Die Erfüllungsquote des Landkreises Ansbach bei der Unterbringung von Geflüchteten liegt bei 74 Prozent. Das bedeutet: Statt der 1856 Menschen, die derzeit hier untergebracht sind, müssten es rein rechnerisch 2490 sein. Die Stadt Ansbach hingegen hat ihr Soll mit 165 Prozent deutlich übererfüllt.
Vielerorts gibt es derweil Proteste, sobald bekannt wird, dass eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll. Im Landkreis Ansbach ist es dabei deutlich ruhiger als im Nachbarkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, wo die Welle der Ablehnung viel stärker zu spüren ist.
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Offensichtlich existieren Ängste bei den Menschen. Dabei macht die Zahl der Geflüchteten im Landkreis Ansbach weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. Der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig sieht dennoch eine „immense Herausforderung“, die die Unterbringung darstellt. „Leider muss vermehrt festgestellt werden, dass vielerorts die Kapazitäten erschöpft sind – sowohl räumlich als auch personell.“
Das wird nichts daran ändern, dass weitere Menschen aufgenommen werden müssen. Angesichts völlig überfüllter Ankerzentren wie in Zirndorf, greift die Regierung zu härteren Mitteln und setzt öfter auf Zwangszuweisungen. Man schickt die Busse mit den Asylsuchenden auch dann in einen Landkreis, wenn dieser keine freien Kapazitäten meldet. Im Landkreis Ansbach kamen seit 12. Oktober 124 Personen an, obwohl Unterbringungsmöglichkeiten fehlen, teilte das Landratsamt mit.
Der Landkreis ist dennoch verpflichtet, die Menschen aufzunehmen. „Großer Zeitdruck und immer häufiger auch Widerstand in der Bevölkerung gegen neue Unterkünfte erschweren diese Aufgabe zusätzlich“, stellt Landrat Ludwig fest.
Das letzte Mittel der Wahl seien Turnhallen, die zu Notunterkünften umfunktioniert werden, hatte dieser Tage Holger Nießlein, der Sozialreferent der Stadt Ansbach gesagt. Aus dem Landratsamt klingt es etwas gestelzter, sagt aber das Gleiche: „Es ist das Ziel, die Belegung von in Nutzung befindlichen Turnhallen möglichst zu vermeiden.“
Um das zu verhindern, hat vor wenigen Tagen der Colmberger Gemeinderat die Vorbereitungen getroffen, um Container aufzustellen. Die Stadt Dinkelsbühl hat dem Landkreis ein erschlossenes Grundstück angeboten, auf dem in Holzbauweise eine solide Unterkunft für 100 Menschen geschaffen werden kann. Das zeigt, dass es mancherorts Bemühungen gibt, der Situation aktiv zu begegnen. Doch manche Gemeinde versucht es auch mit Wegducken. Die Lage bleibt angespannt.
„Das Landratsamt Ansbach sucht mit Hochdruck nach Wohnungen und allen sonstigen geeigneten Gebäuden (Hotels, Ferienwohnungen, Bürogebäude) und bittet dringend die Bevölkerung, freie Gebäude anzubieten“, erklärte die Kreisverwaltung gegenüber der FLZ. „Voraussichtlich werden ergänzend aber auch Hallen, beheizbare Zelte und Leichtbauhallen erforderlich werden.“ Auch hierfür bittet das Landratsamt darum, Grundstücke zu melden, ideal wäre es natürlich, wenn sich dort bereits sanitäre Anlagen befänden.
Eine Verteilung vor allem auf Basis der Bevölkerungszahl wünscht sich Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Da das Landratsamt selbst den Königsteiner Schlüssel nicht auf Gemeindeebene anwendet, hat die FLZ den Gesamt-Landkreis-Anteil nach Einwohnerzahlen auf die Kommunen heruntergerechnet. Dabei kommt es aufgrund des Auf- und Abrundens zu kleinen Abweichungen von der Gesamtsumme. Zwölf der 58 Städte und Gemeinden im Landkreis Ansbach erfüllen derzeit ihre Quote oder liegen darüber. Auch die kreisfreie Stadt Ansbach hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als die Vorgabe wäre. Angegeben ist jeweils die Einwohnerzahl, die errechnete Soll-Zuweisung und in Klammern die tatsächlich dort lebenden Flüchtlinge (jeweils ohne Ukrainer).
Während der Landkreis Ansbach mit weiteren Zuweisungen rechnen muss, weil er seine Quote noch nicht erfüllt, hofft man in der kreisfreien Stadt Ansbach, dass nun Ruhe einkehrt. Schließlich leben hier aktuell bereits 1354 Geflüchtete – unter ihnen 596 Ukrainer. Letztgenannte leben meist in eigenen Wohnungen und haben einen anderen Status, weshalb sie in der Statistik meist nicht eingerechnet sind. Bei gut 42.000 Einwohnern errechnet sich daraus die eingangs genannte Erfüllungsquote von 165 Prozent.
Das Vergleichen der Zahlen ist allerdings grundsätzlich nicht ganz einfach. Jede Behörde setzt auf eine andere Datenbasis. Manche rechnen die Ukrainer ein, andere nicht.
Verteilt werden die Geflüchteten zumindest in der Theorie nach dem Königsteiner Schlüssel. Dahinter verbirgt sich eine Formel, die eine faire Verteilung möglich machen soll. Neben der Zahl der Einwohner spielt auch die Wirtschaftskraft einer Region eine Rolle. Die Berechnung hat ihren Ursprung im Königsteiner Staatsabkommen vom 31. März 1949, das später auch im Grundgesetz verankert wurde.
Gemäß dieser Formel muss Mittelfranken 13,5 Prozent der in Bayern ankommenden Flüchtlinge aufnehmen. Von diesen wiederum ist der Landkreis Ansbach für 10,5 Prozent der Menschen zuständig. Die Berechnungsmethode muss aber nicht zwingend angewendet werden. Der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim hat sie als Maßstab genommen, Ansbach setzt stärker auf die Einwohnerzahl.
„Mit den Bürgermeistern besteht Konsens, dass versucht werden soll, bei der staatlichen Unterbringung weiterer Asylbewerber, Flüchtlinge und Migranten die bisherige Verteilung gemessen an der Einwohnerzahl der Gemeinden zu berücksichtigen“, teilte das Landratsamt Ansbach auf Anfrage der FLZ mit. „Das steht und fällt aber mit der Verfügbarkeit von Wohnraum und Grundstücken.“
Landrat Ludwig befürwortet „die aktuellen Forderungen an die Bundesregierung nach einer klaren Begrenzung des Zustroms und nach besserer Unterstützung vor Ort“. Er dankte den Bürgermeistern, den Beschäftigten in den Verwaltungen und den Ehrenamtlichen, die geholfen haben, die bislang knapp 2400 Menschen im Landkreis aufzunehmen. Der Landrat verweist zudem darauf, dass „keine Statistik mit letzter Sicherheit das wiedergeben“ könne, „was vor Ort in den Gemeinden an Integrationsleistung gelebt und geleistet wird“.