Braun gebrannte Wiesen und Maispflanzen mit rollenden Blättern sieht man mittlerweile überall im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Deshalb trafen sich Jürgen Dierauff als Kreisobmann des Bauernverbandes und Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth-Uffenheim auf dem Hof von Rainer Schweigert im Neustädter Ortsteil Unterschweinach und diskutierten über die schwere Situation.
Zudem ist es nicht das erste Mal, dass die Trockenheit für massive Ernteausfälle auf den Feldern und Wiesen sorgt. Auch dem Laien wird klar, welche Auswirkungen die Trockenheit in der Landschaft hat. Doch die Rinderhalter trifft es besonders hart, weil aus den Vorjahren nicht wie üblich Futtervorräte zur Überbrückung vorhanden sind. Hinzu kommen die Verwerfungen auf den Agrarmärkten infolge des Ukrainekrieges. Dies bedeutet, dass die Getreidepreise nach den Höhenflügen inzwischen wieder das Niveau von 2019 erreicht haben, während sich die Düngemittelpreise verdoppelt haben.
Wie Dierauff bei einem Erntepressegespräch auf Schweigerts Hof darlegte, steht nach teilweise erfolgtem Mähdrusch von Wintergerste und Raps nun auch die Ernte von Winterweizen an. AELF-Leiter Gerd Düll erklärte, dass die Erträge bei Wintergerste zufriedenstellend waren, weil diese von der Frühjahrsfeuchtigkeit profitieren konnte.
Bei den inzwischen schon gedroschenen Rapsparzellen zeigen sich hingegen sehr kleine Körner, so dass die Hektarerträge von 20 bis 30 Doppelzentner schwankten. Wie ein Überblick über die zu erwartenden Getreideerträge zeigt, seien die schlechten Böden bei Trockenheit noch deutlicher im Nachteil, als es bei den Bodenpunkten zum Ausdruck komme. So wurden bei Wintergerste aus dem Steigerwald Erträge von 40 bis 65 Doppelzentner genannt, während im Gau bis über 100 Doppelzentner je Hektar gedroschen wurden.
Dass nach dem Ende der flächendeckenden Regenfälle am 11. Mai es nur örtlich zu Gewittern kam, habe zur Folge, dass die Druschergebnisse wegen einer ungenügenden Kornausbildung unterdurchschnittlich ausfallen.
Wie das Stimmungsbild der Mitglieder des Kreisvorstands zeigte, leiden neben dem Weizen inzwischen auch die Zuckerrüben und vor allem der Silomais unter den extremen Wetterbedingungen. Nach Beeinträchtigung einer zeitgerechten Saat durch die zunächst noch vorhandene Feuchtigkeit, zeigte sich auf vielen Feldern ein lückiger Aufgang. Nachgesätem Mais geben die BBV-Vorstandsmitglieder Peter Hügelschäfer, Konstantin Binder, Johann Buchner und der Maschinenringvorsitzende Hubert Weigand kaum noch Chancen, sich zu nennenswerten Beständen entwickeln zu können.
Da würde auch ein derzeit nicht absehbarer Wetterumschwung nur wenig helfen. Die Wiesen könnten zwar schnell wieder grün werden, doch fehle auf jeden Fall der zweite Schnitt. Dies war auch der Grund, weshalb viel Getreide als Ganzpflanzensilage geerntet wurde, um die Viehbestände ernähren zu können, erläuterten Kreisobmann Dierauff und Kreisbäuerin Renate Ixmeier.
Düll berichtete außerdem von einem auffällig starken Auftreten von Blattläusen an Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln sowie am Obst und im Gartenbau. Wie aus der von Düll vorgelegten Anbaustatistik hervorging, haben die Landwirte im Landkreis wegen der Trockenheit deutlich weniger Soja (197 statt 299 Hektar) und Lupinen (58 Hektar nach 129 Hektar im Vorjahr) angebaut.
Der Maisanbau, der über Jahre rückläufig war, wurde wieder aufgestockt, weil die Tierhalter weniger Futtervorräte aus dem Vorjahr hatten. Als erschreckend bezeichnete Düll die Abnahme von Schweinen von 75.227 auf 70.226 in nur einem Jahr.