Stadt und Kreis Ansbach: Wie viele Geflüchtete Ihre Gemeinde aufnimmt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.10.2023 14:21

Stadt und Kreis Ansbach: Wie viele Geflüchtete Ihre Gemeinde aufnimmt

Die Stadt Ansbach erfüllt ihre Quote bei der Zuweisung von Geflüchteten mehr als deutlich. Bei vielen anderen Kommunen im Landkreis Ansbach sieht das nicht so aus. (Symbolbild: James Edward Albright Jr)
Die Stadt Ansbach erfüllt ihre Quote bei der Zuweisung von Geflüchteten mehr als deutlich. Bei vielen anderen Kommunen im Landkreis Ansbach sieht das nicht so aus. (Symbolbild: James Edward Albright Jr)
Die Stadt Ansbach erfüllt ihre Quote bei der Zuweisung von Geflüchteten mehr als deutlich. Bei vielen anderen Kommunen im Landkreis Ansbach sieht das nicht so aus. (Symbolbild: James Edward Albright Jr)

Die Erfüllungsquote des Landkreises Ansbach bei der Unterbringung von Geflüchteten liegt bei 74 Prozent. Das bedeutet: Statt der 1856 Menschen, die derzeit hier untergebracht sind, müssten es rein rechnerisch 2490 sein. Die Stadt Ansbach hingegen hat ihr Soll mit 165 Prozent deutlich übererfüllt.

Vielerorts gibt es derweil Proteste, sobald bekannt wird, dass eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll. Im Landkreis Ansbach ist es dabei deutlich ruhiger als im Nachbarkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, wo die Welle der Ablehnung viel stärker zu spüren ist.

Hier geht es zur Übersicht für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.

Offensichtlich existieren Ängste bei den Menschen. Dabei macht die Zahl der Geflüchteten im Landkreis Ansbach weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. Der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig sieht dennoch eine „immense Herausforderung“, die die Unterbringung darstellt. „Leider muss vermehrt festgestellt werden, dass vielerorts die Kapazitäten erschöpft sind – sowohl räumlich als auch personell.“

Ankerzentrum in Zirndorf ist völlig überfüllt

Das wird nichts daran ändern, dass weitere Menschen aufgenommen werden müssen. Angesichts völlig überfüllter Ankerzentren wie in Zirndorf, greift die Regierung zu härteren Mitteln und setzt öfter auf Zwangszuweisungen. Man schickt die Busse mit den Asylsuchenden auch dann in einen Landkreis, wenn dieser keine freien Kapazitäten meldet. Im Landkreis Ansbach kamen seit 12. Oktober 124 Personen an, obwohl Unterbringungsmöglichkeiten fehlen, teilte das Landratsamt mit.

Der Landkreis ist dennoch verpflichtet, die Menschen aufzunehmen. „Großer Zeitdruck und immer häufiger auch Widerstand in der Bevölkerung gegen neue Unterkünfte erschweren diese Aufgabe zusätzlich“, stellt Landrat Ludwig fest.

Das letzte Mittel der Wahl seien Turnhallen, die zu Notunterkünften umfunktioniert werden, hatte dieser Tage Holger Nießlein, der Sozialreferent der Stadt Ansbach gesagt. Aus dem Landratsamt klingt es etwas gestelzter, sagt aber das Gleiche: „Es ist das Ziel, die Belegung von in Nutzung befindlichen Turnhallen möglichst zu vermeiden.“

Unterkünfte in Colmberg und Dinkelsbühl angekündigt

Um das zu verhindern, hat vor wenigen Tagen der Colmberger Gemeinderat die Vorbereitungen getroffen, um Container aufzustellen. Die Stadt Dinkelsbühl hat dem Landkreis ein erschlossenes Grundstück angeboten, auf dem in Holzbauweise eine solide Unterkunft für 100 Menschen geschaffen werden kann. Das zeigt, dass es mancherorts Bemühungen gibt, der Situation aktiv zu begegnen. Doch manche Gemeinde versucht es auch mit Wegducken. Die Lage bleibt angespannt.

„Das Landratsamt Ansbach sucht mit Hochdruck nach Wohnungen und allen sonstigen geeigneten Gebäuden (Hotels, Ferienwohnungen, Bürogebäude) und bittet dringend die Bevölkerung, freie Gebäude anzubieten“, erklärte die Kreisverwaltung gegenüber der FLZ. „Voraussichtlich werden ergänzend aber auch Hallen, beheizbare Zelte und Leichtbauhallen erforderlich werden.“ Auch hierfür bittet das Landratsamt darum, Grundstücke zu melden, ideal wäre es natürlich, wenn sich dort bereits sanitäre Anlagen befänden.

So verteilen sich Geflüchtete auf dem Landkreis Ansbach

Eine Verteilung vor allem auf Basis der Bevölkerungszahl wünscht sich Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Da das Landratsamt selbst den Königsteiner Schlüssel nicht auf Gemeindeebene anwendet, hat die FLZ den Gesamt-Landkreis-Anteil nach Einwohnerzahlen auf die Kommunen heruntergerechnet. Dabei kommt es aufgrund des Auf- und Abrundens zu kleinen Abweichungen von der Gesamtsumme. Zwölf der 58 Städte und Gemeinden im Landkreis Ansbach erfüllen derzeit ihre Quote oder liegen darüber. Auch die kreisfreie Stadt Ansbach hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als die Vorgabe wäre. Angegeben ist jeweils die Einwohnerzahl, die errechnete Soll-Zuweisung und in Klammern die tatsächlich dort lebenden Flüchtlinge (jeweils ohne Ukrainer).

Die Daten der Gemeinden von A bis Z

  • Adelshofen (948 Einwohner): Zuweisung Soll: 13, Ist: 5
  • Ansbach (42.194 Einwohner): Zuweisung Soll: 458, Ist: 758
  • Arberg (2216 Einwohner): Zuweisung Soll: 29, Ist: 25
  • Aurach (3171 Einwohner): Zuweisung Soll: 42, Ist: 42
  • Bechhofen (6238 Einwohner): Zuweisung Soll: 83, Ist: 75
  • Bruckberg (1331 Einwohner): Zuweisung Soll: 18, Ist: 29
  • Buch am Wald (1043 Einwohner): Zuweisung Soll: 14, Ist: 0
  • Burgoberbach (3737 Einwohner): Zuweisung Soll: 50, Ist: 35
  • Burk (1105 Einwohner): Zuweisung Soll: 15, Ist: 0
  • Colmberg (2164 Einwohner): Zuweisung Soll: 29, Ist: 4
  • Dentlein am Forst (2370 Einwohner): Zuweisung Soll: 31, Ist: 14
  • Diebach (1179 Einwohner): Zuweisung Soll: 16, Ist: 19
  • Dietenhofen (5731 Einwohner): Zuweisung Soll: 76, Ist: 179
  • Dinkelsbühl (12.309 Einwohner): Zuweisung Soll: 163, Ist: 115
  • Dombühl (2006 Einwohner): Zuweisung Soll: 27, Ist: 87
  • Dürrwangen (2623 Einwohner): Zuweisung Soll: 35, Ist: 21
  • Ehingen (1945 Einwohner): Zuweisung Soll: 26, Ist: 7
  • Feuchtwangen (12.726 Einwohner): Zuweisung Soll: 169, Ist: 162
  • Flachslanden (2390 Einwohner): Zuweisung Soll: 32, Ist: 32
  • Gebsattel (1757 Einwohner): Zuweisung Soll: 23, Ist: 0
  • Gerolfingen (954 Einwohner): Zuweisung Soll: 13, Ist: 0
  • Geslau (1350 Einwohner): Zuweisung Soll: 18, Ist: 14
  • Heilsbronn (9820 Einwohner): Zuweisung Soll: 130, Ist: 29
  • Herrieden (8306 Einwohner): Zuweisung Soll: 110, Ist: 62
  • Insingen (1204 Einwohner): Zuweisung Soll: 16, Ist: 0
  • Langfurth (2041 Einwohner): Zuweisung Soll: 27, Ist: 0
  • Lehrberg (3151 Einwohner): Zuweisung Soll: 42, Ist: 29
  • Leutershausen (5656 Einwohner): Zuweisung Soll: 75, Ist: 22
  • Lichtenau (3868 Einwohner): Zuweisung Soll: 51, Ist: 22
  • Merkendorf (3054 Einwohner): Zuweisung Soll: 41, Ist: 26
  • Mitteleschenbach (1661 Einwohner): Zuweisung Soll: 22, Ist: 6
  • Mönchsroth (1678 Einwohner): Zuweisung Soll: 22, Ist: 11
  • Neuendettelsau (8203 Einwohner): Zuweisung Soll: 109, Ist: 137
  • Neusitz (2087 Einwohner): Zuweisung Soll: 28, Ist: 14
  • Oberdachstetten (1639 Einwohner): Zuweisung Soll: 22, Ist: 7
  • Ohrenbach (581 Einwohner): Zuweisung Soll: 8, Ist: 9
  • Ornbau (1716 Einwohner): Zuweisung Soll: 23, Ist: 51
  • Petersaurach (5049 Einwohner): Zuweisung Soll: 67, Ist: 30
  • Röckingen (742 Einwohner): Zuweisung Soll: 10, Ist: 8
  • Rothenburg (11.431 Einwohner): Zuweisung Soll: 152, Ist: 99
  • Rügland (1286 Einwohner): Zuweisung Soll: 17, Ist: 6
  • Sachsen bei Ansbach (3636 Einwohner): Zuweisung Soll: 48, Ist: 58
  • Schillingsfürst (2791 Einwohner): Zuweisung Soll: 31, Ist: 21
  • Schnelldorf (3663 Einwohner): Zuweisung Soll: 49, Ist: 19
  • Schopfloch (2963 Einwohner): Zuweisung Soll: 39, Ist: 79
  • Steinsfeld (1249 Einwohner): Zuweisung Soll: 17, Ist: 6
  • Unterschwaningen (855 Einwohner): Zuweisung Soll: 11, Ist: 0
  • Wassertrüdingen (6313 Einwohner): Zuweisung Soll: 84, Ist: 85
  • Weidenbach (2462 Einwohner): Zuweisung Soll: 33, Ist: 9
  • Weihenzell (2983 Einwohner): Zuweisung Soll: 40, Ist: 11
  • Weiltingen (1410 Einwohner): Zuweisung Soll: 19, Ist: 0
  • Wieseth (1332 Einwohner): Zuweisung Soll: 18, Ist: 0
  • Wilburgstetten (2144 Einwohner): Zuweisung Soll: 28, Ist: 45
  • Windelsbach (1067 Einwohner): Zuweisung Soll: 14, Ist: 4
  • Windsbach (6227 Einwohner): Zuweisung Soll: 83, Ist: 48
  • Wittelshofen (1279 Einwohner): Zuweisung Soll: 17, Ist: 10
  • Wolframs-Eschenbach (3200 Einwohner): Zuweisung Soll: 42, Ist: 16
  • Wörnitz (1921 Einwohner): Zuweisung Soll: 25, Ist: 7

Während der Landkreis Ansbach mit weiteren Zuweisungen rechnen muss, weil er seine Quote noch nicht erfüllt, hofft man in der kreisfreien Stadt Ansbach, dass nun Ruhe einkehrt. Schließlich leben hier aktuell bereits 1354 Geflüchtete – unter ihnen 596 Ukrainer. Letztgenannte leben meist in eigenen Wohnungen und haben einen anderen Status, weshalb sie in der Statistik meist nicht eingerechnet sind. Bei gut 42.000 Einwohnern errechnet sich daraus die eingangs genannte Erfüllungsquote von 165 Prozent.

Königsteiner Schlüssel ja oder nein?

Das Vergleichen der Zahlen ist allerdings grundsätzlich nicht ganz einfach. Jede Behörde setzt auf eine andere Datenbasis. Manche rechnen die Ukrainer ein, andere nicht.

Verteilt werden die Geflüchteten zumindest in der Theorie nach dem Königsteiner Schlüssel. Dahinter verbirgt sich eine Formel, die eine faire Verteilung möglich machen soll. Neben der Zahl der Einwohner spielt auch die Wirtschaftskraft einer Region eine Rolle. Die Berechnung hat ihren Ursprung im Königsteiner Staatsabkommen vom 31. März 1949, das später auch im Grundgesetz verankert wurde.

Gemäß dieser Formel muss Mittelfranken 13,5 Prozent der in Bayern ankommenden Flüchtlinge aufnehmen. Von diesen wiederum ist der Landkreis Ansbach für 10,5 Prozent der Menschen zuständig. Die Berechnungsmethode muss aber nicht zwingend angewendet werden. Der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim hat sie als Maßstab genommen, Ansbach setzt stärker auf die Einwohnerzahl.

Landratsamt Ansbach will Einwohnerzahl berücksichtigen

„Mit den Bürgermeistern besteht Konsens, dass versucht werden soll, bei der staatlichen Unterbringung weiterer Asylbewerber, Flüchtlinge und Migranten die bisherige Verteilung gemessen an der Einwohnerzahl der Gemeinden zu berücksichtigen“, teilte das Landratsamt Ansbach auf Anfrage der FLZ mit. „Das steht und fällt aber mit der Verfügbarkeit von Wohnraum und Grundstücken.“

Landrat Ludwig befürwortet „die aktuellen Forderungen an die Bundesregierung nach einer klaren Begrenzung des Zustroms und nach besserer Unterstützung vor Ort“. Er dankte den Bürgermeistern, den Beschäftigten in den Verwaltungen und den Ehrenamtlichen, die geholfen haben, die bislang knapp 2400 Menschen im Landkreis aufzunehmen. Der Landrat verweist zudem darauf, dass „keine Statistik mit letzter Sicherheit das wiedergeben“ könne, „was vor Ort in den Gemeinden an Integrationsleistung gelebt und geleistet wird“.

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