Der Kreistourismus hat ein neues Konzept entwickelt. Die Mitglieder des Kreisentwicklungsausschusses ergänzten es in der Sitzung noch um eigene Ideen. Der stellvertretende Landrat und frühere Landtagsabgeordnete Hans Herold brachte so eine Zielgruppe ins Gespräch, die bisher offenbar außen vor gelassen wurde.
Durch einen Reha-Aufenthalt vor kurzer Zeit war ihm das Potenzial der Bad Windsheimer Kliniken bewusst geworden, so Herold. 400 Menschen, die alle drei Wochen durchwechseln, kommen zum Teil von weit her in den Landkreis. Dazu reisen teils noch die Angehörigen am Wochenende an. Diese Klientel solle man gezielt ansprechen, schlug Herold vor und erntete allgemeine Zustimmung.
Eine andere Idee steuerte Neuhofs Bürgermeisterin Claudia Wust bei: Eine Serie von „versteckten Orten” könnte sie sich vorstellen, die von den jeweiligen Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen oder anderen Expertinnen und Experten für das Gemeindegebiet vorgestellt werden. Uffenheims dritte Bürgermeisterin Ruth Halbritter wünschte sich zudem Wanderungen, die speziell dem jüngeren Nachwuchs die Touren schmackhaft machen – als Beispiel diente beispielsweise der Münchsteinacher Keltenweg.
Vorangegangen war die Vorstellung des neuen Tourismuskonzeptes des Landkreises von Elena Schuster. Eine wesentliche Änderung: „Frankens Mehrregion” soll künftig die Dachmarke sein, unter der sich alles findet, was Touristen und Einheimische im Landkreis besuchen und erleben können. „Das ist künftig unsere touristische Seite”, betonte Landrat Dr. Christian von Dobschütz. Alle Inhalte, die nichts mit Freizeit, Veranstaltungen oder Genusstipps zu tun haben, sollten entfernt werden.
Der Tourismus sei mit 800.000 Übernachtungen, 3,3 Millionen Tagesreisen und knapp 194 Millionen Euro Umsatz (alle Zahlen aus dem Jahr 2023) ein zentraler Wirtschaftsfaktor und Beschäftigungsmotor im Landkreis. Durch Großprojekte wie die Landesgartenschau 2027 in Bad Windsheim oder das Naturparkzentrum in Scheinfeld erhofft man sich einen weiteren kräftigen Schub nach vorne.
Der Tourismus strahlt auf viele andere Bereiche aus: Egal, ob die Gäste morgens Brötchen kaufen, das Freibad besuchen oder im Gasthaus essen gehen, ob sie Busse und Wanderwege nutzen oder bestimmte Bräuche und Traditionen sehen wollen und damit helfen, diese zu erhalten: Tourisus verbessert die Nahversorgung und steigert die Attraktivität der Region, wurde in der Sitzung betont.
Das Konzept geht auch auf aktuelle Trends ein: So hält der Camping-Boom über Corona hinaus an. 2024 sei frankenweit ein neuer Übernachtungsrekord aufgestellt worden. Es gibt nicht das eine Alleinstellungsmerkmal, sondern eine Vielfalt (deshalb der Name „Mehrregion”). Deshalb müssen unterschiedliche Angebote für Aktivurlaub, Genuss, Wellness und Gesundheit sowie Kultur, Geschichte und Tradition entwickelt werden.
Stichwort Aktivurlaub: Mit 1200 Kilometern Radwegen ist man im Landkreis gut aufgestellt. Eine schöne Bestätigung war die Aufnahme der Kampagne „Mehr Rad” als landesweites Vorführ-Beispiel durch die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern. Auf insgesamt 100 Bannern wurde Werbung fürs Radeln auch im Alltag gemacht. Die Aktion wird in einer eigenen Broschüre beworben. Was dagegen noch fehle, seien eigene Angebote für Mountainbiker.
Die Genussregion wird durch traditionsreiche Aktionen wie die „Aischgründer Karpfenschmeckerwochen” und die „Wildbretwochen” gestärkt. Unter „Kultur, Geschichte und Tradition” nannte Elena Schuster vom Kreistourismus neben Museen und historischen Stätten auch die Rechtlerwälder, die Osingverlosung, die Bier- und Weinkultur, den Streuobstanbau oder die Schäferei.
Im Moment gebe es noch zu wenige Unterkünfte, die zum Beispiel einen Gepäcktransport anbieten, erwähnte Schuster. Weiter ausbauen könnte man auch das Werben mit „tierischen Erlebnissen”: „Wir haben den Storch, den Karpfen, Alpaka-Wanderungen oder Urlaub auf dem Bauernhof”, zählte die Kreistourismus-Vertreterin auf.
Gut angekommen sei die Karpfen-Radeltour mit dem Landrat. Harald Trabert schlug vor, solche geführten Radtouren oder Wanderungen häufiger anzubieten – es müsse ja nicht immer von Dobschütz sein. Auch Bürgermeister oder andere Menschen, die unterwegs ein paar Einblicke gewähren, seien gute Exkursionsleiter oder Exkursionsleiterinnen.
Halbritter ergänzte, dass man dabei auch mit dem Fränkischen Albverein kooperieren könnte. Sie wünschte sich eine Gästekarte, mit der man zum Beispiel innerhalb des Landkreises den Zug umsonst nutzen könnte. So würden Gäste dazu ermuntert, auch weitere Angebote des Landkreises kennenzulernen.