Punkt in das Tagesprogramm einbauten, bis hin zu einer alten Schulfreundin, die mit einigen Bekannten kam, um sich von Ida Morgenstern die Kirche zeigen und erklären zu lassen.
Das Gotteshaus, dessen Besonderheiten Helmut Schwemmbauer Interessierten näherbringt, ist jenes im Windelsbacher Gemeindeteil Preuntsfelden. Er engagiert sich dort seit vielen Jahren als Prädikant, weshalb es für ihn nahe lag, auch die Kirchenführer-Ausbildung zu machen. Allzu oft sei er bisher zwar nicht für solche Einsätze gebucht worden, aber jeder davon habe ihm Freude bereitet, sagt Schwemmbauer. Er habe das Gefühl, dass sich durch diese Aufgabe sein eigener Horizont erweitere und sein Blick auf dieses kleine Gotteshaus, das er so gut zu kennen glaubt, verändere.
Anmeldungen und Anfragen:
Telefon 09861/977600 oder
E-Mail an bildung.buero.tauberaisch@elkb.de